Süddeutsche Zeitung

Waffen, Drogen, Korruption:Tatort Briefkastenfirma

Lesezeit: 10 min

Es ist nur ein Bürogebäude in der besten Straße von Auckland in Neuseeland. Doch hier zieht ein Familienclan die Strippen im internationalen Geschäft mit Briefkastenfirmen. Ihre Kunden sind Geschäftspartner von Drogenbossen, Waffenschmugglern - und in den größten Steuerbetrug der russischen Geschichte verwickelt.

Von Bastian Brinkmann, Christoph Giesen und Frederik Obermaier

Die Queen Street in Auckland ist Neuseelands feinste Adresse. Die wichtigen Banken haben hier ihre Filialen, dazu jede Menge Kaufhäuser und edle Restaurants. Gleich um die Ecke liegt die Auckland Art Gallery, das Museum beherbergt die größte Kunstsammlung des Landes. Hausnummer 303 ist das Rathaus, hier tagt das Stadtparlament, ab und zu finden auch Konzerte in der Great Hall des Rathauses statt.

Nur eine Straßenecke weiter steht ein graues, mehrstöckiges Bürogebäude. Haus Nummer 369. Rechts die Tiefgarage, links der Eingang, dahinter die Briefkästen. Es müssen viele sein, richtig viele: Denn laut dem neuseeländischen Handelsregister haben tausende Firmen hier ihren Sitz. Aber nicht irgendwelche Firmen, sondern solche, die mit Waffenschmugglern, Drogenbossen und Steuerbetrügern geschäftlich verbunden sind. Und dann führen auch noch die Spuren des größten Finanzverbrechen Russlands direkt hierher, in den fünften Stock, zu einer Firma namens GT Group.

GT, das sind die Initialen des englischen Einwanderers Geoffrey Taylor. Der 70-Jährige bezeichnet sich als "Sir", als Ritter also, nur eben: zu Unrecht. Er führt auch den Professorentitel einer Briefkastenuniversität, die er selbst gegründet hat. Inzwischen leiten seine beiden Söhne Ian und Michael Taylor die GT Group. Ihr Geschäft besteht darin, gegen Gebühr im Herzen Aucklands anonyme Unternehmen zu registrieren. Auf Wunsch bekommt man auch noch einen Pro-Forma-Geschäftsführer dazu, 350 Dollar kostet ein Scheindirektor. All dies ermöglichen die laxen neuseeländischen Gesetze, und seit Mitte der Neunzigerjahre machen die Taylors damit ihr Geld.

Die Süddeutsche Zeitung hat in einer monatelangen Recherche tausende E-Mails und Unterlagen gesichtet, die einen tiefen Einblick in die Welt der Scheindirektoren und der Offshore-Branche gewähren. Es ist erstaunlich, wie oft die Stränge der internationalen Kriminalität in dem grauen Bürogebäude in der Queen Street 369 zusammenlaufen. Ob illegale Waffentransporte von Nordkorea nach Iran, mexikanische Drogenkartelle, die Milliarden mit Hilfe von Scheinfirmen waschen, oder der bislang größte Steuerskandal in Russland - überall haben die Taylors mitgewirkt und dabei geholfen, Spuren zu verwischen.

Mehrere Anfragen der Süddeutschen Zeitung haben die Taylors nicht beantwortet. Ihre Spuren aber lassen sich auch ohne Erklärung lesen - in Bangkok, auf den Britischen Jungferninseln, in Miami und Moskau.

Bangkok, 11. Dezember 2009

Es ist Freitagabend, als ein Flugzeug den Taylors eine Menge Ärger bringt. Gerade ist eine Iljuschin, ein Flugzeug aus sowjetischer Produktion, auf dem alten Bangkoker Flughafen gelandet. Die Maschine ist auf dem Weg von Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang nach Teheran, über Colombo auf Sri Lanka. Die Crew, vier Kasachen und ein Weißrusse, allesamt ehemalige Offiziere der sowjetischen Luftwaffe, wollen in Bangkok eigentlich nur auftanken. Laut Frachtpapieren haben sie Ölbohr-Equipment geladen, verpackt in 145 Kisten.

Aber die thailändischen Behörden trauen den Angaben nicht und durchsuchen die Maschine. Sie finden 49 Artillerieraketen, jedes Geschoss wiegt mehrere hundert Kilogramm. Außerdem zehn sogenannte Manpads - Bodenluftraketen, die von nur einem Soldaten ähnlich wie eine Panzerfaust abgefeuert werden können, um Flugzeuge vom Himmel zu holen. Dazu jede Menge Munition - insgesamt 35 Tonnen illegale Waffen. Die thailändischen Behörden schätzen den Wert auf mindestens 18 Millionen Dollar.

Die Crew wird festgenommen und verhört. Doch selbst nach intensiven Ermittlungen der Behörden bleibt die entscheidende Frage bis heute offen: Wer hat die Waffen in Nordkorea bestellt?

Wer auch immer es war, er hat verstanden, wie man falsche Fährten legt: Die Drahtzieher haben vor dem Waffentransport Richtung Iran Briefkastenfirmen auf der ganzen Welt gegründet. Mal in Neuseeland, mal in Hongkong. Mal in Großbritannien, mal auf den Britischen Jungferninseln. Das System gleicht einer Matroschkapuppe: Schraubt man eine Firma auf, findet sich im Bauch eine weitere. Durchleuchtet man dieses Unternehmen, stößt man auch schon auf das nächste. Nach drei, vier Scheinfirmen in Reihe verliert sich die Spur im Dickicht der Handelsregister.

Zu viele Umdrehungen, zu viele Firmenpuppen.

Schon bei den Ladepapieren fängt der Schwindel an. Laut Frachtbrief ist die Lieferung für die National Iranian Oil Industry bestimmt. Diese Firma existiert nicht in Iran. Die nordkoreanischen Behörden haben als Empfänger ein Top Energy Institute angeben. Auch das ist unbekannt.

Wem das Flugzeug selbst gehört, ist noch relativ einfach herauszufinden: Besitzer der Iljuschin ist eine Firma im Emirat Sharjah, viele Waffenhändler operieren von dort, unter anderem der berüchtigte "Händler des Todes" Viktor Bout. Doch danach wird es unübersichtlich: Betrieben wird die Maschine von einer georgischen Firma. Diese wiederum, finden die thailändischen Beamten heraus, hat den Flieger an die Firma SP Trading aus Neuseeland verpachtet.

Hier kommen die Taylors ins Spiel: Michael Taylor, der Sohn von Ritter Geoffrey, hat das Unternehmen gegründet, etwa fünf Monate bevor die Iljuschin in Bangkok festgesetzt wird. Alleiniger Anteilseigner der SP Trading ist eine in Vanuatu registrierte Firma mit dem Namen VicAm. Besitzer: wiederum Michael Taylor, Adresse: wieder Queen Street. Als Geschäftsführerin der SP Trading haben die Taylors eine chinesische Austauschstudentin namens Lu Zhang eingesetzt. Neben dem Studium arbeitet sie in Auckland bei Burger King an der Kasse - und als Scheindirektorin für die Taylors.

Steueroasen erlauben es, den wahren Eigentümer einer Offshore-Firma zu verschleiern, in den offiziellen Dokumenten taucht dann nur der gekaufte Name auf. Ein Massengeschäft: Für 350 Dollar tragen die Taylors den Namen der Offshore-Firma auf ihren Vordrucken ein und organisieren den Kurier, der die unterschriebenen Dokumente per Luftpost vom falschen Direktor zum echten Eigentümer bringt. Alleine Lu Zhang ist bei mehr als 50 Firmen als Geschäftsführerin registriert. Pro Firma zahlen ihr die Taylors 20 neuseeländische Dollar - damals nicht mal zehn Euro.

Je nach Unternehmensform und Land müssen manchmal auch die Anteilseigner veröffentlicht werden. Doch auch die kann man kaufen, sie heißen in der Branche "Nominee Shareholder". Diese Rolle können auch Scheinfirmen übernehmen - die wiederum meist mit Scheindirektoren ausgestattet sind. So kann man ein Firmennetz sehr schnell sehr unübersichtlich gestalten.

Während Lu Zhang Anfang November 2009 als Geschäftsführerin der SP Trading einen Chartervertrag mit der georgischen Flugfirma abschließt, entzünden die Hintermänner des Waffendeals die nächste Nebelkerze und gründen in Hongkong eine Firma namens Union Top Management (UTM). Im Bauch dieser Firmenpuppe stecken zwei andere Gesellschaften, und deren alleiniger Anteilseigner ist wiederum eine weitere Firma, diesmal mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln.

Am 4. Dezember, vier Tage vor Abflug, unterzeichnet schließlich der angeblich in Barcelona lebende UTM-Geschäftsführer einen Deal mit SP Trading: Die neuseeländische Scheinfirma reicht ihm die Flugrechte weiter. Der Mann nennt sich Dario Cabreros Garrmendia. Spätere Ermittlungen der Polizei ergeben: In Spanien lebt niemand, der Dario Cabreros Garrmendia heißt. Hier endet diese Spur.

Auch der Flugplan stiftet Verwirrung. Statt direkt zu fliegen oder allenfalls einen Tankstopp einzulegen, begibt sich die Iljuschin auf eine Odyssee quer durch Osteuropa und Asien. Am 8. Dezember, um 17.03 Uhr, hebt sie vom ukrainischen Frachtflughafen Kiew-Gostomel ab. Erster Zwischenstopp: eine aserbaidschanische Militärbasis am Kaspischen Meer. Hier soll die Crew preiswert auftanken. Doch weil nicht genug Kerosin auf Lager ist, fliegt die Maschine weiter ins Emirat Fudschaira: 143 000 Einwohner und viel Wüste. Gegen 23.25 Uhr am Abend des 9. Dezember gibt der Tower in Fudschaira die Startfreigabe und die Iljuschin hebt ab gen Bangkok.

Am Morgen landet die Maschine in der thailändischen Hauptstadt. Nach kurzem Auftanken fliegt die Crew weiter nach Pjöngjang. Am nächsten Tag sind die Waffen verladen und Frachtpapiere ausgestellt. Die Iljuschin macht sich auf den Rückweg. Der Flugplan: Bangkok, Colombo, Fudschaira, Kiew, Teheran. Dort sollte die Ladung am 13. Dezember in den frühen Morgenstunden gelöscht werden. Doch die thailändische Polizei kommt dem zuvor.

Nach fast drei Monaten in Untersuchungshaft werden die fünf Crewmitglieder aus Thailand nach Kasachstan abgeschoben. Lu Zhang, die falsche Geschäftsführerin, bekennt sich später vor einem Gericht in Auckland schuldig. Sie sagt, sie habe nicht gewusst, was sie mit ihrer Unterschrift habe anstellen können. Die Drahtzieher des Waffendeals bleiben unerkannt. Und die Taylors, die all das erst ermöglicht haben, machen weiter.

Road Town, 12. März 2010

Es ist wie immer angenehm warm in der Hauptstadt der Britischen Jungferninseln, als es auf einmal ungemütlich wird im Paradies. Die schlechte Laune kommt per E-Mail. An einem Freitag um 10.48 Uhr meldet sich bei Commonwealth Trust Limited (CTL), einem der wichtigsten Offshore-Dienstleister der Inseln, ein Anwalt aus Kiew. Der Mann ist in Panik.

Er vertritt eine Firma, die als Scheingeschäftsführer Ian Taylor gebucht hat, den zweiten Sohn von Geoffrey Taylor. "Wir wurden gerade von unserer Bank in Zypern informiert, dass Ian Taylor eine sehr verdächtige Person ist", schreibt er. Die Bank drohe nun damit, das Konto der Offshore-Firma zu schließen. Vier Ausrufezeichen. CTL solle so schnell wie möglich den Direktor austauschen. Drei Ausrufezeichen.

Im Anhang der E-Mail hat der Kiewer Anwalt einen Artikel aus der Londoner Times beigefügt: "Verbindungen zwischen Waffen aus Nordkorea und einer Firma in Neuseeland", lautet der Titel. Ein CTL-Mitarbeiter leitet die Mail an fünf Kollegen weiter und notiert: "Das ist offensichtlich etwas, was wir jetzt nicht gebrauchen können!"

Am folgenden Montag bekommt Ian Taylor eine E-Mail von CTL: "Ich würde mich freuen, wenn Sie mir alle Informationen zuschicken könnten, die die Angelegenheit aufklären könnten, falls sie in der Zukunft erneut aufkommen sollte", schreibt ihm der CTL-Geschäftsführer.

Dienstag: keine Antwort von Taylor, bei CTL wird man langsam unruhig und hakt nach. "Ein ähnliches Ding könnte vielen Firmen passieren", schreibt ein CTL-Mann seinen Kollegen. Doch was ist die Lösung? Die Taylors raus, Profis rein? Rechtsanwälte die sich auf ihre Schweigepflicht berufen können? "Wenn wir Anwälte nehmen würden, würde das wahrscheinlich unsere Marge signifikant senken", gibt der CTL-Mann zu bedenken.

Schließlich wird kein Anwalt das Risiko eingehen, das die Taylors für 350 Dollar übernehmen.

Erst am Mittwoch antwortet Taylor endlich. Er schreibt, er habe die erste E-Mail nicht erhalten. Aber die Lage sei entspannt: Er verweist auf ein Fernsehinterview, das er dem neuseeländischen Fernsehen gegeben hat und leitet den CTL-Leuten den Link dazu weiter. Im Video sitzt Ian Taylor in seinem Büro, blaues Hemd, kurze gegelte Haare. Ein Globus steht auf dem Konferenztisch des ansonsten recht kahlen Raums. Alles kein Problem, lautet seine Botschaft für die Kamera. Waren nur Scheinfirmen, die Verantwortung habe woanders gelegen, bei irgendwem. Bald würden auch die Fahnder sehen, dass die Firma mit Waffenhandel nichts zu tun habe, sagt er.

Auf seiner Stirn glänzt der Schweiß.

CTL lässt sich zunächst beruhigen. Doch da wissen sie noch nicht, worauf sich zur gleichen Zeit Anwälte der einst mächtigen Investmentbank Wachovia und Vertreter der US-Behörden vor einem Bundesbezirksgericht in Miami geeinigt haben.

Miami, 17. März 2010

Das Gericht in Florida verkündet seinen Schiedsspruch: Wachovia muss 160 Millionen Dollar Schadensersatz leisten, die bis dato höchste Strafzahlung in der amerikanischen Bankengeschichte. Wachovia bekennt sich schuldig, jahrelang nicht reagiert zu haben, obwohl es eindeutige Hinweise gegeben hat, dass mexikanische Drogenbarone dank Wachovia Geld gewaschen haben, laut Bundesbezirksgericht insgesamt 420 Milliarden Dollar.

Die Bank hatte über Jahre mit mexikanischen Wechselstuben zusammengearbeitet, von dort wurde systematisch Drogengeld in die USA transferiert. Auch aus anderen Länder floss Schwarzgeld: Vier in Neuseeland registrierte Firmen sollen nach Recherchen der kanadischen Finanzaufsicht Konten bei der Londoner Zweigstelle der Wachovia und einer lettischen Bank eröffnet und so Millionen für das berüchtigte Sinaloa-Kartell umgeleitet haben.

Alle vier Scheinfirmen hatten ihren Sitz in Auckland, in der Queen Street 369, im fünften Stock - in der Zentrale des Taylor-Clans. Auch Drogenhändlern steht die GT Group also unterstützend zur Seite.

Moskau, 19. Dezember 2012

Kurz vor Jahresende trifft das russische Parlament eine Entscheidung. Sie erinnert an die Zeiten des Kalten Kriegs: Amerikanern ist es nicht mehr gestattet, russische Kinder zu adoptieren. Das Gesetz ist die Antwort auf den sogenannten Magnitskij Act, den US-Präsident Barack Obama fünf Tage zuvor unterzeichnet hat: Verdächtige russische Beamte dürfen von nun an weder in die USA einreisen noch ein Konto bei einer amerikanischen Bank haben. Barack Obama gegen Wladimir Putin, Weltmacht gegen Weltmacht. Große Politik - und auch hier mischen die Taylors mit.

Sergej Magnitskij, nach dem das amerikanische Gesetz benannt ist, war ein junger russischer Anwalt, der den Investmentfonds Hermitage Capital in Moskau vertrat. Ein Blick fünf Jahre zurück.

