Süddeutsche Zeitung

Warenhaus-Kette:Karstadt-Investor Benko macht ernst

Lesezeit: 3 min

Vor einem Vierteljahr hat Immobilieninvestor René Benko die Luxuskaufhäuser und die Sport-Sparte bei Karstadt übernommen. Nun zieht der Österreicher kräftig die Mieten an und arbeitet am Umbau des Konzerns. Von einem möglichen Zusammenschluss mit dem Kaufhof ist er aber noch weit entfernt.

Von Kirsten Bialdiga, Düsseldorf

Ein Vierteljahr ist es her, dass der Immobilieninvestor René Benko die Karstadt-Luxus- und Sport-Sparte übernommen hat. Nun macht er offenbar ernst: In den meisten seiner Häuser wurden die Mieten bereits deutlich erhöht. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung steigen sie in den Premium-Häusern Oberpollinger, Alsterhaus und KaDeWe in den ersten fünf Jahren um insgesamt mehr als 20 Millionen Euro. Doch auch Häuser, die nicht zur Luxussparte zählen, sind von den Erhöhungen betroffen.

In Dortmund und Dresden sollen die Mieten im ersten Jahr jeweils um mehrere Hunderttausend Euro steigen, im zweiten Jahr bereits um das Doppelte. Das Sporthaus an der Hamburger Mönckebergstraße soll sogar im ersten Jahr bereits mehr als eine Million Euro mehr Miete zahlen, heißt es. Nur wenige Häuser seien von den Erhöhungen ausgenommen. Benkos Signa Holding wollte sich zu den Informationen nicht äußern, Karstadt ließ entsprechende Anfragen unbeantwortet.

Die Mieterhöhungen treffen die Warenhäuser in einer schwierigen Lage. Zwar zählen die Luxus- und Sportkaufhäuser zu den Besten der Branche. Doch höhere Mietkosten setzen die Gewinnmargen zusätzlich unter Druck. Zudem hat der Handel gerade ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft hinter sich und leidet unter Umsatzrückgängen. Neben den Premium-Häusern gehören Benko zudem die Immobilien von mindestens 17 Kaufhäusern des Karstadt-Stammgeschäfts, intern "Core" genannt. Gerade für diese Häuser kämen die Steigerungen zur falschen Zeit, heißt es in der Branche.

Noch härtere Zeiten für die Mitarbeiter

Für Benko ergeben sich nach Berechnungen von Insidern Einnahmen von fast einer Milliarde Euro, wenn man die Mieten addiert und auf die Laufzeit der Verträge hochrechnet. Letztere seien zum Teil auf 30 Jahre verlängert worden. Dem stehen zugesagte Investitionen von rund 300 Millionen Euro gegenüber: 275 Millionen Euro steuere Benko bei, der Rest komme vom bisherigen Eigentümer Nicolas Berggruen, der noch mit einem Minderheitsanteil beteiligt ist.

Benko habe genau festgelegt, wie die Häuser die Investitionssumme verwenden sollen, heißt es weiter. Es gebe einen exakten Plan darüber, welche Filiale wie viel in den Ladenbau, die Fassade, den Umbau der Verkaufsflächen oder in Lüftungsanlagen investiere müsse. 50 Millionen Euro sollen in die Instandhaltung der Gebäude fließen, 250 Millionen Euro müsse das Management in umsatzfördernde Maßnahmen wie IT oder Schulungen stecken.

Auf die Investitionen sind die Warenhäuser dringend angewiesen. Die Geschäfte bei Karstadt laufen schleppend, zuletzt enttäuschte das Weihnachtsgeschäft. Der kommissarische Karstadt-Chef Kai-Uwe Weitz schwört die 20 000 Beschäftigten jetzt auf noch härtere Zeiten ein. "Es ist absehbar, dass uns 2014 erhebliche Anstrengungen abverlangen wird", schrieb er in einem Mitarbeiterbrief, der der SZ vorliegt.

Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof steht im Raum

Derweil arbeitet Investor Benko an Teil zwei seiner Strategie: neue Mieter auf die Verkaufsflächen zu holen. Im Freiburger Karstadt-Haus etwa ist das Erdgeschoss bereits geräumt, ein Rewe-Markt zieht ein.

In einem weiteren Schritt könnte Benko neben den Immobilien demnächst auch noch die Mehrheit am Geschäftsmodell der Warenhäuser übernehmen. Denn Karstadt-Investor Berggruen hat ihm eine Option für die Mehrheit der 83 Karstadt-Häuser eingeräumt - zum symbolischen Preis von einem Euro.

Zurzeit stehe das zwar nicht an, heißt es in Branchenkreisen. Sollte Benko die Option aber eines Tages ziehen, könnte der Tiroler mit einem geschätzten Privatvermögen von mehr als 500 Millionen Euro einen Plan umsetzen, der in der Branche seit Jahren immer wieder die Runde macht: der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof zur Deutschen Warenhaus AG. Viele in der Branche meinen, dass für zwei konkurrierende Kaufhausketten in Deutschland kein Platz sei, dass es zu einem Zusammenschluss kommen muss, damit die verbleibenden Kaufhäuser eine Zukunft haben.

Benko könnte bei Haniel abblitzen

Kaufhof allerdings ist zurzeit in der stärkeren Position, anders als Karstadt schreibt die Kaufhauskette Gewinne. Attraktiv wäre für die Metro-Tochter ein Zusammenschluss wohl nur mit den profitabelsten Karstadt-Standorten. Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl, ein Benko-Vertrauter, drückt bereits aufs Tempo. In einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt sagte er, dass schon in zwei bis drei Monaten feststehen müsse, welche Häuser zu schließen seien. Für die Arbeitnehmervertreter kamen diese Äußerungen überraschend. Sie rechnen damit, dass sie in den aktuellen Verhandlungen über die Rückkehr zur Tarifbindung und die Sicherung von Standorten sprechen - also das genaue Gegenteil. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe gab es noch keine Annäherung der Parteien.

Bis zu einer Deutschen Warenhaus AG ist es also noch ein weiter Weg. Hinzu kommt: Wer den Kaufhof übernehmen will, muss sich mit Haniel einigen. Der Duisburger Mutterkonzern der Metro ist ein Familienunternehmen, das auf Tradition und Reputation hält. Ein Kaufhof-Käufer Benko, der in Österreich wegen Korruption in zweiter Instanz, wenn auch nicht rechtskräftig, verurteilt ist, und mit dem schillernden israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz zusammenarbeitet, könnte den Haniels missfallen. So sehr, dass Benko abblitzt. Wie schon einmal vor zwei Jahren, als er Kaufhof für zwei Milliarden Euro übernehmen wollte.

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Quelle:
SZ vom 14.02.2014/sks
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