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Tierversuche:Wo Affen nicht einmal einen Kubikmeter Platz haben

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Ein Affe sitzt in seinem Käfig.

(Foto: privat)

In kaum einem anderen Land der EU wird so viel an Tieren geforscht wie in Deutschland. Dabei halten sich nicht alle Labormitarbeiter an die Regeln.

Die Affen rennen in ihren kleinen Zellen rückwärts im Kreis. Einer macht immer wieder einen Salto. Andere rennen von links nach rechts, von rechts nach links. Die Tiere sind in kahlen Käfigen untergebracht, in machen hat ein Affe nicht einmal einen Kubikmeter Platz. Das ist viel weniger als das Gesetz vorschreibt, wenn Tiere längere Zeit in den Zellen bleiben.

Die Bilder stammen aus dem Inneren des Laboratory of Pharmacology and Toxicology, kurz LPT. Es gilt als eines der größeren privaten Labore im Land und beschäftigt 175 Mitarbeiter. In den Räumen werden Tests zur Zulassung von Arzneien durchgeführt. Die Aufnahmen haben die Tierrechtsorganisationen Soko Tierschutz und Cruelty Free International der SZ und dem ARD-Magazin Fakt übergeben.

Ein Tierrechtler hat mehrere Monate lang in dem Labor als Pfleger gearbeitet und Szenen aufgenommen, die zeigen, dass ein Teil der Affen in winzigen Käfigen untergebracht ist. Die Aufnahmen zeigen zudem, wie grob Mitarbeiter teils mit Tieren umgehen. "Die Zustände dort spiegeln den grausamen Alltag der Tierversuche wider. Man unterschätzt das Leid maßlos", sagt Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz.

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Das Labor teilte am Donnerstag schriftlich mit, die Behörden hätten die Tierhaltung bisher nie beanstandet. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat die Behörde, die für die Kontrolle zuständig ist, am Mittwoch ein Verfahren eingeleitet - nachdem Anfang der Woche SZ und ARD bei eben dieser Behörde nachgefragt hatten, ob man von den Zuständen im Labor wisse und vor allem, welche Konsequenzen man bisher gezogen habe.

Die Bilder aus Mienenbüttel fallen also in eine Zeit, in der Deutschland ein ziemliches Problem mit seinem Gesetz für Tierversuche hat. Die Europäische Union hat ihre Mitgliedsstaaten schon vor Jahren dazu verpflichtet, die Versuche mit Tieren zu reduzieren. Nur hat Deutschland, das sich sonst gern mit seinem Tierschutz rühmt, die Richtlinie noch immer nicht hinreichend umgesetzt - und Brüssel hat Ende vergangenen Jahres ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

Die Liste der Verstöße ist lang.

Die Bundestagsabgeordnete Renate Künast von den Grünen, früher Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, sagt: "Die Sachkunde derer, die Tierversuche durchführen, ist momentan nicht ausreichend geregelt. Tierärzte müssen bei den Versuchen nicht dabei sein, außerdem sind die Kontrollen unzureichend. Das sind äußerst schwere Mängel."

Das letzte Schreiben der Bundesregierung in der Sache ging erst vor zweieinhalb Wochen von Berlin nach Brüssel. In dem Dokument, das der SZ vorliegt, kündigt Deutschland zwar an, sein Gesetz zu ändern. Aber es wird wohl bis Ende kommenden Jahres dauern, bis das Gesetz geändert ist. Sieben Jahre zu spät.

Lesen Sie den ausführlichen Text mit SZ Plus:
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