US-Regierung Kushners Geschäfte mit dem Diamantenkönig

Hat durch seine Immobiliengeschäfte eine Menge Interessenkonflikte: Jared Kushner, Trump-Schwiegersohn und Chefberater im Weißen Haus. Seit einigen Wochen steht er im Zentrum der Ermittlungen wegen der Russland-Affäre.

(Foto: AFP)
  • Ein Immobilien-Deal von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner erregt immer mehr öffentliches Interesse.
  • Das Pikante daran: Der Verkäufer hat sich selbst schon als "guter Freund" von Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnet.
  • Auch die Deutsche Bank ist an dem Geschäft beteiligt gewesen - kurz vor der Wahl Trumps zum US-Präsidenten.
Von Sacha Batthyany, Washington, und Jan Willmroth, Frankfurt

Im Gebäude mit der Adresse 229 West 43rd Street in Manhattan, gleich neben dem Times Square, wurde Geschichte geschrieben. Beinahe ein Jahrhundert lang arbeiteten dort die Redakteure und Reporter der New York Times, sie schrieben über den Aufstieg und Fall von US-Präsidenten, sie berichteten über Amerikas Kriege und deckten Skandale auf, sie machten die Zeitung zum Aushängeschild des kritischen Journalismus in den Vereinigten Staaten.

Die unteren Stockwerke, und das ist die größte Ironie an der jüngeren Historie des Gebäudes, gehören seit bald zwei Jahren der Immobilienfirma von Jared Kushner, Ehemann von Ivanka Trump, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, der die New Yorker Zeitung schon im Wahlkampf zum Feind erklärt hatte. Im Jahr 2004 verkaufte der Verlag das Gebäude, für damals 175 Millionen Dollar. Drei Jahre später wechselte es wieder den Eigentümer, diesmal für das Dreifache: Eine Firma namens Africa-Israel Investments (AFI) gab 525 Millionen Dollar für das Objekt im Stil der französischen Renaissance aus.

Den Kaufvertrag unterzeichnete AFI-Chef Lew Awnerowitsch Leviev, Milliardär, Philanthrop, Israeli, geboren in Usbekistan als Teil der dort lebenden bucharisch-jüdischen Minderheit. Der Mann war damals bekannt als einer der vermögendsten Männer Israels, man nennt ihn auch "König der Diamanten", weil er reich geworden war mit Diamantengeschäften und Minen in Angola. Zur damaligen Zeit baute er seine Beteiligungen in den USA aus. Kurz nach dem Kauf erschien ein Porträt über den Mann in der New York Times, in dem er Russlands Präsidenten Wladimir Putin als "guten Freund" bezeichnete.

Keiner in Trumps Umfeld hat so viele wichtige Aufgaben wie Kushner

Es folgte die Finanzkrise, der Einbruch auf den Immobilienmärkten in den USA, AFI wurden finanzielle Schwierigkeiten nachgesagt. Der Finanzinvestor Blackstone übernahm die oberen zwölf Stockwerke des New-York-Times-Gebäudes im Jahr 2011 für 160 Millionen Dollar. Die vier untersten Stockwerke, wo einst täglich die Druckerpressen frische Zeitungen herstellten, waren längst zu Gewerbeflächen umgewidmet. Lewiew überließ seiner Tochter Chagit die US-Geschäfte, sie suchte sodann für den Rest des Gebäudes einen Käufer. Ein Instagram-Foto zeigt sie im Mai 2015 an der Seite von Jared Kushner und Trumps Tochter Ivanka - etwa eine Woche, bevor Kushner per Unterschrift den Kauf der vier Geschäftsetagen beschloss, die damals weitgehend leer standen.

Er hatte 296 Millionen Dollar bezahlt. Im Oktober vergangenen Jahres, wenige Wochen, bevor Donald Trump als Sieger aus der Präsidentschaftswahl hervorging, schloss er eine Refinanzierung für das Investment ab. Die Immobilienfirma SL Green Realty, nach eigener Aussage New Yorks größter Bürovermieter, sagte ihm 85 Millionen Dollar zu. 285 Millionen Dollar kamen von der Deutschen Bank. Kushner erhielt also 74 Millionen Dollar mehr, als er überhaupt ausgegeben hatte. Das deutsche Geldinstitut strukturierte den Kredit später und bot ihn zum Weiterverkauf an - erst durch entsprechende bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichte Dokumente, aus der zuerst die Washington Post zitierte, wurde die Transaktion jetzt bekannt.

Kushner hatte zu dieser Zeit eine Schlüsselfunktion in Trumps Wahlkampf. Heute ist der 36-Jährige "Chefberater" des Präsidenten, keiner im Trump-Umfeld ist mit so vielen wichtigen Aufgaben betreut wie er. So soll er Frieden zwischen Israel und den Palästinensern stiften, den Kampf gegen die Terroristen des IS überwachen und direkte Kontakte zum saudi-arabischen Königshaus halten. Kushner mischt bei der Neuverhandlung des Handelsabkommens Nafta mit und hat ein "Office of American Innovation" im Weißen Haus gegründet, das dazu beitragen soll, mehr Erkenntnisse aus der Privatwirtschaft in die Regierungsarbeit einfließen zu lassen. Zusätzlich soll er sich für eine bessere Versorgung von Kriegsveteranen und die Bekämpfung der grassierenden Opiat-Sucht einsetzen.

Die Russland-Connection

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Kushners Leistungen als Geschäftsmann gelten als "eher bescheiden"

Qualifikationen in der Außenpolitik bringt Kushner eigentlich keine mit, abgesehen von einer Freundschaft mit Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu, den er vergangene Woche besuchte. Kushners Leistungen als Geschäftsmann werden von Experten als "eher bescheiden" eingestuft. Im Alter von 24 Jahren hatte er die Geschäfte seines Vaters übernommen, weil dieser wegen Steuerbetrugs und Erpressung eines Zeugen 14 Monate ins Gefängnis musste. Kushner geriet in die Schlagzeilen, als er für den damaligen Rekordpreis von 1,8 Milliarden Dollar ein Bürogebäude in New York erwarb. 2006 kaufte er auch die Zeitung The New York Observer und beteiligte sich im Lauf der Jahre an Dutzenden Unternehmen im In- und Ausland.

Kushner hat zwar angekündigt, von seiner Rolle als Geschäftsführer der Beteiligungsfirma zurückzutreten. Er hält aber weiter Anteile an etwa 90 Prozent seiner Immobilien, auch an dem Gebäude am Times Square. Für seine Beratungstätigkeit im Weißen Haus verzichtet er auf ein Gehalt - mit dem Nebeneffekt, dass er den üblichen finanziellen Offenlegungspflichten nicht in vollem Umfang nachkommen muss. Wohl aber interessiert sich inzwischen der Sonderermittler in der Russland-Affäre vor allem für: Jared Kushner.

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