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Samstagsessay:Wir müssen den Banken wieder vertrauen können

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Das Bankenviertel von Frankfurt.

(Foto: imago)

Ihr Image ist mies, ihr Verhältnis zur Gesellschaft zerrüttet. Das kann so nicht weitergehen. Die Banken sind zu wichtig für die Wirtschaft und unseren Wohlstand.

Der Lärm ist verstummt. Die Demonstranten, die in ihren Occupy-Camps die Finanzdistrikte in New York, Frankfurt, London "besetzt" hatten, sind längst weg. Haben sie gesiegt? Ist das weltweite Finanzsystem sicherer und gerechter als vor dem Crash 2008? Wohl kaum. Noch immer kämpfen gerade die europäischen Banken mit ihren Altlasten, ist das Eigenkapital der Institute auf dem Kontinent viel niedriger als in Amerika und sind diese damit deutlich anfälliger für neue Krisen. Dass Italien die drittgrößte Bank des Landes mit Steuergeld vor dem Kollaps retten muss, ist das offensichtlichste Zeichen dafür, dass die Probleme nicht gelöst sind.

Die Trillerpfeifen sind dennoch verstummt, die meisten Marx-Lesekreise an den Universitäten wieder aufgelöst. Viele Demonstranten haben längst anderes zu tun, manche sind in guten Jobs und haben keine Zeit mehr für Protest-Camps. Und so fehlen die Idealisten und Visionäre, die gerade das Finanzsystem zum Besseren verändern wollen.

Immerhin hat sich ja auch einiges getan: Internationale Regulatoren und Regierungen haben den Banken umfangreiche Regeln auferlegt, und die Öffentlichkeit schaut heute viel aufmerksamer auf die Branche als früher. Nur neues Vertrauen geschaffen hat das nicht. Gerade noch drei Prozent der Deutschen zählen Bankangestellte zu den fünf Berufsgruppen, die sie am höchsten schätzen. Sogar Politiker schneiden da mit sechs Prozent vergleichsweise gut ab.

Der rücksichtslose Investmentbanker hat als Vorbild für BWL-Studenten ausgedient, spätestens seit der Finanzkrise gilt er nicht mehr als Macher, sondern als "Bankster". Seinen Platz hat der Gründer eingenommen, der nicht nur Geld verdienen, sondern möglichst auch noch die Welt verbessern will.

Derweil haben sich Banken, Politiker und Gesellschaft heillos in ihre Widersprüche verstrickt. Eine gemeinsame positive Vorstellung davon, was Banken leisten sollen und vor allem wie, sie fehlt immer noch. Genau darauf aber wäre eine arbeitsteilige und vernetzte Gesellschaft angewiesen. Sie braucht vertrauenswürdige Banken und Börsen, die Kapital bei Sparern und Anlegern einsammeln, es bündelt und dorthin verteilt, wo es gebraucht wird.

Die Geschäfte sollen moralisch sauber sein - aber eine Rendite wäre auch schön

Eigentlich sah es ganz gut aus, damals nach der Finanzkrise: "Nie wieder!", hieß es, nachdem in den USA und England, in Deutschland und Spanien Banken mit dem Geld der Steuerzahler hatten gerettet werden müssen. Weniger riskant sollten die Geschäfte deshalb werden und die Institute zugleich widerstandsfähiger gegen Krisen. Außerdem wuchs der moralische Druck auf die Institute. Viele einträgliche Geschäfte, die früher ganz normal waren, sind seither verpönt. Durchaus zu Recht.

Denn über Jahre hinweg haben die Banken durch übersteigertes Profitstreben und falsche Anreizsysteme, durch Verantwortungslosigkeit und Boni-Exzesse zuerst ihren Ruf und dann noch fast die Weltwirtschaft ruiniert. Dass sich bei einigen der Beteiligten seitdem auch nicht viel an Einsicht eingestellt hat, beweisen die immer neuen Skandale bei der Deutschen Bank ebenso, wie die von der Wall Street angestoßene Rücknahme des Dodd-Frank-Act, eines amerikanischen Gesetzes, das eigens geschrieben worden war, um einen neuerlichen Kollaps zu verhindern.

Wie groß zugleich die Schwierigkeiten der Institute heute sein müssen, zeigen ihre Aktienkurse: Der Euro Stoxx Banks, ein Index, der die wichtigsten Institute in Europa zusammenfasst, notiert wieder so niedrig wie im März 2009 - und das, obwohl die Börsen beiderseits des Atlantiks immer neue Rekorde markieren und Europa ökonomisch so gut dasteht wie seit einem Jahrzehnt nicht: Zum ersten Mal seit 2007, so nimmt die EU-Kommission an, ist jede der 28 Volkswirtschaften in der Union vergangenes Jahr gewachsen; und so soll es 2017 und 2018 weitergehen.

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