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Archäologie:Ägyptische Handwerker hatten gelernt, mit dem Meteoritenmaterial umzugehen

Forscher wie Ernst Pernicka, Experte für Archäometallurgie der Universität Heidelberg, bezweifeln jedoch, dass die Signatur der Meteoriten in jedem Fall so eindeutig sei, wie von Jambon behauptet. Man müsse auch Spuren sogenannter Platinmetalle wie Osmium untersuchen, um sicher zu gehen. Die ältesten von Jambon untersuchten Funde waren 5500 Jahre alte Eisenperlen aus Gerzeh in Ägypten. Der Geochemiker analysierte zudem einen 4500 Jahre alten Dolch aus Alaca Höyük in der heutigen Türkei, eine Ugarit-Axt aus Syrien und Objekte aus der chinesischen Shang-Dynastie. Das Ergebnis war in allen Fällen eindeutig. "Eisenobjekte aus der Bronzezeit haben einen meteoritischen Ursprung. Es gab damals keine Schmelzöfen für Eisen", so Jambon. Die Menschen vor rund 5000 Jahren konnten zwar Bronze aus Kupfer und Zinn herstellen, aber noch nicht Eisen gießen, weil ihre Brennöfen nicht die nötige Temperatur von etwa 1600 Grad Celsius lieferten. "Die ältesten Objekte wie die Eisenperlen sind kalt gehämmert worden", sagt Jambon. So ließen sich jedoch keine filigran gearbeiteten Meisterwerke wie Tutanchamuns Dolch schaffen. Die ägyptischen Handwerker hätten gelernt, dass sie das Meteoritenmaterial zumindest mit Hitze erweichen mussten, um es schmieden zu können.

Jambon will nun mit seinem mobilen Gerät weitere Sammlungen, Museen und Privatpersonen besuchen, die im Besitz von antiken Eisenobjekten sind. Das soll die Anfänge der irdischen Eisenproduktion offenbaren. Der Geochemiker vermutet die Anfänge der Eisenerz-Verarbeitung vor rund 3200 Jahren in den Regionen Anatolien und dem Kaukasus. In Europa passierte der Übergang deutlich später.

Die Menschen im Alten Ägypten sprachen von Himmelseisen

Jedes Erz und damit auch jedes Eisen hat eine leicht veränderte Zusammensetzung. Interessant sind vor allem typische chemische Elemente und Verbindungen, die nur an einer Abbaustätte vorkommen. Prinzipiell lässt sich damit der Ursprungsort vieler Metalle wie Gold, Kupfer oder Silber bestimmen. Doch auch diese Herkunftsanalyse ist nicht trivial, da die Spuren nicht immer eindeutig sind. So muss gewährleistet sein, dass sich charakteristische Quoten von Spurenelementen und Isotopen des Erzes während der Eisenschmelze im Glutofen nicht verändern. Ernst Pernicka von der Universität Heidelberg hat etwa für Eisen, das in der rund 2300 Jahre alten keltischen Großsiedlung Manching bei Ingolstadt gefunden wurde, Erzminen aus Neuenbürg im Nordschwarzwald als wahrscheinliche Quelle ausmachen können (Journal of Archaeological Science). Als Hinweisgeber dienten ihm Mengenverhältnisse der Isotope 187 und 188 des Elements Osmium. Das Übergangsmetall mit einem Schmelzpunkt jenseits von 3000 Grad Celsius ändert bei der Verhüttung des Erzes seine chemische Signatur nicht.

Die Erforschung der Herkunft von antikem Metall bleibt in jedem Fall eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Im Fall von Tutanchamuns Dolch suchten die Forscher sogar nach möglichen Überresten des vor Jahrtausenden in der Atmosphäre zerbrochenen Meteoriten - und wurden in einer Datenbank fündig. Ein Meteorit, den man im Jahr 2000 nahe der Oase Kharga in Ägypten gefunden hatte, zeigte eine ähnliche Zusammensetzung der Elemente Nickel, Kobalt und Phosphor.

Tuts Dolch könnte aus einem Himmelskörper geschmiedet sein, von dem ägyptische Meteoritenjäger vor 3500 Jahre womöglich ein Bruchstück entdeckt hatten. Tatsächlich sind die Wüsten Afrikas ein dankbarer Ort für die Suche nach Meteoriten. Die Menschen im Alten Ägypten sprachen vom "Himmelseisen". Auch ein Skarabäus befand sich übrigens in Tuts Grabkammer, hergestellt aus sogenanntem Impaktglas. Das ist Wüstensand, der beim Einschlag eines Meteoriten schmilzt und zu einer glasartigen Masse erstarrt.

© SZ vom 11.01.2018/chrb/cat

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