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US-Währungspolitik:Trump spielt mit der wichtigsten Währung der Welt

  • Donald Trump beschwert sich in einem Interview über den "zu starken Dollar".
  • Damit bricht der künftige US-Präsident mit zwei Jahrzehnten parteiübergreifender amerikanischer Wechselkurspolitik.
  • Seine Handlungsmöglichkeiten sind aber begrenzt. Den Dollarkurs mit Verbalattacken manipulieren zu wollen, ist deshalb riskant.

Einer der interessanteren Momente im Leben des Regierungssprechers Peter Hausmann war jener Auftritt vor der Bonner Bundespressekonferenz, als der gelernte Journalist und gewiefte Wortziselierer der Weltöffentlichkeit beibringen musste, dass der Herr Bundeskanzler mit dem Kurs der D-Mark zum Dollar unzufrieden ist.

Das Tauschverhältnis zweier Währungen, so wand sich Hausmann in gestelzten Worten, möge doch bitte schön "den wirtschaftlichen Fundamentaldaten" entsprechen. Deutlicher getraute man sich damals, Mitte der 1990er-Jahre, nicht zu sagen, dass die starke Deutsche Mark zunehmend die Exportkraft der heimischen Wirtschaft gefährdete. Und tatsächlich, auf den Finanzmärkten verstand man die Botschaft: Der Dollar schoss in die Höhe, wenn auch zunächst nur vorübergehend.

Mit solcher Art von Diplomaten-Prosa mochte sich Donald Trump nicht aufhalten, als er dieser Tage in New York eine Abordnung des Wall Street Journals zum Interview empfing. "Unser Dollar ist zu stark", polterte der Wahlsieger, der an diesem Freitag als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt werden wird. Der Höhenflug führe dazu, dass US-Firmen im Wettbewerb insbesondere mit chinesischen Konkurrenten nicht mehr mithalten könnten - oder kurz gesagt: "Er tötet uns!"

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Mit seiner Aussage bricht Trump mit zwei Jahrzehnten parteiübergreifender amerikanischer Wechselkurspolitik - und das in gleich dreifacher Hinsicht. Zunächst einmal war das mehr oder weniger explizite Bekenntnis zu einem starken Dollar seit der Regierungszeit von Präsident Bill Clinton fester Bestandteil der US-Finanz- und Wirtschaftspolitik. Zudem war es zur Vermeidung allzu starker Finanzmarktturbulenzen unter verantwortlichen Regierungsvertretern bisher Usus, sich zu dem Thema nur sehr zurückhaltend - im Peter-Hausmann-Stil gewissermaßen - zu äußern. Und schließlich machen die Äußerungen deutlich, dass sich Trump auch nach der Amtseinführung wohl nicht an bestehende Washingtoner Konventionen halten wird.

Zu diesen ungeschriebenen Gesetzen gehörte bisher auch jenes, wonach der Präsident zumindest den wichtigeren Ministern seines Kabinetts Aussagen zu deren Kernthemenfeldern überlässt und ihnen damit Raum für die eigene Profilbildung verschafft. Damit ist ganz offensichtlich Schluss: Auch die Währungspolitik, so lautet Trumps Botschaft an seinen künftigen Finanzminister Steven Mnuchin, wird ab sofort im Weißen Haus gemacht. Damit sind gravierende Kursausschläge und weiterer internationaler Ärger programmiert.

Ein schwächerer Dollar könnte amerikanischen Exportfirmen helfen

Inhaltlich betrachtet hat Trump mit seiner Aussage insofern recht, als die US-Währung mit Kursen von nahe der Parität zum Euro derzeit über dem langjährigen Durchschnitt gehandelt wird. Noch Mitte 2008 erhielt man für einen Euro knapp 1,58 Dollar - an diesem Donnerstag waren es nicht einmal mehr 1,07 Dollar. Allein in den ersten sechs Wochen nach der Präsidentenwahl legte der Greenback um weitere vier Prozent zu. Seit Trumps Zeitungsinterview ist davon allerdings fast nichts mehr übrig.

Eine schwächere Währung hilft ganz allgemein heimischen Exportfirmen, weil deren Produkte für ausländische Kunden billiger werden. Doch die Strategie hat eine Kehrseite: Importe nämlich werden teurer, die Inflationsgefahr im Inland steigt. Aus dieser Erkenntnis heraus entwarf Clintons zweiter Finanzminister Robert Rubin Mitte der 1990er-Jahre die bis heutige gültige "Politik des starken Dollars", die zum Ziel hatte, Inflation zu vermeiden und Notenbankchef Alan Greenspan so eine wachstumsfreundliche Niedrigzinspolitik zu ermöglichen. Das Experiment gelang: Die Regierung setzte einen mehr als zehn Jahre andauernden Wirtschaftsboom in Gang, Rubin und Greenspan galten fortan als "zwei gute Freunde des Dollars".

Auch heute deuten fast alle Indikatoren auf einen weiteren Anstieg der US-Währung hin: Das US-Wirtschaftswachstum ist höher als das wichtiger Handelspartner wie der EU und Japan, die US-Notenbank plant zur Vermeidung von Inflation allein bis Ende 2018 sechs Zinserhöhungen, und auch Trumps eigenes Konzept aus Steuersenkungen, staatlichen Ausgabenprogrammen und der Rückholung im Ausland geparkter Firmengewinne wird die Attraktivität des Dollars weltweit weiter erhöhen.

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Die Möglichkeiten, den Trend zu stoppen, sind begrenzt. Zwar haben auch in der Vergangenheit Politiker immer wieder versucht, den Kurs der eigenen Währung herunter zu reden. Dies war jedoch meist nur dann von dauerhaftem Erfolg gekrönt, wenn die Worte eine bereits begonnene Entwicklung verstärkten oder aber durch eine politische Richtungsänderung untermauert wurden. Theoretisch ist es dem US-Präsidenten auch erlaubt, mit eigenen Dollar-Käufen oder Verkäufen direkt Einfluss auf die Devisenkurse zu nehmen. Trump müsste sich dabei jedoch mit wichtigen Partnerländern wie Deutschland abstimmen, will er Zusagen früherer US-Regierungen einhalten. Tut er das nicht, riskiert er einen internationalen Abwertungswettlauf, der am Ende nur Verlierer kennt.

Vorerst bleibt Trump also nur das Mittel der Verbalintervention - ein heikles Instrument, das in der Vergangenheit häufig zu Missverständnissen und Fehlschüssen führte. Als etwa 2001 der damalige US-Finanzminister Paul O'Neill die eher akademische gemeinte Aussage tätigte, ein starker Dollar sei weniger das Ziel als vielmehr das Ergebnis einer wachstumsfreundlichen Wirtschaftspolitik, wurde das auf den Finanzmärkten als Abkehr vom geltenden politischen Mantra interpretiert. Der Dollar-Kurs brach ein, und O'Neill musste wortreich zurückrudern: Sollte sich die offizielle Wechselkurspolitik der USA jemals ändern, verkündete der verärgerte Minister, dann werde er das New Yorker "Yankee-Stadion mieten, ein paar schmetternde Blaskapellen engagieren und den Kurswechsel vor der ganzen Welt verkünden".

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