Warenhaus-Kette:Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof steht im Raum

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Derweil arbeitet Investor Benko an Teil zwei seiner Strategie: neue Mieter auf die Verkaufsflächen zu holen. Im Freiburger Karstadt-Haus etwa ist das Erdgeschoss bereits geräumt, ein Rewe-Markt zieht ein.

In einem weiteren Schritt könnte Benko neben den Immobilien demnächst auch noch die Mehrheit am Geschäftsmodell der Warenhäuser übernehmen. Denn Karstadt-Investor Berggruen hat ihm eine Option für die Mehrheit der 83 Karstadt-Häuser eingeräumt - zum symbolischen Preis von einem Euro.

Zurzeit stehe das zwar nicht an, heißt es in Branchenkreisen. Sollte Benko die Option aber eines Tages ziehen, könnte der Tiroler mit einem geschätzten Privatvermögen von mehr als 500 Millionen Euro einen Plan umsetzen, der in der Branche seit Jahren immer wieder die Runde macht: der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof zur Deutschen Warenhaus AG. Viele in der Branche meinen, dass für zwei konkurrierende Kaufhausketten in Deutschland kein Platz sei, dass es zu einem Zusammenschluss kommen muss, damit die verbleibenden Kaufhäuser eine Zukunft haben.

Benko könnte bei Haniel abblitzen

Kaufhof allerdings ist zurzeit in der stärkeren Position, anders als Karstadt schreibt die Kaufhauskette Gewinne. Attraktiv wäre für die Metro-Tochter ein Zusammenschluss wohl nur mit den profitabelsten Karstadt-Standorten. Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl, ein Benko-Vertrauter, drückt bereits aufs Tempo. In einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt sagte er, dass schon in zwei bis drei Monaten feststehen müsse, welche Häuser zu schließen seien. Für die Arbeitnehmervertreter kamen diese Äußerungen überraschend. Sie rechnen damit, dass sie in den aktuellen Verhandlungen über die Rückkehr zur Tarifbindung und die Sicherung von Standorten sprechen - also das genaue Gegenteil. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe gab es noch keine Annäherung der Parteien.

Bis zu einer Deutschen Warenhaus AG ist es also noch ein weiter Weg. Hinzu kommt: Wer den Kaufhof übernehmen will, muss sich mit Haniel einigen. Der Duisburger Mutterkonzern der Metro ist ein Familienunternehmen, das auf Tradition und Reputation hält. Ein Kaufhof-Käufer Benko, der in Österreich wegen Korruption in zweiter Instanz, wenn auch nicht rechtskräftig, verurteilt ist, und mit dem schillernden israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz zusammenarbeitet, könnte den Haniels missfallen. So sehr, dass Benko abblitzt. Wie schon einmal vor zwei Jahren, als er Kaufhof für zwei Milliarden Euro übernehmen wollte.

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