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Schlechte Wirtschaftszahlen aus den USA:Schock im neuen Jahr

Es ist das erste Minus seit dem Tiefpunkt der Finanzkrise: Amerikas Wirtschaft ist Ende 2012 überraschend geschrumpft. Die Notenbank spricht allerdings nur von einer "Pause".

Der Aufschwung in den USA hat einen Rückschlag erlitten. Völlig überraschend ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2012 auf das Jahr hochgerechnet um 0,1 Prozent zurück, wie das Wirtschaftsministerium in Washington mitteilte. Es war das erste Minus seit Frühjahr 2009, dem Tiefpunkt der Finanzkrise. Experten hatten zwar eine Abkühlung erwartet, aber immer noch mit 1,1 Prozent Wachstum gerechnet. Im dritten Quartal hatte das BIP in den USA noch um 3,1 Prozent zugelegt.

Die Notenbank Federal Reserve räumte am Mittwoch ein, dass "die wirtschaftliche Aktivität in den vergangenen Monaten pausiert" habe. Nach der ersten Sitzung im neuen Jahr erklärte der Offenmarktausschuss der Fed, Störungen durch das Wetter und andere vorübergehende Faktoren hätten für diese Pause gesorgt. Das "moderate Wachstum" werde weitergehen, allerdings gebe es "Risiken zum Schlechteren hin".

Differenzen über die Politik des Gelddruckens

Fed Präsident Ben Bernanke sah keinen Grund, an seiner extrem lockeren Geldpolitik etwas zu ändern. Der Leitzins soll solange bei nahe null bleiben, bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent sinkt. Bis auf weiteres wird die Fed auch monatlich für insgesamt 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Hypothekenanleihen kaufen und entsprechend neues Geld schaffen. Innerhalb der Fed gibt es allerdings Differenzen über die Politik des Gelddruckens. Die Präsidenten der Federal Reserve Bank von Kansas, Esther George, lehnte die gemeinsame Erklärung ab, weil sie einen Anstieg der Inflationserwartungen fürchtet.

Die überwiegende Mehrheit der Ökonomen deutet die neuen Zahlen des Wirtschaftsministeriums nicht als Hinweis auf einen nahen Konjunkturabschwung. "Das ist klar eine negative Überraschung", sagte Harm Bandholz, Chefvolkswirt von Unicredit in New York. "Aber es ist nicht der Beginn einer Rezession." Hauptverantwortlich für den Rückgang war die Regierung in Washington. Als Nebeneffekt des Haushaltsstreits zwischen Weißem Haus und Kongress hatte das Finanzministerium die Staatsausgaben um 15 Prozent gesenkt. Die Verteidigungsausgaben sind sogar um 22 Prozent gesunken, der stärkste Rückgang seit 40 Jahren, wie Bandholz betont. Gesunken sind auch die Vorräte der Industrie und die Nettoexporte der US-Unternehmen, während die Konsumausgaben um 2,2 Prozent zulegten. Hierin spiegelte sich ein allgemein gutes Weihnachtsgeschäft.

Trotz des schwachen letzten Quartals ist die US-Wirtschaft 2012 insgesamt um 2,2 Prozent gewachsen und damit etwas schneller als 2011 (1,8 Prozent). Die meisten Konjunkturforscher glauben, dass 2013 der Aufschwung mit verhaltenem Tempo weitergeht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) etwa rechnet mit einem Plus von 2,0 Prozent.

Häusermarkt erholt sich

Chris Williamson, Chefökonom des Finanzinformationsdienstes Markit, schrieb in einer Analyse: "Nach einem enttäuschenden Jahresende 2012 könnte uns das erste Quartal 2013 positiv überraschen, wenn sich die Wirtschaft von ihrem vorübergehenden Schwächeanfall erholt." Als positiv werten die Experten, dass sich der Häusermarkt in den USA weiter erholt. Insgesamt investierten die Amerikaner 15,3 Prozent mehr in ihre Häuser - ein klarer Vertrauensindikator. Schließlich hat die Privatwirtschaft im Januar mehr Jobs geschaffen als erwartet. Insgesamt waren es 192 000 neue Stellen, wie die private Arbeitsvermittlung ADP mitteilte.

Nach den amerikanischen Zahlen beschleunigte der Euro seinen Anstieg und kostete gegen Abend 1,3570 Dollar. An den Aktienmärkten hinterließen die enttäuschenden Nachrichten dagegen nur wenig Spuren. Der Dow Jones in New York eröffnete leichter, die Kurse an der Technologiebörse Nasdaq legten zunächst etwas zu; in Europa schloss der Dax etwas schwächer.