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Wirtschaft kompakt:Daimler-Altaktionäre gehen leer aus

Daimler schließt eines der letzten Kapitel der glücklosen Fusion mit Chrysler ab. Außerdem: Google kassiert einen milliardenschweren Gewinn und GM bezirzt die Mitarbeiter - das Wichtigste in Kürze.

Außer Spesen nichts gewesen: Die Millionen-Forderungen von Daimler-Altaktionären im Zusammenhang mit der Fusion mit dem US-Autohersteller Chrysler sind abgeschmettert worden. Die Werte beider Unternehmen seien vor dem Zusammenschluss 1998 angemessen berechnet worden, teilte das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart nach einer jahrelangen Auseinandersetzung der Anteilseigner mit dem Konzern mit.

60 Jahre Bundesrepublik - DaimlerChrysler

Zwei Sterne, die gemeinsam kein Glück brachten: die Embleme der beiden Fahrzeughersteller Daimler (rechts) und Chrysler. Die Fusion des deutschen und des amerkanischen Konzerns bleibt für einige Daimler-Altaktionäre endgültig ein Ärgernis.

(Foto: dpa)

Damit bleibt dem Autobauer eine Zahlung von insgesamt 230 Millionen Euro an seine Altaktionäre erspart. Die Anteilseigner - 1,75 Prozent der damaligen Daimler-Benz-Aktionäre - hatten ihre knapp 10,5 Millionen Papiere nicht freiwillig 1:1,005 in neue DaimlerChrysler-Aktien getauscht.

Nach dem Zwangsumtausch hatten 16 Aktionäre auf eine Zuzahlung in bar geklagt, weil sie die Daimler-Benz AG bei der Verschmelzung für unterbewertet hielten. Das Landgericht Stuttgart hatte ihnen 2006 recht gegeben und eine Zuzahlung von 22,15 Euro pro Aktie festgelegt.

Dagegen hatte Daimler Beschwerde eingelegt. Der Autohersteller hatte 2007 nach neun gemeinsamen Jahren 80,1 Prozent der Chrysler-Anteile abgegeben, mittlerweile haben sich die Stuttgarter auch von den restlichen Anteilen getrennt.

Google verdient prächtig

Für den weltgrößten Internetsuchmaschinen-Betreiber Google zahlt sich die aufwendige Expansion aus. Der Konzern präsentierte überraschend starken Zahlen zum dritten Quartal - und erfreute die Börse. Die Google-Aktie schoss in den USA im nachbörslichen Handel um neun Prozent in die Höhe.

Google verdiente im abgelaufenen Quartal unterm Strich 2,17 Milliarden Dollar und übertraf damit deutlich die Prognosen der Analysten. Auch der Nettoumsatz lag mit einem Anstieg auf 5,48 (Vorjahreszeitraum: 4,38) Milliarden Dollar über den Erwartungen. Branchenexperten führten dies insbesondere auf kräftige Zuwächse im angestammten Anzeigengeschäft im Internet zurück.

Google sucht derzeit nach neuen Möglichkeiten, seine Geschäfte zu erweitern. Projekte wie die Handy-Software Android, Übernahmen sowie entlegene Vorhaben im Bereich erneuerbare Energien und zur Entwicklung voll automatisierter Autos verschlingen hohe Investitionssummen.

Das Unternehmen stellte im dritten Quartal mehr als 1500 Beschäftigte ein, die Betriebskosten schnellten um ein Drittel hoch auf 2,19 Milliarden Dollar. Investoren hatten befürchtet, das Unternehmen könnte sich verzetteln und viel Geld in den Sand setzen.

Um diese Bedenken zu zerstreuen, gab das Management ausnahmsweise sogar Einblick in die Umsatzentwicklung von neuen Bereichen des Anzeigengeschäfts, dazu zählt etwa Werbung über Handys. Damit will Google zeigen, dass sich die Investitionen insbesondere im Feld der Smartphones und in Online-Projekte lohnen.

