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Airbus und US-Luftwaffe:Europäer empört über Aus im Flugzeug-Deal

Der Airbus-Konzern EADS ist beim Milliardengeschäft für Tankflugzeuge aus dem Rennen. Das Unternehmen ist ebenso empört wie EU und Bundesregierung.

Nach dem Rückzug von EADS aus dem Rennen um einen Großauftrag für die US-Luftwaffe muss die amerikanische Regierung scharfe Kritik ihrer europäischen Partner einstecken. EU-Kommission und Bundesregierung warfen den USA vor, bei der Ausschreibung des 35 Milliarden Dollar schweren Projektes den heimischen Boeing-Konzern zu bevorzugen und den europäischen Rivalen zu behindern.

"Es ist höchst bedauerlich, dass ein großer potentieller Lieferant sich nicht in der Lage sieht, für einen solchen Auftrag mitzubieten", sagte EU-Handelskommissar Karel de Gucht in Brüssel. Deutschland sieht "deutliche wirtschaftliche und finanzielle Vorteile" in dem Ausschreibungsverfahren für Boeing.

"Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). "Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schaden schon Anzeichen von Protektionismus."

Die Bundesregierung forderte die US-Regierung auf, ihr Ausschreibungsverfahren zu überdenken. "Ich würde mich freuen, wenn es zu diesem Schritt käme", sagte ihr Luftfahrtkoordinator Peter Hintze. "Die US-Regierung sollte das überdenken."

Nach der Neuausschreibung des US-Auftrags hatten Northrop Grumman und Airbus 2009 über die Bevorzugung von Boeing im Pentagon geklagt.

EADS hatte für den Airbus-Tanker ein eigenes Werk in den USA bauen wollen, in dem auch die A330-Frachter montiert werden sollten. NGC sollte die militärischen Komponenten zuliefern. Northrop warb damit, das Projekt würde 48.000 Arbeitsplätze in den USA schaffen, mehr als Boeings KC-767. Als Kompromiss hatte Northrop eine Teilung des Auftrags im Verhältnis 60 zu 40 ins Spiel gebracht.

EADS wollte mit dem Tankerwerk auch seine Abhängigkeit vom Euroraum mindern. "EADS wird weiter in den USA aktiv bleiben", versicherte Enders. Er verwies dabei auf die jüngst 100. Auslieferung eines Hubschraubers an die US Army und das Airbus Engineering Center in Mobile in Alabama.

Fünf Mal hat Airbus Boeing ausgestochen, doch den Jahrhundertauftrag der US-Luftwaffe erhält wohl der Flugzeughersteller aus dem Bundesstaat Washington: Der Airbus-Konzern EADS hat keine Chance mehr auf den Deal mit der US-Regierung über 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar. Northrop Grumman, US-Partner von EADS, zog das gemeinsame Angebot am Montag zurück. Das Unternehmen rechtfertigt den Rückzug mit angeblich unfairen Wettbewerbsbedingungen. Die Ausschreibung sei voll auf den Konkurrenten Boeing zugeschnitten worden. Airbus-Chef Thomas Enders warf der US-Regierung "Voreingenommenheit" vor.

Northrop Grumman sei überzeugt, "dass wir im derzeitigen Umfeld keine Chance haben zu gewinnen, egal wie gut unser Angebot ist", sagte Enders. Er könne "dieser Einschätzung nur folgen". Auch die US-Luftwaffe wisse, dass der Airbus-Tanker gegen Boeing "alle fünf internationalen Ausschreibungen der letzten Jahre gewonnen" habe. "Politische Bewertungen überlasse ich anderen. Für mich ist nur klar, dass unter den derzeitigen Bedingungen ein Antritt von uns ökonomisch nicht sinnvoll ist", so Enders. Verlierer sei die Air Force, die "jetzt die zweitbeste Lösung bestellen" müsse.

Brüderle warnt vor Protektionismus

Wirtschaftsminister Brüderle warf der US-Regierung vor, bei der Ausschreibung EADS zu benachteiligen. Dessen US-Konkurrent Boeing erhalte deutliche wirtschaftliche und finanzielle Vorteile, teilte das Ministerium mit.

"Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden", sagte Brüderle. "Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schaden schon Anzeichen von Protektionismus."

Die Bundesregierung forderte denn auch die USA zum Überdenken ihres Angebotsverfahrens auf. "Ich würde mich freuen, wenn es zu diesem Schritt käme", sagte der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze. EADS und der Partner Northrop Grumman wollten mit ihrem Rückzug aus dem Bieterverfahren offenbar das Signal setzen, dass sie sich nicht fair behandelt fühlen, sagte Hintze weiter. "Ich sehe eine winzige Restchance, dass die US-Administration dieses Signal erkennt und sich das Verfahren noch einmal anschaut".

US-Regierung gibt sich "enttäuscht"

Die US-Regierung bestritt unterdessen, Boeing ungerechtfertigterweise bevorzugt zu haben. Sie sei zwar "enttäuscht" vom Rückzug von EADS und Northrop Grumman, die Ausschreibung sei aber "fair strukturiert" gewesen, erklärte Vize-Verteidigungsminister William Lynn. Northrop und Boeing hätten "einen echten Wettbewerb" ausgetragen.

Schon vor drei Monaten hatte Northrop Grumman gedroht, das Handtuch zu werfen, weil mit gezinkten Karten gespielt werde. So hatte Boeing Einsicht in das Airbus-Preisangebot erhalten und konnte sein Angebot darauf abstimmen.

Northrop Grumman und EADS hatte den Tankerauftrag 2008 bereits gewonnen gehabt, auf Protest von Boeing aber wieder aberkannt bekommen.

"Es geht nicht um das beste Tankflugzeug"

Die jetzige Ausschreibung ist klar maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz", sagte Enders. "Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb."

Die US-Luftwaffe muss 534 Tanker und Frachter ersetzen. Das verspricht langfristig ein Geschäft von 100 Milliarden Dollar. Zunächst geht es um 68 Maschinen für zwölf Milliarden Dollar und undatierte Folgeaufträge für 111 Flugzeuge.

Der EADS-Tanker KC-45 ist vom Großraumflugzeug Airbus A330 abgeleitet und hat bisher alle internationalen Wettbewerbe gegen Boeings KC-767 gewonnen. Die KC-767 basiert auf dem alten Verkehrsjet Boeing 767, der von Airbus völlig vom Markt verdrängt wurde.

Im direkten Vergleich ist der Airbus-Tanker überlegen

Nach dem Verlust der ersten amerikanischen Ausschreibung hat Boeing sein Modell überarbeitet. Die KC-767 New Generation hat Cockpit-Displays wie der neue Dreamliner 787, doch den engeren 767-Rumpf. Boeing wirbt für die KC-767 mit dem Argument, die Produktion jederzeit auf jedem von der Air Force gewünschten Niveau garantieren zu können. Außerdem verbrauche die KC-767 24 Prozent weniger Treibstoff als der größere und schwerere Airbus-Tanker.

Die KC-767 wurde bisher nur nach Japan und Italien verkauft, wo Boeing Teile fertigen lässt. Wo der Boeing-Tanker offen mit dem Airbus-Modell konkurrierte wie in Australien, Großbritannien, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und 2008 in den USA, hatten stets die Europäer die Nase vorn.

© dpa/AFP/jobr/jab/plin/mel

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