Waffen, Drogen, Korruption:Road Town, 12. März 2010

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Es ist wie immer angenehm warm in der Hauptstadt der Britischen Jungferninseln, als es auf einmal ungemütlich wird im Paradies. Die schlechte Laune kommt per E-Mail. An einem Freitag um 10.48 Uhr meldet sich bei Commonwealth Trust Limited (CTL), einem der wichtigsten Offshore-Dienstleister der Inseln, ein Anwalt aus Kiew. Der Mann ist in Panik.

Er vertritt eine Firma, die als Scheingeschäftsführer Ian Taylor gebucht hat, den zweiten Sohn von Geoffrey Taylor. "Wir wurden gerade von unserer Bank in Zypern informiert, dass Ian Taylor eine sehr verdächtige Person ist", schreibt er. Die Bank drohe nun damit, das Konto der Offshore-Firma zu schließen. Vier Ausrufezeichen. CTL solle so schnell wie möglich den Direktor austauschen. Drei Ausrufezeichen.

Im Anhang der E-Mail hat der Kiewer Anwalt einen Artikel aus der Londoner Times beigefügt: "Verbindungen zwischen Waffen aus Nordkorea und einer Firma in Neuseeland", lautet der Titel. Ein CTL-Mitarbeiter leitet die Mail an fünf Kollegen weiter und notiert: "Das ist offensichtlich etwas, was wir jetzt nicht gebrauchen können!"

Am folgenden Montag bekommt Ian Taylor eine E-Mail von CTL: "Ich würde mich freuen, wenn Sie mir alle Informationen zuschicken könnten, die die Angelegenheit aufklären könnten, falls sie in der Zukunft erneut aufkommen sollte", schreibt ihm der CTL-Geschäftsführer.

Dienstag: keine Antwort von Taylor, bei CTL wird man langsam unruhig und hakt nach. "Ein ähnliches Ding könnte vielen Firmen passieren", schreibt ein CTL-Mann seinen Kollegen. Doch was ist die Lösung? Die Taylors raus, Profis rein? Rechtsanwälte die sich auf ihre Schweigepflicht berufen können? "Wenn wir Anwälte nehmen würden, würde das wahrscheinlich unsere Marge signifikant senken", gibt der CTL-Mann zu bedenken.

Schließlich wird kein Anwalt das Risiko eingehen, das die Taylors für 350 Dollar übernehmen.

Erst am Mittwoch antwortet Taylor endlich. Er schreibt, er habe die erste E-Mail nicht erhalten. Aber die Lage sei entspannt: Er verweist auf ein Fernsehinterview, das er dem neuseeländischen Fernsehen gegeben hat und leitet den CTL-Leuten den Link dazu weiter. Im Video sitzt Ian Taylor in seinem Büro, blaues Hemd, kurze gegelte Haare. Ein Globus steht auf dem Konferenztisch des ansonsten recht kahlen Raums. Alles kein Problem, lautet seine Botschaft für die Kamera. Waren nur Scheinfirmen, die Verantwortung habe woanders gelegen, bei irgendwem. Bald würden auch die Fahnder sehen, dass die Firma mit Waffenhandel nichts zu tun habe, sagt er.

Auf seiner Stirn glänzt der Schweiß.

CTL lässt sich zunächst beruhigen. Doch da wissen sie noch nicht, worauf sich zur gleichen Zeit Anwälte der einst mächtigen Investmentbank Wachovia und Vertreter der US-Behörden vor einem Bundesbezirksgericht in Miami geeinigt haben.

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