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Stellenabbau bei insolventer Drogeriemarktkette:Verdi-Chef fordert Staatshilfe für Schlecker-Mitarbeiter

Der Schock für die Schlecker-Beschäftigten ist groß: Jeder zweite Arbeitsplatz bei der insolventen Drogeriemarktkette soll gestrichen werden. Unterstützung erhalten die Betroffenen nun vom Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske: Der sieht den Staat in der Pflicht - und fordert die Politik zum Handeln auf.

Fast 12.000 Mitarbeiter der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker verlieren ihren Job. Selbst Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zeigte sich "überrascht" über das Ausmaß der Entlassungen. Nun erhalten die Betroffenen Unterstützung aus dem Gewerkschafts-Lager: Verdi-Chef Frank Bsirske forderte staatliche Hilfen für die Schlecker-Beschäftigten. "Wir brauchen Initiativen aus der Politik," sagte der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft im ARD-Morgenmagazin. Den fast 12.000 Frauen, die ihre Arbeitsplätze verlieren sollen, müsse geholfen werden.

Das Sanierungskonzept von Geiweitz sieht vor, dass zur Rettung der Drogeriekette fast die Hälfte der 5.400 Filialen geschlossen werden. Damit fallen fast 12.000 der insgesamt 25.000 Arbeitsplätze weg. Die Einschnitte seien bitter, aber eine "unbedingte Notwendigkeit" für das Überleben von Schlecker, betonte Geiwitz. Bis Ende März hat der Insolvenzverwalter noch Zeit ein Konzept vorzustellen, das die Gläubiger überzeugt - und vor allem neue Investoren anlockt.

Verdi-Chef Bsirske sprach von einer "Insolvenz in bisher nie dagewesener Dimension". Sie treffe vor allem Frauen im untersten Einkommensbereich. Tatsächlich ist der Stellenabbau bei Schlecker nicht mit Entlassungen in der Industrie vergleichbar. Die überwiegend weiblichen Beschäftigten sind oft schlecht qualifiziert und finden nur schwer eine neue Stelle. Ob eine Transfergesellschaft für die entlassenen Mitarbeiter gegründet werden kann, ist offen. Der Abbau soll "sozialverträglich" erfolgen, hieß es. Es werde nun über einen Sozialplan verhandelt, sagte Geiwitz.

"Wir brauchen dringend eine Transfergesellschaft für Qualifikation und Vermittlung", sagte Bsirske daher. Bsirske sieht vor allem den Staat in der Pflicht: "Da ist die Politik gefordert, und wir werden das Gespräch mit der Politik suchen", erklärte er.

Mit einer ähnlichen Forderung war der Schlecker-Betriebsrat vergangene Woche an die Öffentlichkeit gegangen. Die Begründung: Gerade die Filialen auf dem Land würden zur Grundversorgung der Bevölkerung beitragen.