"Worin wir investieren, treibt wirklich unsere Wachstumsraten hoch", sagte Finanzchef Patrick Pichette in einer Telefonkonferenz. Analysten zeigten sich beeindruckt. "Es sieht so aus, als ob die Geschäfte durch die Bank stabil sind", sagte Brian Pitz von UBS.

Wirtschaftsaufschwung geht an Hotels und Gaststätten vorbei

Sie bleiben vorläufig außen vor: Die Hotels und Gaststätten in Deutschland spüren bislang nichts vom rasanten Aufschwung der Wirtschaft. Die gesamte Branche des Gastgewerbes musste im August bereinigt um die teilweise kräftigen Preiserhöhungen einen Umsatzrückgang von 2,7 Prozent verkraften, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Damit beläuft sich das Minus zwischen Januar und August auf insgesamt gut ein Prozent. Besonders hart traf es die Gastronomie, deren Einnahmen im August inflationsbereinigt um 3,5 Prozent sanken.

Immerhin bleibt der Branche damit in diesem Jahr ein krasser Rückschlag wie im vergangenen Jahr erspart, als die Umsätze regelrecht eingebrochen waren. "Der Abschwung ist gebremst, aber einen Aufschwung kann man noch nicht erkennen", erläuterte ein Statistiker.

Trotz der Flaute in der Branche erhöhten Hotels und Pensionen ihre Preise im Jahresvergleich um rund sechs Prozent. Sie hatten damit etwa im August gut fünf Prozent mehr in der Kasse als vor einem Jahr, obwohl sie weniger Gäste anlocken konnten.

Daimler und Europcar planen Carsharing-Netz

Daimler und der Autovermieter Europcar rücken nach Informationen der Financial Times Deutschland enger zusammen. Die beiden Unternehmen wollen das Carsharing-Projekt Car2go gemeinsam weltweit ausbauen, wie das Blatt schreibt. Car2go ist eine 100-prozentige Daimler-Tochter, die bislang nur in Ulm und im texanischen Austin Pilotprojekte betreibt. Das Geschäftsmodell besteht dabei aus einer Flotte von Hunderten Smart-Modellen, die im Stadtgebiet parken und gegen eine Nutzungsgebühr via Handy oder Internet entliehen werden können.

Um ihre Partnerschaft zu zementieren, planen Daimler und Europcar die Gründung gemeinsamer Ländergesellschaften, wie die Zeitung aus Unternehmenskreisen erfuhr.

Die Europcar-Mutter Eurazeo bestätigte der Zeitung, dass sie anlässlich eines Informationstages für Investoren Details zu einer Partnerschaft zwischen Europcar und Daimler mitteilen werde. Die Veranstaltung soll am 26. Januar in Deutschland stattfinden.

GM-Aktien für Arbeiter und Händler

Der US-Autohersteller General Motors (GM) will bei seiner Rückkehr an die Börse fünf Prozent der Aktien seinen Mitarbeitern und Händlern anbieten. Die Opel-Mutter teilte mit, dass sie ein entsprechendes Programm zum Kauf von Stammaktien für rund 600.000 Beschäftigte, Ruheständler und Händler gestartet habe.

Die Frist laufe bis zum 22. Oktober. Mindesteinsatz je Anleger sind 1000 Dollar. Eine Obergrenze sei bislang nicht festgesetzt. Die Ankündigung ist die erste genauere Information über die Pläne des Konzerns für den Aktienverkauf bei dem im November erwarteten Börsengang.

Gut ein Jahr nach dem erfolgreich überstandenen Insolvenzverfahren will der einst weltgrößte Autohersteller mit dem Börsengang die Fesseln der Staatsbeteiligung abstreifen. Die Regierung hatte sich mit 60,8 Prozent an GM beteiligt, um die drohende Pleite des Traditionskonzerns abzuwenden. Mit einem Platzierungsvolumen von bis zu 20 Milliarden Dollar könnte es einer der größten Börsengänge aller Zeiten werden.