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US-Auftrag: Boeing versus EADS:EADS hätte gerne weitergemacht

Das Flugzeug könne nicht nur mehr Treibstoff, sondern auch noch Fracht und Truppen transportieren. Der neue Tanker soll Maschinen auf der Basis der Boeing 707 ersetzen, die wiederum deutlich kleiner als die beiden neuen Modelle ist.

"Die US-Luftwaffe weiß, dass wir bei weitem das bessere Produkt haben", schimpft Airbus-Chef Thomas Enders und vermutet, dass das Pentagon die letzte Ausschreibung trotzdem so geschrieben hat, dass Boeing die besseren Karten hatte. Doch so eindeutig ist die Sache nicht. Es ist jenseits politischer Einflussnahme umstritten, ob die US-Streitkräfte wirklich all das brauchen, was der A330-Tanker bieten würde, oder ob es auch die kleinere, billigere Boeing tut.

Northrop Grumman und EADS waren sich offenbar uneins, wie sie weiter vorgehen sollen. In Branchenkreisen heißt es, EADS hätte trotz der unvorteilhaften Kriterien gerne weitergemacht.

Finanzieller Rückschlag

Offiziell hatte jedoch der amerikanische Partnerkonzern als offizieller Bieter für das Projekt die Entscheidung selbst in der Hand. EADS-Chef Louis Gallois sagte, sein Unternehmen wolle kein Angebot auf eigene Faust abgeben. Die Frist dafür läuft Anfang Mai aus.

Das Aus für den Tankerauftrag ist ein weiterer finanzieller Rückschlag für EADS. Wegen der hohen Zusatzkosten für den Militärtransporter Airbus A400M rutschte der Luft- und Raumfahrtkonzern 2009 bereits tief in die roten Zahlen. Das Unternehmen machte einen Netto-Verlust von 763 Millionen Euro, nachdem er für das A400M-Programm 1,8 Milliarden Euro zusätzlich zurückstellen musste.

Auch strategisch hat EADS unter dem geplatzten US-Auftrag zu leiden. Denn EADS wollte mit dem Tanker-Projekt die Präsenz in den USA deutlich ausbauen und somit die Abhängigkeit vom starken Euro verringern. Die starke Heimatwährung kostet den Konzern jedes Jahr beim Gewinn Unsummen: Steigt der Euro gegenüber dem Dollar um zehn Cent, bedeutet das einen um ungefähr eine Milliarde Euro niedrigeren operativen Gewinn für das größte europäische Luftfahrtunternehmen.

Kein ähnlich großer Auftrag in Sicht

Der Konzern hat deswegen in den vergangenen Jahren weltweit neue Standorte gegründet, unter anderem ein Forschungszentrum in Indien und eine Endmontagelinie für Airbus-Flugzeuge in China. Auch in den USA war ein neues Werk vorgesehen.

Die Tankflugzeuge sollten in Mobile/Alabama montiert werden. Später wollte EADS auch Airbus-Frachter und womöglich auch Passagiermaschinen dort bauen lassen, denn der US-Markt ist weiterhin riesig. Und Aufträge im Verteidigungsgeschäft sind daran gebunden, einen möglichst großen Teil des Auftrages direkt vor Ort zu produzieren, um lokale Arbeitsplätze zu sichern oder zu schaffen.

EADS-Chef Louis Gallois betont zwar, der Konzern wolle weiterhin in den USA wachsen. Das jedoch wird nun viel schwieriger, zumal kein ähnlich großer Auftrag in Sicht ist.

© SZ vom 10.03.2010/pak

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