Windkraft:Siemens Energy greift durch

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Erneuerbare Energien: Windkraftrad von Siemens Energy in Brandenburg

Windkraftrad von Siemens Energy in Brandenburg: In dem Geschäft haben die Münchner große Probleme.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Die spanische Windkrafttochter Gamesa soll nun ganz übernommen werden. Das kostet rund vier Milliarden Euro. Geld, das die Münchner eigentlich nicht haben.

Von Caspar Busse, München

Hohe Verluste, immer wieder verfehlte Prognosen, massive operative Probleme - die spanische Windkraftfirma Siemens Gamesa ist schon seit langem das große Sorgenkind des Konzerns Siemens Energy. Dabei ist die Windkraft eigentlich die Zukunft der Energiebranche, und nicht Gas- und Dampfturbinen, die Siemens Energy bislang vor allem anbietet. Ein großes Problem: Die börsennotierte Firma Siemens Gamesa gehörte bislang nur zu zwei Drittel zu Siemens Energy, also zur inzwischen eigenständigen ehemaligen Energiesparte des Siemens-Konzerns.

Jetzt will Siemens Energy durchgreifen. Am Wochenende kündigte Konzernchef Christian Bruch an, die komplette Kontrolle bei Gamesa zu übernehmen. Mit einem Angebot von 18,05 Euro pro Aktie wollen die Münchner die ausstehenden 32,9 Prozent an Gamesa erwerben. Dann, so die Hoffnung, ist ein besserer Durchgriff gewährleistet, um die Probleme endlich in den Griff zu bekommen. Ist das Angebot erfolgreich, will Siemens Energy Gamesa von der Börse nehmen und in den Konzern integrieren.

Zwei US-Banken geben eine Brückenfinanzierung

Allerdings wird das teuer für Siemens Energy: Die Übernahme soll rund vier Milliarden Euro kosten. Geld, das Siemens Energy eigentlich nicht hat. Für die Finanzierung des Kaufangebots gebe es verbindliche Zusagen von Bank of America und J.P. Morgan, teilte das Unternehmen mit. Geplant sei, dass das später mit bis zu 2,5 Milliarden Euro Eigenkapital oder eigenkapitalähnlichen Instrumenten finanziert werde. Eine Kapitalerhöhung sei ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Der Rest wird über Schulden geregelt.

Gamesa hat seinen Hauptsitz in Spanien und agiert bislang sehr eigenständig. Zuletzt hatte die Tochter ihrer Mutter Siemens Energy vier Mal hintereinander die Quartalszahlen verdorben. Vor allem das Geschäft mit Windkraft an Land verursacht hohe Kosten und Schwierigkeiten in der Produktion. Gamesa befinde sich "derzeit in einer finanziell schwierigen Lage", teilte Siemens Energy nun mit. Durch die geplante Integration könnten "notwendige Maßnahmen" zur Stabilisierung des Geschäfts besser ergriffen werden. Mögliche Kostensynergien könnten am Ende bei 300 Millionen Euro jährlich liegen.

Siemens Energy hatte lange mit der Übernahme gezögert, die Probleme wurde dadurch allerdings immer größer. Der Preis ist seit dem vergangenen Jahr deutlich gefallen. Lag die Siemens-Gamesa-Aktie vor gut einem Jahr noch bei mehr als 33 Euro, ist sie nun auf die Hälfte gefallen. Die komplette Übernahme ist jetzt also preiswerter. Im September soll das Angebot vorgelegt werden, im Erfolgsfall wäre die Übernahme bis Ende des Jahres abgeschlossen.

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