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Microsoft:Was über den Nachfolger von Windows 10 bekannt ist

Microsoft-Zentrale in München

Firmenlogo an Microsofts Deutschland-Zentrale in München.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Eigentlich sollte Windows 10 das letzte Windows sein und ständig verändert werden. Doch nun kommt es offenbar anders.

Von Maximilian Flaig

"Ist Windows 11 real?" Mit dieser simplen Frage ließ der Tech-Journalist Tom Warren Microsofts Sprachassistentin Cortana auflaufen: "Es wird kein Windows 11 geben", versicherte ihm die von künstlicher Intelligenz angetriebene digitale Helferin. Blöd nur: Sie hatte anscheinend nicht bemerkt, dass sie gerade auf einer Vorabversion des noch unveröffentlichten Betriebssystems lief. Warren postete die Konversation auf Twitter.

Dabei folge Cortana doch bloß dem offiziellen Versprechen ihrer Schöpfer. Diese hatten 2015 beteuert, mit Windows 10 die "letzte Version" entwickelt zu haben. Nunmehr würde es bloß regelmäßige Updates, aber kein neues Betriebssystem mehr geben, so die Ankündigung für eine Ewigkeit, die gerade mal sechs Jahre hielt.

Seit rund einer Woche kursiert eine geleakte Frühversion von Windows 11 im Netz. Sie kann mit dem entsprechenden Knowhow installiert und ausprobiert werden. Im Sinne von Microsoft ist das nicht. Das Unternehmen verlangte von Google, die Download-Links aus den Suchergebnissen zu entfernen. Eine solch harsche Reaktion wird von vielen als Indiz für die Echtheit der durchgesickerten Kopie wahrgenommen. Steht die offizielle Vorstellung von Windows 11 also kurz bevor? Tatsächlich will Microsoft am Donnerstag im Rahmen eines Online-Events "die nächste Generation von Windows" präsentieren. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich dabei um Windows 11.

Windows 11 nur ein visuelles Update?

Ohnehin ist das Ende des aktuellen, und laut Microsoft auf über einer Milliarde Geräten laufenden, Betriebssystems besiegelt. Im Herbst 2025 wird das Unternehmen Windows 10 in den Ruhestand versetzen und nicht mehr mit Updates füttern, das geht aus einem kürzlich aufgetauchten Support-Dokument hervor. Nutzer sollten spätestens bis dahin zur neuen Version gewechselt sein. Denn ohne die ständigen Aktualisierungen durch Microsoft drohen Sicherheitslücken, die Kriminelle ausnutzen könnten. Laut der Analysefirma Statcounter läuft das veraltete Windows 7 immer noch auf rund vier Millionen PCs in Deutschland - obwohl das System inzwischen große Sicherheitsmängel aufweist.

Nach dem, was bisher über Windows 11 bekannt ist, dürfte es den meisten Anwendern nicht schwerfallen, sich an die neue Software zu gewöhnen. Das verrät zumindest ein Test der Vorabversion durch das IT-Portal Golem. Fazit: Eigentlich sei das neue Betriebssystem nicht viel mehr als ein visuelles Update von Windows 10. So rückt zum Beispiel die Taskleiste von links in die Mitte, viele Fenster haben jetzt runde Ecken und beim Hochfahren begrüßt Nutzer wieder ein Jingle, was Erinnerungen an frühere Versionen weckt. Ins Auge fallen außerdem das aufgefrischte Design diverser Icons wie beispielsweise dem Papierkorb. Auch das Startmenü haben Microsofts Entwickler aufgeräumt. Es zeigt nur noch das Wesentlichste an, die verschiebbaren Kacheln fehlen.

Praktisch wirkt der Fenster-Manager, der das Arbeiten erleichtert, wenn mehrere Fenster gleichzeitig geöffnet sind. In diesem Fall lässt das Feature Nutzer zwischen vorgefertigten Anordnungen wählen und sortiert die Fenster dann automatisch. Kennern dürfte diese Neuerung allerdings bekannt vorkommen. Sie sollte eigentlich in das gestoppte Projekt "Windows 10X" einfließen, mit dem Microsoft geplant hatte, ein besonders einsteigerfreundliches System auf den Markt zu bringen. Man wolle "Schlüsselfunktionen von 10X in andere Teile von Windows einfließen lassen", teilte das Unternehmen im Mai mit. Mit Funktionen wie dem Fenster-Manager lebt das Projekt also im Windows 10-Nachfolger weiter.

Cortana beweist Selbstironie

Die Technik hinter den eher kosmetischen Neuerungen der Vorabversion ähnelt laut Golem stark dem aktuellen System: Es gäbe mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Die Installation von Windows 10 und 11 laufe fast deckungsgleich ab. Allerdings soll es beim Nachfolger deutlich einfacher sein, einen Offline-Account anzulegen, der nicht mit dem Internet und damit mit den Servern von Microsoft verbunden ist. Das dürfte aber eher Nerds und IT-Abteilungen begeistern als Otto Normalnutzer.

Und Cortana? Während Windows 10 installiert, quasselt die Sprachassistentin mit ihrer roboterhaften Stimme ständig dazwischen, um Tipps zu geben, die viele Anwender als redundant empfinden. Damit könnte nun Schluss sein: Beim Test der Windows 11-Kopie schwieg Cortana, Microsoft hatte den Schritt wohl einfach weggelassen. Immerhin bewies die Künstliche Intelligenz (KI) nach ihrem jüngsten Fauxpas so etwas wie Selbstironie. Als der Journalist Warren sich einen Tag später erneut erkundigte, ob das neue Betriebssystem denn tatsächlich existiere, verwies Cortana auf einen Artikel des Magazins The Verge - Warrens Arbeitgeber. Die Sprachassistentin zitierte die Überschrift: "Schau dir an, wie Windows 11-Cortana darauf besteht, dass Windows 11 nicht real ist". Man darf also gespannt sein, ob Microsoft am Donnerstag auch seiner KI ein Update verpasst.

© SZ
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