Energiekonzern:Shell will weniger Öl in Deutschland verarbeiten

Lesezeit: 1 min

Shell Raffinerie in Köln-Godorf

Werkstor der Raffinerie in Köln-Godorf: Noch betreibt Shell im Rheinland eine der größten Raffinerien Europas.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Das britisch-niederländische Unternehmen will den Ölbedarf seiner großen Raffinerie im Rheinland um knapp die Hälfte senken. Denn Shell steht von mehreren Seiten unter Druck.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Der Energiekonzern Shell will binnen weniger Jahre deutlich weniger klimaschädliches Erdöl in Deutschland verarbeiten. Das hat das britisch-niederländische Unternehmen angekündigt. Demnach will Shell am Standort in Wesseling am Rhein von 2025 an kein Öl mehr als Rohstoff einsetzen. Bislang betreibt die Firma im Süden Kölns eine der größten Raffinerien Europas. Mit dem Ausstieg in Wesseling soll die Öl-Verarbeitungskapazität von Shell im Rheinland von 17 Millionen auf etwa neun Millionen Tonnen jährlich zurückgehen - mithin auch der CO₂-Ausstoß. Den Nachbarstandort in Köln-Godorf will der Konzern weiterbetreiben, damit er auch künftig noch Treibstoffe und Heizöl hierzulande verkaufen kann.

Shell steht zum einen wirtschaftlich unter Druck. Je mehr und eher Volkswirtschaften klimaneutral werden wollen, desto weniger fossile Brennstoffe werden gebraucht: Elektroautos ersetzen Benzin- und Dieselantriebe, strombetriebene Wärmepumpen verdrängen Ölheizungen. Zum anderen urteilte ein niederländisches Gericht im Frühjahr, dass Shell den Ausstoß von Treibhausgasen stärker senken muss als geplant. Investoren drängen das Unternehmen in dieselbe Richtung.

Statt klimaschädlicher Brennstoffe wolle Shell im Rheinland mehr erneuerbare Rohstoffe einsetzen, sagt Deutschland-Chef Fabian Ziegler. Beispielsweise hat die Firma im Sommer einen Elektrolyseur in Wesseling eingeweiht, der aus Wasser mit viel Ökostrom "grünen" Wasserstoff erzeugt. Dieser Energieträger kann Stahlwerken oder Chemiefabriken helfen, unabhängig von klimaschädlichen Ressourcen wie Kohle oder Erdgas zu werden. Shell plant nun einen nächstgrößeren Elektrolyseur, dessen Bau im kommenden Jahr beginnen soll. Zudem baut der Konzern etwa eine neue Anlage für Bio-Kraftstoffe, die in Lastwagen zum Einsatz kommen sollen.

Bislang zählt Shell etwa 1500 direkte Beschäftigte an dem Raffinerie-Standort sowie weiteres Personal bei Partnern. Mit dem Ausstieg aus der Ölverarbeitung würden vermutlich einige Arbeitsplätze wegfallen, sagt Standort-Chef Marco Richrath, aber auch neue Anlagen entstehen. "Betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden." Eine finale Investitionsentscheidung zum Umbau der Raffinerie stehe noch aus. "Wir reden über sehr große Milliardenbeträge", sagt Ziegler, ohne diese näher zu beziffern.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB