Ungleichheit:Vermögen in der Euro-Zone sind ungleich verteilt

Ungleichheit: Mein Auto, mein Haus, meine Yacht: Fünf Prozent Superreiche besitzen in der EU 43 Prozent des Nettovermögens.

Mein Auto, mein Haus, meine Yacht: Fünf Prozent Superreiche besitzen in der EU 43 Prozent des Nettovermögens.

(Foto: -/dpa)

Hohe Immobilienpreise brachten Bürgern Vermögenszuwachs, doch die Kluft zu den Superreichen bleibt riesig, das ergibt eine Studie der EZB.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Das Vermögen in der Währungsunion ist sehr ungleich verteilt. Die vermögendsten zehn Prozent der Haushalte besitzen 56 Prozent des gesamten Nettovermögens, so eine aktuelle Untersuchung der Europäischen Zentralbank, die am Montag veröffentlicht wurde. Der Vorsprung der Superreichen ist noch eklatanter: Die obersten fünf Prozent auf der Reichenskala verfügen über 43 Prozent des Nettovermögens, die vermögensärmere Hälfte der Haushalte in der Euro-Zone, also 50 Prozent, besitzen gerade einmal fünf Prozent.

Das Gesamtvermögen in der Währungsunion beläuft sich inzwischen auf rund 60 Billionen Euro, das entspricht einem Plus von 29 Prozent oder 13,7 Billionen Euro in den vergangenen fünf Jahren.

Insgesamt, so die Notenbank, sei die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung in diesem Zeitraum gesunken - wenn auch minimal. Das lag an der Wertentwicklung der Immobilien, von der nicht nur die reichsten, sondern zumindest alle Hauskäufer profitieren konnten. Die langjährige Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank hatte einen starken Bauboom ausgelöst, von dem aber nur solche Haushalte profitierten, die sich einen Hypothekenkredit leisten konnten. Die Hausbesitzer haben dadurch in den vergangenen fünf Jahren rund 27 Prozent Vermögenszuwachs verbucht, während Mieter, sie machen 40 Prozent der Haushalte in der Euro-Zone aus, nur 17 Prozent dazugewannen, so das Ergebnis der Notenbank.

Insgesamt stieg der sogenannte Median der Nettovermögen, der die Mitte der Vermögensverteilung markiert und Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt, um rund 40 Prozent auf 150 000 Euro an. Der Median ist aussagekräftiger als der Durchschnittswert, weil Letzterer stark von extrem hohen Vermögen beeinflusst wird.

Die Notenbank wertete für ihre Studie, die nun vierteljährlich aktualisiert werden soll, eine repräsentative Umfrage unter 80 000 Haushalten aus. Alle Daten sind nur Annäherungen, denn die Befragten schätzen ihre Vermögensverhältnisse selbst ein, wodurch es zu Über- und Untertreibungen kommen kann.

Weniger Eigenheime, weniger Vermögenszuwachs

Insgesamt, so die EZB, sei die Vermögensverteilung in der Euro-Zone unterschiedlich. In Spanien und Portugal besitzen viel mehr Menschen ein Eigenheim als in Deutschland und Österreich - dadurch fiel dort auch der Vermögenszuwachs höher aus. In manchen Mitgliedsstaaten sind andererseits die Häuserpreise nicht so stark gestiegen wie etwa in Deutschland. Der jüngste Preisrückgang für Immobilien, ausgelöst durch die Leitzinserhöhungen der EZB, ist in der Statistik bislang nicht berücksichtigt worden.

In Deutschland, so die Bundesbank in ihrer Studie von 2023, besitzen die vermögendsten zehn Prozent der Haushalte 56 Prozent des gesamten Nettovermögens, die vermögensärmere Hälfte der Haushalte nur drei Prozent. Besonders der Immobilienbesitz und das Betriebsvermögen würden darüber entscheiden, in welcher Vermögensklasse sich ein Haushalt wiederfinde.

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