Stellenabbau in der Bankbranche Die fetten Jahre sind vorbei

Bankberater werden war einmal eine sichere Karriere, jetzt wackeln in der Finanzbranche die Jobs. Commerzbank und Hypo-Vereinsbank streichen Tausende Stellen, die Allianz-Bank schließt sogar ganz. Und wer seine Stelle behält, muss sich umstellen.

Von Harald Freiberger und Andrea Rexer, Frankfurt

Kunden vor eine Filiale: Die Commerzbank will Stellen abbauen.

(Foto: dpa)

Es ist lange her, dass man sie "Bankbeamte" nannte, damals in den guten Zeiten, als Banker nicht nur einen sicheren Job hatten, sondern auch noch angesehen waren. Inzwischen hat sich der Wind gedreht: Wer zugibt, in einer Bank zu arbeiten, riskiert auf so mancher Party im besten Fall peinliche Stille, im schlechtesten eine Schimpftirade. Und sichere Jobs gibt es in der Branche auch kaum mehr: Landauf, landab verlieren Banker ihre Arbeitsplätze. Zuerst waren die Investmentbanker an der Wall Street und in London betroffen, jetzt schiebt sich die Kündigungswelle nach Deutschland bis zu den Beratern in den Filialen vor.

An diesem Donnerstag wurde nicht nur bekannt, dass die Commerzbank bis zu 6000 Jobs streichen will - sondern auch, dass der Versicherungskonzern Allianz seine Banktochter schließt. Das kostet weitere 450 Mitarbeitern den Arbeitsplatz. Am Vortag war durchgesickert, dass auch bei der Hypo-Vereinsbank 2013 und 2014 rund 1000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Betroffen ist vor allem das Privatkundengeschäft, aber auch die Unternehmerbank. 45 Filialen sollen dichtmachen.

"Die Kreditinstitute haben lange abgewartet, ob sich die Finanzmärkte nicht vielleicht doch erholen und das Geschäft wieder anzieht", sagt Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Doch ein Ende der Krise sei immer noch nicht in Sicht, hinzu komme eine sich verschärfende Regulierung. Das führe dazu, dass die Banken ihre Geschäftsmodelle überdenken und in Sparten kürzen, die zu wenig Rendite erwirtschaften.

Die Tatsache, dass sich die negativen Nachrichten gerade jetzt zum Jahresanfang häufen, hat für Faust auch einen technischen Grund: "Die Bilanz für 2012 wird in diesen Wochen erstellt, Restrukturierungskosten können in vielen Fällen noch in das alte Jahr gepackt werden." Das sind zum Beispiel Kosten für Abfindungen, die mit einem Stellenabbau verbunden sind.

Christoph Kaserer, Professor für Finanzmärkte an der TU München, findet es "erstaunlich, wie lange die deutschen Banken mit der Konsolidierung gewartet haben". Er hätte bei der Commerzbank schon bei der Fusion mit der Dresdner im Jahr 2008 einen viel radikaleren Stellenabbau erwartet. "Der technische Fortschritt ist gewaltig, viele Kunden wandern ins Internet ab, da ist es eigentlich klar, dass Filialen und Personal reduziert werden müssen", so Kaserer. Die Probleme im Privatkundengeschäft seien auch überdeckt worden von Erfolgen im Investmentbanking und im Mittelstandsgeschäft. Da diese Sparten nun auch nicht mehr gut liefen, gebe es im Filialbereich massiven Veränderungsbedarf.

Bei der Allianz ist dieser Bedarf gleich so groß, dass sie sich aus dem Bankgeschäft komplett zurückzieht. Die Allianz-Bank wurde 2009 gegründet, nachdem der Versicherer die Dresdner Bank an die Commerzbank verkauft hatte. Damit wollte er das eigene Bankgeschäft weiterführen, das in den Jahren davor aufgebaut worden war. Allianz-Vertreter waren angehalten worden, auch Bankprodukte wie Kredite, Konten und Geldanlagen zu verkaufen. Die Devise hieß: "Allfinanz".

Die Bank blieb in der Versicherung ein Fremdkörper und schrieb rote Zahlen. Heute hat sie noch 325.000 Kunden, weniger als zum Start. Unterm Strich summieren sich Investitionen, Verluste und Abwicklungskosten auf 400 Millionen. Die auch zur Allianz gehörende Oldenburgische Landesbank macht zwar weiter, in der Allianz-Bank aber verlieren 450 Berater ihren Job - weitere 450 Banker auf der Straße.

Nur wenige Banker sind in einer Gewerkschaft

Wer seine Stelle behält, muss sich umstellen. Wie sehr sich das Berufsbild des Bankers ändert, zeigt das Beispiel der Commerzbank. Der typische Tagesablauf mit fester Mittagspause und geregeltem Feierabend soll bald der Vergangenheit angehören. Künftig müssen sich die Angestellten in den Filialen auf flexiblere Arbeitszeiten einstellen - zumindest nach dem Wunsch des Managements. Die Gewohnheiten der Kunden hätten sich verändert, darauf müsse man reagieren, unabhängig vom aktuellen Stellenabbau, heißt es in Bankkreisen.

In den Betriebsratsverhandlungen zum Stellenabbau wurde über das Thema heftig debattiert. Die Arbeitgeber würden mit dem Gesamtbetriebsrat dazu gern eine Rahmenvereinbarung schließen, die tatsächlichen Arbeitszeiten müssen dann mit dem Betriebsrat vor Ort geschlossen werden. Schichtmodelle werden nicht ausgeschlossen, seien aber nicht zwingend nötig, heißt es. Egal, welche Vereinbarung am Ende getroffen wird: Die größte Herausforderung liegt bei den Führungskräften, die einen komplexen Dienstplan zwischen ihren Mitarbeitern koordinieren müssen.

Auch beim Gehalt müssen die Banker immer häufiger Abstriche machen - obwohl der Tarifvertrag im Vergleich zu anderen Branchen immer noch üppige Konditionen sichert. Doch genau um diese hohen Kosten zu umgehen, sind Banken in den vergangenen Jahren dazu übergegangen, ganze Abteilungen auszugliedern. Call-Center, Kontobearbeitung und andere Verwaltungstätigkeiten wurden in GmbHs verschoben, in denen der Banktarifvertrag nicht gilt. Zu diesen Mitteln greifen nicht nur Deutsche Bank, Commerzbank oder HVB, sondern auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Für die Arbeitnehmervertreter bedeuten diese Entwicklungen jede Menge Arbeit. Sie wehren sich mit Händen und Füßen gegen die Verschlechterungen bei ihrer Klientel. So auch bei der Commerzbank: In mehreren Telefonkonferenzen unterrichteten die Betriebsräte an diesem Donnerstag die Mitarbeiter. In einer internen E-Mail an die Mitarbeiter zeigte sich der Betriebsrat "entsetzt" und "maßlos enttäuscht" über die Vorgehensweise des Managements. Die Verhandlungen werden am 5. und 6. Februar weitergeführt. Bislang sind nur die wenigsten Banker Mitglieder in Gewerkschaften. Schätzungen gehen von einem Organisationsgrad von fünf bis zehn Prozent aus. Gut möglich, dass sich das nun ändert.