Industrie Siemens will Stromnetz im Irak aufbauen

Marode Technik: Im Irak gibt es einiges zu tun, um die Energieversorgung für seine 23 Millionen Bürger auf einen modernen Stand zu bringen.

(Foto: REUTERS)
  • Siemens kämpft um einen ganz besonderen Auftrag: Das Unternehmen will im Irak die flächendeckende Stromversorgung wiederherstellen.
  • Bundeskanzlerin Merkel soll sich dem Vernehmen nach bereits persönlich in die Verhandlungen eingeschaltet haben, um für den deutschen Technologiekonzern zu werben.
Von Thomas Fromm

Siemens bewirbt sich im Irak um einen Milliardenauftrag, um das vom Krieg zerstörte Land flächendeckend wieder mit Strom zu versorgen. Wie es bei Siemens heißt, könnte dies eines der größten Geschäfte in der Geschichte des Münchner Konzerns werden. Im Unternehmen zieht man Parallelen zu einem Megaauftrag, den Siemens-Chef Joe Kaeser im Juni 2015 eingefädelt hatte. Damals wurde mit Ägypten vereinbart, dass Siemens in dem Land neue Gas- und Windkraftwerke im Wert von rund acht Milliarden Euro baut.

Der Auftrag im Irak könnte nun noch größer werden. Anders als in Ägypten gehe es nicht um den Bau von drei einzelnen Kraftwerken, sondern um viele Einzelprojekte. Bereits am Wochenende war Kaeser persönlich mit Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Bareiß (CDU) nach Bagdad gereist, um bei Ministerpräsident Haider al-Abadi für sein Projekt zu werben. Laut Siemens geht es dabei unter anderem um Energieerzeugungskapazitäten von elf Gigawatt für insgesamt 23 Millionen Iraker, die in den kommenden vier Jahren aufgebaut werden sollen.

"Die Bundesregierung sieht die Bewerbung von Siemens mit Wohlwollen"

Der Konzern wirbt vor Ort mit der Schaffung Tausender Arbeitsplätze und Investitionen in Korruptionsbekämpfung und Ausbildung im Irak. Unter anderem wollen die Münchner ein modernes Gesundheitszentrum spenden und 60 Millionen Dollar für Software-Schulungen an irakischen Universitäten investieren. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll sich dem Vernehmen nach bereits persönlich in die Verhandlungen eingeschaltet haben, um für den deutschen Technologiekonzern zu werben. "Die Bundesregierung sieht die Bewerbung von Siemens mit Wohlwollen", heißt es dazu lediglich in München. Das Milliardengeschäft solle unter anderem durch Hermes-Bürgschaften abgesichert werden. Allerdings sei noch keine Entscheidung über eine Beteiligung von Siemens getroffen worden.

"Es kann jetzt schnell gehen, es kann aber auch noch dauern", sagt ein Insider der SZ. Vor allem: In diesen Tagen nun würde der US-Rivale General Electric (GE) ebenfalls sein Angebot vorlegen. Das Rennen sei also "noch offen", so beschreibt ein Insider die Lage. Siemens habe jedoch schon "ein positives Feedback" auf sein Projekt bekommen. Am Ende aber werde es wohl auch "eine politische Entscheidung". Das bedeutet: In München rechnet man nicht nur damit, dass General Electric ebenfalls hart für den Auftrag kämpfen wird - der Konzern könnte auch noch politische Unterstützung aus dem Weißen Haus in Washington bekommen.

Für die Deutschen wäre ein Zuschlag wichtig, vor allem für die schwache Gas- und Dampf-Turbinensparte "Power & Gas". Schon der Auftrag aus Ägypten sorgte für eine bessere Auslastung in den Fabriken. Sollten die Münchner nun auch im Irak zum Zuge kommen, wäre dies für die Geschäftssparte der Deutschen ein weiteres willkommenes Konjunkturprogramm. In der Energie- und Kraftwerkstechnik sollen in den nächsten Jahren Tausende Arbeitsplätze wegfallen, auch in Deutschland.

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