Fall Khashoggi Siemens-Chef Kaeser sagt Teilnahme an Konferenz in Riad ab

Siemens-Chef Joe Kaeser

(Foto: REUTERS)
  • Siemens-Chef Joe Kaeser sagt seine Teilnahme an einer Investorenkonferenz in Riad nun doch ab.
  • Er tut es damit etlichen Managern und Politikern gleich. Grund für die Absagen ist die Tötung des regimekritischen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Siemens-Chef Joe Kaeser verzichtet nach dem Tod des saudi-arabischen Regimekritikers Jamal Khashoggi an der Teilnahme an einer Investorenkonferenz in Riad. "Es ist die sauberste Lösung, wenn auch nicht die mutigste", teilte der Manager in einer langen Erklärung mit, die er auf dem Karrierenetzwerk Linkedin veröffentlichte.

Saudi-Arabien hatte am Wochenende eingeräumt, dass der Regimekritiker Khashoggi im Istanbuler Konsulat des Königreichs getötet wurde. Zwischen dem 59-Jährigen und einigen Personen im Konsulat sei es zu einem Streit gekommen, meldeten staatliche Medien unter Berufung auf die saudische Staatsanwaltschaft.

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Kaeser stand in der Kritik, weil er sich im Gegensatz zu anderen Konzernmanagern lange für eine Zu- oder Absage der Konferenz Zeit ließ. Sie wird als "Davos in der Wüste" vermarketet und beginnt am Dienstag. Er habe drei Optionen geprüft, schreibt Kaeser in seinem Statement:

  • Die Konferenz abzusagen und sich damit "hinter dem Mainstream zu verstecken"
  • Einen Stellvertreter zu schicken, was aus seiner Sicht nicht infrage kam
  • Hinzufahren und das Thema anzusprechen, was er lange favorisiert habe

Er habe sich nach langem Überlegen dennoch dazu entschieden, Option 1 zu wählen und abzusagen."Das ist keine Entscheidung gegen das Königreich und seine Menschen." Siemens sei seit Jahrzehnten ein verlässlicher Partner von Saudi-Arabien. Aber jetzt müsse die Wahrheit gefunden werden und Gerechtigkeit Einzug halten.

Kaesers Statement legt nahe, dass er sich zu der Entscheidung gedrängt gefühlt hat. "Ich habe hunderte, wenn nicht tausende Mails und Social-Media-Posts erhalten, in denen ich aufgerufen wurde, nicht teilzunehmen", schreibt der Manager. "Nur zwei Menschen haben mir empfohlen, hinzugehen. Es sei angemerkt, dass diese beiden Menschen verstanden haben, wie kompliziert die Situtation ist."

Mittlerweile haben etliche Konzernchefs und Medien ihre Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt. Darunter sind etwa führende Manager von Ford, Uber, Mastercard, Google, JP Morgan und der US-Investmentfirmen Blackrock und Blackstone. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde wird nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Die Financial Times sowie die New York Times erklärten, sich als Medienpartner zurückzuziehen.

Kaeser hatte lange offen gelassen, ob er nach Riad fahren würde. Bei einer Veranstaltung in Toronto sagte er vergangene Woche, er habe sich noch nicht abschließend entschieden, tendiere aber zu einer Teilnahme. Kaeser begründete seinen Standpunkt damals damit, dass man mit den Menschen reden müsse, um etwas zu verändern. Das Verschwinden Khashoggis sei ein "sehr ernstes Thema, bei dem man eigentlich nicht gewinnen kann", sagte der Manager. "Wenn wir die Kommunikation mit Ländern meiden, in denen Menschen vermisst werden, kann ich einfach zu Hause bleiben, weil ich mit niemandem mehr reden kann."

Kaeser ist einer von wenigen Konzernchefs, der sich regelmäßig politisch äußert. Zuletzt warnte er mehrfach vor einem zunehmenden Rassismus in Deutschland. Dabei kritisierte er auch die AfD. "Es haben damals beim Nationalsozialismus zu viele Menschen geschwiegen, bis es zu spät war. Und das darf uns in Deutschland nicht wieder passieren", sagte Kaeser im August. Äußerungen der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel im Mai im Bundestag habe er als rassistisch und ausgrenzend empfunden, sie hätten ihn im Ton an die NS-Zeit erinnert.

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