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Supermärkte:Eine Ladenkette verschwindet

Symbolbild zum drohenden Ende und der Zerschlagung der Supermarktkette Kaiser s Tengelmann Unterneh

Eine Marke zerbröselt: Die Logos von Kaiser's und Tengelmann, geprägt vom markanten Rot, kennt in Deutschland fast jeder. Doch schon bald wird man sie nicht mehr sehen.

(Foto: Ralph Peters/imago)

Die Kaffeekanne von Kaiser's und das markante T von Tengelmann sind bald Geschichte - so wie viele bekannte Marken, die den Besitzer wechselten.

Der Schriftzug Tengelmann wird bald über den Supermärkten in Bayern verschwinden. Auch die Läden, die Kaiser's heißen, wird es in einigen Monaten in Berlin und Nordrhein-Westfalen nicht mehr geben. Stattdessen werden über den Eingängen der 446 Geschäfte andere Name prangen: Edeka und Rewe. Eine traditionsreiche Marke verschwindet. Ein Logo, ein Name, mit dem viele Menschen sehr viel verbinden. Die Marke wird in den Köpfen fortleben, eine Weile jedenfalls noch, aber irgendwann werden sich nur diejenigen, die etwas älter sind und noch selber bei Kaiser's und Tengelmann eingekauft haben, daran erinnern. So wie bei anderen bekannten Markennamen.

Premiere

Für deutsche Fußballfans war Premiere lange der Inbegriff des Sportfernsehens. Wer es nicht ins Stadion schaffte, der schaute sich die Spiele der Bundesliga bei dem Bezahlsender an. Gerne auch in der Kneipe um die Ecke: Die wurde mit der entsprechenden Lizenz zur "Premiere Sportsbar", das klang nach großer Fußballwelt und nicht so sehr nach dunklem Eichenholz und speckigen Tischdecken.

Aber das Bezahlfernsehen war vom offiziellen Senderstart im Jahr 1991 an ein hartes und umkämpftes Geschäft. Der Medienmogul Leo Kirch versuchte zunächst, das Unternehmen komplett zu übernehmen, doch das gelang nicht. Später folgten: die Umbenennung in Premiere World, der Börsengang, Klagen von Mitbewerbern und diverse Wechsel der Anteilseigner. Auch die Bayerische Landesbank und die Hypo-Vereinsbank stiegen bei dem kriselnden Sender ein. Schließlich wurde aber der Brite Rupert Murdoch mit seinem Medienkonzern News Corp größter Einzelaktionär. Der Sender wurde 2009 in Sky umbenannt, die Marke Premiere verschwand.

Hamburg-Mannheimer

Er war stets adrett gekleidet, trug meist Krawatte und Jackett. Seinen Aktenkoffer hielt er immer in der linken, nie in der rechten Hand - die musste ja frei bleiben, um Hände zu schütteln. Passanten auf der Straße grüßten ihn mit: "Guten Tag, Herr Kaiser!" Herr Kaiser ist wohl immer noch der bekannteste Versicherungsvertreter der Republik. Mehr als 40 Jahre lang war er die Werbefigur der Hamburg-Mannheimer Versicherung, deren Ursprünge bis ins Jahr 1899 zurückreichen. Mit der Zeit wurde Herr Kaiser quasi zum Inventar deutscher Wohnzimmer - bis er Ende 2009 vom Bildschirm verschwand.

Die Hamburg-Mannheimer war schon Jahre zuvor mit der Victoria-Versicherung zum Düsseldorfer Ergo-Konzern verschmolzen, der die Einzelnamen vor der Jahrtausendwende sterben ließ - zugunsten des Namens Ergo. Der Grund: "Die Bündelung unserer Marken war die optimale Voraussetzung, um Wachstum zu schaffen", erklärt Ergo. Das hat nicht so recht geklappt, Ergo ist ein Sanierungsfall, 2300 Stellen sollen ab 2018 wegfallen. Die Marke leidet unter ihrem bescheidenen Image. Im Jahr 2011 kam raus, dass Versicherungsvertreter in der ungarischen Hauptstadt Budapest eine Sex-Party mit Prostituierten gefeiert hatten. Man kann davon ausgehen, dass der seriöse Herr Kaiser nie bei so etwas mitgemacht hätte.

Mannesmann

D1 oder D2? Wer Ende der Neunziger sein erstes Handy bekam, für den war die Wahl des Mobilfunknetzes ähnlich bedeutsam wie andere große Fragen des Lebens: Beatles oder Stones, Fanta oder Sprite, Bayern oder BVB. Zwar gab es damals schon das E-Netz mit den Anbietern E-Plus und Viag Interkom (heute O₂), so wie es auch schon den VfB Stuttgart gab. Aber die zählten nicht. Zur damaligen Übersichtlichkeit der Mobilfunkwelt gehörte auch, dass sich an der Vorwahl der Handynummer ablesen ließ, zu welchem Netz sie gehörte. 0152, 0162, 0172, 0173 und 0174 standen für D2.

Entstanden ist die Mannesmann AG bereits im 19. Jahrhundert als Hersteller von Stahlrohren. Später kamen unter anderem Maschinenbau, Elektronik und Fahrzeugtechnik dazu. 1989 stieg Mannesmann ins neu entstehende Mobilfunkgeschäft ein und erhielt als erstes Privatunternehmen eine Lizenz neben der Bundespost. In Zeiten, als noch jeder Anruf und jede SMS einzeln kosteten, ließ sich mit Handykunden viel Geld verdienen, so dass der Mobilfunk bald die wichtigste Sparte von Mannesmann war. Der britische Konzern Vodafone wurde darauf aufmerksam und übernahm die Mannesmann AG nach einer spektakulären Übernahmeschlacht im Jahr 2000 für 190 Milliarden Euro. Die Mobilfunkmarke Mannesmann verschwand, und auch die Festnetzsparte Arcor firmiert seither unter Vodafone.

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