Chinesisches Finanzinstitut Die größte Bank der Welt will raus aus dem Trump Tower

Der Trump Tower: Der US-Präsident hat das Gebäude natürlich schon vor seiner Amtszeit vermietet, um damit Geld zu verdienen.

(Foto: AFP)

Der Fall zeigt: Was der Politiker Trump zu verantworten hat, könnte den Geschäftsmann Trump viel Geld kosten.

Von Claus Hulverscheidt

Zu den vielen interessanten Eigenschaften des Staatenlenkers Donald Trump gehören auch Empathie und Mitgefühl - zumindest dann, wenn es um einen Mann geht, der ihm wie kein zweiter am Herzen liegt: Donald Trump. Die nächsten Wochen dürften daher herausfordernd werden für den US-Präsidenten, denn nach den Bauern, den Beschäftigen der stahlverarbeitenden Industrie und manch anderen droht er nun selbst zum Opfer jener aggressiven Handelspolitik zu werden, die er seit Monaten vor allem gegenüber China betreibt. Die staatlich kontrollierte Industrial & Commercial Bank of China (ICBC), das größte Finanzinstitut der Welt, will aus dem Trump Tower an der New Yorker Fifth Avenue ausziehen - die Politik des Staatsmanns Trump wird den Geschäftsmann Trump also womöglich eine hübsche Stange Geld kosten.

Schon im vergangenen Jahr hatte der Präsident den Abgang eines Mieters aus dem Hochhaus verkraften müssen. Im Erdgeschoss der Trutzburg aus dunklem Marmor und vergoldetem Metall schloss der Modeladen seiner Tochter und Beraterin Ivanka, die in Verdacht geraten war, Politik und Geschäft nicht sauber genug zu trennen. Dass nun auch die ICBC gehen will, trifft ihn jedoch ungleich härter: Laut Nachrichtenagentur Bloomberg zahlte die Bank bisher gut 1000 Dollar pro Quadratmeter - macht bei 2300 Quadratmetern Mietfläche eine jährliche Summe von mehr als 2,3 Millionen Dollar. Im möglichen neuen Domizil an der Sixth Avenue beträgt die Miete angeblich nur 800 Dollar pro Quadratmeter.

Eine Bestätigung dafür, dass der ICBC-Beschluss eine Reaktion auf Trumps Politik ist, gibt es naturgemäß nicht. Doch liegt der Verdacht nahe, dass die Führung in Peking nicht nur nach politischen, sondern auch nach privaten Schwachstellen des Präsidenten sucht, um Einfluss auf ihn auszuüben. Noch pokern die Chinesen offenbar, zuletzt hieß es, die ICBC könne bereit sein, eines der drei Stockwerke im Trump Tower zu behalten.

Der Präsident steckt jedoch in einer Zwickmühle. Zwar ist er nach eigenem Bekunden der weltbeste Geschäftemacher, im konkreten Fall aber sind alle zur Verfügung stehenden Optionen gleichermaßen problematisch. Kommt er der ICBC entgegen und senkt die Miete, wird es heißen, dass er im politischen und im privaten Geschäft mit zweierlei Maß misst - Härte hier, Kompromisse dort. Bleibt er dagegen unnachgiebig, verliert er ordentlich Geld, denn die Nachmieter werden angesichts der vielen politischen Fallstricke, die mit einem Umzug in den Trump Tower verbunden wären, kaum Schlange stehen. Und selbst wenn die Chinesen nachgäben und ihren Mietvertrag zu unveränderten Konditionen verlängerten, könnte sich das als vergiftetes Präsent erweisen - denn Geschenke von ausländischen Mächten darf ein US-Präsident nicht annehmen. Sollte er es dennoch tun, droht das, worauf viele seiner Gegner ohnehin hoffen: ein Amtsenthebungsverfahren.

Unternehmen Wenn einer ständig die Regeln bricht

Donald Trump

Wenn einer ständig die Regeln bricht

US-Präsident Trump könnte nicht nur die Weltkonjunktur beschädigen - die Amoralität dieses Mannes könnte weltweit das moralische Gefüge in Konzernen zu Fall bringen.   Essay von Karl-Heinz Büschemann