EADS: Aus für Tankflugzeuge-Deal Europa wütet über Protektionismus made in USA

Geknickt tritt EADS den Rückzug an, der Tankflugzeug-Auftrag des Pentagon geht wohl an den Rivalen Boeing. Mit Ernüchterung und Wut reagiert die Politik in Brüssel und Berlin - auch von Protektionismus ist die Rede. Fragen und Antworten zur Entscheidung.

Für den EADS-Konzern ist es ein Desaster: Der US-Partner Northrop Grumman zieht sich aus dem milliardenschweren Bieterverfahren um die Herstellung von Tankflugzeugen für die US-Armee zurück. Damit ist der Weg frei für den EADS-Rivalen Boeing, der als einziger Interessent im Rennen bleibt. Dabei hatten die Europäer tatsächlich eine realistische Chance, auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Im Jahr 2008 hatte das Konsortium EADS/Northrop Grumman den Auftrag zwischenzeitlich schon einmal ergattert. Wie der Deal doch noch platzen konnte und was die Niederlage für Folgen für EADS hat - die wichtigsten Fragen und Antworten zum Aus für den Jahrhundertdeal:

Wie reagiert die Politik auf die Entscheidung?

Politiker in Europa reagieren mit Ärger und Empörung auf den geplatzten Deal. Die EU-Kommission wird nun "weitere Entwicklungen in dem Fall sehr genau verfolgen" und droht den USA mit höheren Hürden für künftige Rüstungsprojekte. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ist ebenfalls enttäuscht. "Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden", sagte der Minister - und fügte hinzu: "Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schaden schon Anzeichen von Protektionismus." Und auch Richard Shelby, der Senator des US-Bundesstaats Alabama, ist zornig. "Dieser sogenannte Wettbewerb hatte nicht zum Ziel, das beste Ergebnis für die Männer und Frauen in Uniform zu erzielen, sondern das beste Ergebnis für Boeing." Shelbys Ärger ist nachvollziehbar: In seinem Bundesstaat hätte EADS sein neues Werk gebaut - und Tausende Arbeitsplätze geschaffen.

Warum war der Deal für EADS so wichtig?

Der Auftrag wäre eine großartige Möglichkeit für den europäischen Konzern gewesen, im amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Denn EADS verdient sein Geld nicht nur mit Passagierjets, sondern auch mit Militärflugzeugen. Da in den europäischen Ländern die Rüstungsausgaben sukzessive zurückgefahren werden, ist EADS dringend darauf angewiesen, neue Märkte zu erobern. Der Konzern plante sogar, eigens für die Herstellung der Tankflugzeuge ein neues Werk im US-Bundesstaat Alabama aufzubauen. Eine stärkere Präsenz in den USA ist für EADS aber auch wichtig, um die Abhängigkeit vom starken Euro zu verringern. Dafür hat der Konzern in den vergangenen Jahren weltweit neue Standorte gegründet, unter anderem ein Forschungszentrum in Indien und eine Endmontagelinie für Airbus-Flugzeuge in China.