Am 4. Juni 2007 bekommt Magnitskij einen Anruf seines Chefs. Es ist Montagmorgen und Magnitskij ist noch zu Hause. Der Chef am Telefon ist besorgt: Dutzende Beamte des russischen Innenministeriums, erzählt er, filzen die Büros der Investmentfirma. Angeblich suchen die Behörden nach Informationen über einen Anleger. Sie beschlagnahmen sämtliche Computer und Server, zwei Transporter voller Akten, dazu Stempel und Gründungsdokumente von 20 Hermitage-Töchtern. In Russland hat man mit diesen Unterlagen dieselbe Macht wie der Unternehmenseigner, auch wenn einem die Firma gar nicht gehört.

Wenige Wochen nach der Durchsuchung beginnt ein verurteilter Mörder im Namen von Hermitage Geschäfte zu machen. Er bemächtigt sich mehrerer Tochterfirmen und beantragt im Dezember 2007 zusammen mit mehreren Komplizen Steuerrückzahlungen in Höhe von 230 Millionen Dollar. Das Millionen-Geschenk kommt prompt: Mutmaßliche Verbündete in den Moskauer Steuerbehörden genehmigen die Zahlung einen Tag nach Eingang des Antrages - normalerweise vergehen in Russland Jahre, bis Rückzahlungen abgewickelt werden. Die Zentralbank überweist schließlich das Geld an mehrere Personen, die sich mit den beschlagnahmten Unterlagen als Hermitage-Angestellte ausgeben.

Anwalt Magnistskij beginnt zu recherchieren und kommt bald dem größten Steuerbetrug der russischen Geschichte auf die Schliche. In einem 250 Seiten starken Dossier fasst er für den Fonds Hermitage die Vorwürfe zusammen und sendet die Akten an den Generalstaatsanwalt. Erst nach Wochen meldet sich die Staatsanwaltschaft, doch statt die mutmaßlichen Steuerbetrüger zu verhören, bestellen sie Magnitskij ein.

Da ist das Geld längst verschoben, auf Konten im Ausland. Die 230 Millionen Dollar werden von Konten bei der Citibank, bei JP Morgan, und der Credit Suisse immer weiter überwiesen, bis sich die Spur verliert. Mitten drin: die Briefkastenfirma Bristoll Export. Auch sie: Eine Firma der Taylors. Michael Taylor hat sie im Sommer 2007 aufgesetzt, wenige Wochen nach den Durchsuchungen in Moskau. Bristoll Export überweist beispielsweise zwei Millionen Euro auf ein Konto bei der Credit Suisse. Das Konto gehört ausgerechnet dem Ehemann einer Beamtin, die die Steuererstattung angeordnet hatte. Mit dem Geld werden später Immobilien in Montenegro und auf einer der Palm Islands von Dubai gekauft.

Am 24. November 2008 klingeln schließlich Ermittler bei Magnitskij und nehmen ihn fest. Seiner Frau verspricht er beim Abschied, er käme in spätestens drei Tagen zurück. Knapp ein Jahr später stirbt Magnitskij in einem Moskauer Untersuchungsgefängnis - mit Misshandlungsspuren am Körper. Er ist 37 Jahre alt.

Wo aber sind die 230 Millionen Dollar? Sie sind verschwunden auf Steueroasen, in einem Geflecht von Scheinfirmen mit Sitz in Panama, den Britischen Jungferninseln und in Zypern. Alleine auf Konten der Mittelmeerinsel sollen etwa 30 Millionen Euro lagern. Hermitage stellt Ermittlern in der Schweiz und in Zypern Akten zur Verfügung. In Nikosia interessiert sich nur niemand für den Fall.

Bei der Credit Suisse nimmt man den Fall hingen ernst und versucht, das Geld aufzuspüren. Dazu arbeiten die internen Ermittler der Bank mit Alexander Perepilitschnij zusammen. Der 44-jährige Geschäftsmann ist nach Großbritannien geflohen und hilft den Schweizern, die Verbindung nach Dubai und Montenegro zu klären. Bis auch er plötzlich stirbt.

Im November 2012 bricht er im britischen Weybridge, in der Nähe von London, zusammen. Passanten finden den leblosen Körper vor seinem Haus.

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Quelle:
SZ vom 06.04.2013
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