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Strafzölle:Handelsstreit trifft deutsche Konzerne

A man takes a look at second-hand BMW cars at a dealer shop in Beijing

Hier dürften bald die Preisschilder ausgetauscht werden: BMW-Händler in Peking.

(Foto: REUTERS)
  • Deutsche Autos, gebaut in Amerika, verkauft nach Asien. So verbunden ist die Welt mittlerweile.
  • Genau das wird für deutsche Autokonzerne zum Problem. Der Handelsstreit zwischen den USA und China trifft auch ihre Geschäfte.
  • Auch in anderen Branchen der deutschen Wirtschaft wächst die Unruhe.

Von Caspar Busse und Max Hägler

In den Firmenzentralen der Autokonzerne ist das Problem grafisch dargestellt: Weltkarten mit Pfeilen hängen in Stuttgart, München oder Wolfsburg, darin sind die Handelsströme aufgezeichnet: Zwischen Ost und West über den Atlantik gehen die Pfeile, Import und Export zwischen den USA und der Europäischen Union. Schon das ist kompliziert, schon hier stellt sich die Frage, wie sich das derzeit dauernd diskutierte Problem - massive Zollerhöhungen - auswirkt. Der Handel und das Geschäftemachen werden schwieriger, die Pfeile dünner, vielleicht sind deshalb Jobs in Gefahr.

Doch spätestens seit diesem Freitag ist die ganze Weltkarte im Blick. Denn die Pfeile der deutschen Autokonzerne reichen auch nach China. Es ist mittlerweile der größte Einzelautomarkt - der aber nicht nur aus Europa aus bedient wird, sondern auch aus den USA. Deutsche Autos, gebaut in Amerika, verkauft nach Asien. So verbunden ist die Welt mittlerweile. So verwundbar ist man angesichts der jüngsten Facette im Zollstreit. Betroffen sind vor allem Daimler und BMW. Die Stuttgarter mussten bereits ihre Gewinnprognosen reduzieren. Das steht bei den Münchnern noch nicht an, aber sie rechnen derzeit bereits Preiserhöhungen in China durch. Für Modelle, die in den USA gebaut und nach China gebracht werden, würden derzeit die "nötigen Preisanstiege" kalkuliert und zu einem späteren Zeitpunkt angekündigt, teilte der Autobauer am Freitag mit. Rund 250 000 Wagen würden die beiden Hersteller insgesamt pro Jahr aus US-Werken bisher nach China verschiffen, schätzt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. BMW exportiert Modelle der X-Reihe aus Spartanburg, Daimler große Geländewagen der Reihen GLE und GLC aus Tuscaloosa. Diese Produkte sind betroffen vom "größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte", wie China die Entwicklungen mittlerweile nennt. So unruhig ist die Lage, dass man in den Konzernzentralen zum Ende der Woche noch nicht einmal wusste, ab wann genau die höheren Zölle gelten und wie hoch sie sind. Von 40 Prozent Zölle ist nun die Rede, anstatt wie bislang von 15 Prozent. Die USA haben in dieser Höhe vorgelegt, China reagiert. Und die Deutschen leiden. Als Reaktion denken sie auch über eine stärkere Lokalisierung nach, also über einen Wagenbau in China. Schon jetzt werden in China etwa 400 000 BMW gebaut, etwa der X3 oder die Langversion der 5er Limousine. Auch Daimler fertigt vor Ort, etwa die C-Klasse, die E-Klasse oder den GLA. "Eine weitere Produktionsverlagerung nach China kostet kurzfristig natürlich Profite", sagt Dudenhöffer. "Aber die Autobauer werden dadurch nicht aus der Bahn geworfen." Ein anstrengender, teurer Streit, aber noch herausfordernder wäre es, wenn in einer weiteren Eskalationsstufe auch der Warenverkehr zwischen der EU und den USA höher besteuert würde. 2,5 Prozent in Richtung USA, zehn Prozent in Richtung Europa - so lauten derzeit die Zollhürden in der Autobranche. BMW kostet diese bisherige Regelung im Jahr etwa eine halbe Milliarde Euro, es könnte deutlich mehr werden: Die Drohung von US-Präsident Donald Trump lautet: 20 oder gar 25 Prozent - die EU würde wohl nachziehen.

Ein besonderes Problem könnte auf die Deutsche Telekom zukommen

Auch in der übrigen deutschen Wirtschaft ist die Unruhe angesichts des Streits zwischen Peking und Washington groß, denn die Abhängigkeiten gibt es überall: Karten mit Pfeilen, die Warenströme rund um die Welt anzeigen, hängen auch in Firmenzentralen anderer Branchen. Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeigte am Freitag auf, was auf dem Spiel steht: "Deutsche Unternehmen haben in China über 80 Milliarden Euro investiert, in den USA sogar knapp 400 Milliarden Euro." In beiden Wirtschaftsräumen seien jeweils fast eine Million Beschäftigte in deutschen Betrieben tätig. "Viele der Unternehmen vor Ort sind direkt von den Zöllen betroffen, weil sie zum Beispiel Rohstoffe und Bauteile aus dem jeweils anderen Land beziehen", erklärte Treier.

Ein besonderes Problem könnte auf die Deutsche Telekom zukommen. Konzernchef Tim Höttges will die amerikanische Tochter T-Mobile US mit dem Konkurrenten Sprint fusionieren und damit zu einem der größten Mobilfunk-Anbieter in den USA machen. Wegen des Handelsstreits gibt es nun offenbar Unstimmigkeiten. In Washington soll ein Schreiben von Kongressabgeordneten kursieren, die die intensive Verbindung des Sprint-Eigentümers, des japanischen Technologie-Unternehmens Softbank, zum chinesischen Netzwerkausrüster Huawei als nationales Sicherheitsrisiko sehen. Nun wird eine gründliche Prüfung des geplanten Zusammenschlusses gefordert. Eine Behördenprüfung könnte den Deal noch platzen lassen.

© SZ vom 07.07.2018
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