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Unruhe an den Finanzmärkten:Börse in Spanien gerät ins Taumeln

Zwei spanische Regionen sind pleite, die Wirtschaft schrumpft und die Furcht ist groß: Die Madrider Börse verliert drastisch. Zugleich schnellen die Renditen für spanische Anleihen nach oben. Lange kann das Land derart hohe Zinssätze für die eigenen Staatsschulden nicht verkraften.

Zumindest ein Mensch in Europa verbreitet noch tapfer Optimismus: Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble. "Das Land wird schnell wieder vorankommen", sagte er der Bild-Zeitung. Damit meinte er Spanien.

Mit Hilfe des in der vergangenen Woche beschlossenen Hilfsprogramms, das bis zu 100 Milliarden Euro umfasst, werde das Bankensystem des Landes wieder stabiler und widerstandsfähiger. "Das schafft neues Vertrauen", so Schäuble.

Die Sparanstrengungen der spanischen Regierung würden langfristig Wirkung zeigen. Das Land ist nach den Worten Schäubles ein völlig anderer Fall als Griechenland. "Die Ursachen für die Krisen der beiden Länder sind völlig verschieden." Spaniens Wirtschaft sei viel leistungsfähiger und habe eine andere Struktur.

An den Finanzmärkten glaubte Schäuble keiner mehr: Die Börse Madrid brach am Vormittag um knapp vier Prozent ein, die Renditen für spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stiegen erstmals auf 7,5 Prozent. Die Marke von sieben Prozent wurde nach den Erfahrungen mit Portugal und Irland zuletzt als ein Wert gesehen, die im Euro-Raum auf längere Sicht als nicht tragbar für einen Staat gilt. Auch die Prämien für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps - CDS) für spanische Staatstitel stiegen auf einen neuen Rekordstand.

In Deutschland brach der Dax um 3,18 Prozent ein, der Euro sackte erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von 1,21 Dollar. Vor allem Banktitel werden von Anlegern fallengelassen.

Zwei Regionen wollen Nothilfe beantragen

Die Investoren befürchten offenbar, dass auch der spanische Staat trotz der Unterstützung für seine Banken selbst zum Kandidat für Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds wird. Mit dem auf 18 Monate angelegten Bankenprogramm sollen bedürftige Geldinstitute rekapitalisiert werden, die aufgrund der durch die Krise geplatzten Immobilien- und Kreditblase in Schwierigkeiten geraten sind.

Der spanische Wirtschaftsminister hat am Montag einen Antrag auf EU-Hilfen für sein Land zwar nochmals ausgeschlossen. "Absolut nicht", sagte Luis de Guindos auf die Frage, ob Spanien als Ganzes möglicherweise auf den EU-Rettungsschirm angewiesen sein könnte.

Doch die Anzeichen verdichten sich, dass die viertgrößte Volkswirtschaft immer größere Probleme hat, sich zu finanzieren. Zwei spanische Regionen sind bereits derart in Schwierigkeiten, dass sie die Zentralregiung in Madrid wohl um Nothilfe bitten müssen. So habe die Region Murcia mit Blick auf einen vom Staat bereitgestellten Liquiditätsfonds mehrmals über einen Hilfsantrag nachgedacht. Das teilte der Präsident der autonomen Region am Sonntagabend mit.

Erst am Freitag hatte die Region Valencia in Madrid um finanzielle Unterstützung gebeten, um Gläubiger bezahlen und ausstehende Rechnungen begleichen zu können. Nach einem Bericht der Zeitung El País haben die 17 halbautonomen spanischen Regionen einen Schuldenberg von 140 Milliarden Euro angehäuft, von dem 36 Milliarden Euro noch in diesem Jahr refinanziert werden müssen. Die Zeitung spricht von bis zu sechs Regionen, die an akuter Finanznot leiden.

Unterdessen stürzt die Wirtschaft des Landes weiter ab. Die härtesten Sparmaßnahmen in der Geschichte der spanischen Demokratie hätten das Land im zweiten Quartal tiefer in die Rezession gedrückt, teilte die Spanische Zentralbank am Montag in ihrem Monatsbericht mit. Die viertgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum schrumpfte demnach um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Spanien steht damit vor dem dritten Quartalsminus in Folge: In den beiden vorherigen Berichtsperioden ging die Wirtschaftsleistung um jeweils 0,3 Prozent zurück. Für 2012 erwartet die Regierung der viergrößten Volkswirtschaft der EU bislang einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von 1,5 Prozent.

© dpa/Reuters/dapd/olkl/hgn

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