Ryanair-Chef über Brexit "Dümmste Idee der Wirtschaftsgeschichte"

Ryanair-Chef Michael O'Leary.

(Foto: Laurie Diefembacq/AFP)
  • Ryanair-Chef Michael O'Leary hält den Brexit für die "dümmste Idee der Wirtschaftsgeschichte".
  • Hinter der gewohnt markigen Aussage des Managers steckt eine reale Sorge. O'Leary fürchtet ab April nächsten Jahres Stillstand in Teilen des europäischen Luftverkehrs.
Von Markus Balser, Berlin

Ryanair-Chef Michael O'Leary gilt in der Branche schon lange als Unruhestifter. Der 57-jährige Ire mischt seit Jahren mit seiner Billig-Airline die Luftfahrt-Branche auf. Doch was der eingeflogene Konzernchef und milliardenschwere Eigentümer an diesem Mittwoch als Botschaft nach Berlin zur Präsentation des europäischen Sommerflugplans mitgebracht hat, dürfte auch seine Kunden beunruhigen. Denn O'Leary fürchtet ab April nächsten Jahres Stillstand in Teilen des europäischen Luftverkehrs. Jedenfalls dann, wenn Großbritannien mit einem ungeordneten Brexit aus der EU ausscheidet.

Der Brexit sei wirtschaftlich gesehen für die Briten ohnehin "die dümmste Idee der Wirtschaftsgeschichte", sagte O'Leary. Er hoffe noch auf eine Verhandlungslösung mit der EU, aber die Situation spitze sich dramatisch zu. "Es gibt eine reale Gefahr und ein stark wachsendes Risiko dafür, dass der Flugverkehr Ende März 2019 unterbrochen wird. Britische Flugzeuge werden dann nicht in der EU landen können. Und möglicherweise auch keine EU-Flugzeuge in Großbritannien." Dann sei Schluss mit der Freiheit am Himmel. Es sei möglich, dass viele Flugzeuge für einige Wochen am Boden bleiben müssten. "Das wäre sehr schmerzhaft", so O'Leary. Ryanair sei aber ein großes Unternehmen. "Wir können das überleben."

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Hintergrund ist der Luftverkehrs-Binnenmarkt der Europäischen Union. Seit den 1990er Jahren darf etwa eine irische Fluggesellschaft auch Flüge innerhalb Spaniens anbieten - oder eine britische Airline Flüge von Berlin nach Mallorca. Zuvor waren auf Auslandsflügen nur Gesellschaften der jeweiligen Start- und Zielländer zugelassen. Falls es zu einem ungeregelten Brexit kommt, würde Großbritannien am 29. März 2019 aus der EU und dem gemeinsamen Flugmarkt ausscheiden. Britische Fluggesellschaften könnten ihr Recht verlieren, etwa von London nach Berlin oder nach Irland zu fliegen. Auch Flüge innerhalb der EU wären für sie ohne eine Übergangsregelung passé.

Es geht bei den drohenden Turbulenzen aber nicht nur um die Frage bestimmter Flugverbindungen. Entscheidend für Verkehrsrechte von Fluggesellschaften ist nicht nur, wo ein Anbieter seinen Sitz hat, sondern auch, wem er gehört. So müssen EU-Fluglinien zu mehr als 50 Prozent Eigentümern aus der Europäischen Union gehören. Ein Brexit könnte daher auch deutsche Fluggesellschaften treffen. So gehört der Ferienflieger Condor zu 100 Prozent dem britischen Reiseveranstalter Thomas Cook. Und an dem halten britische Aktionäre die Mehrheit. Ryanair bereite sich ebenfalls auf einen harten Brexit vor, sagte O'Leary. Auch sein Unternehmen gehöre zu 54 Prozent Nicht-Europäern, räumte der Konzernchef ein. Man werde aber eine Lösung finden, um auf 49 Prozent zu kommen.

Der Billigfluganbieter Ryanair wird ab April auch von Berlin Tegel aus fliegen. Außerdem nimmt die irische Airline 24 neue Strecken in den Flugplan auf, wie sie am Mittwoch mitteilte. Neue Ziele im Sommerflugplan 2019 sind demnach etwa Kiew, Marrakesch und Bordeaux. Die Airline befördert laut eigenen Angaben von 14 deutschen Flughäfen aus insgesamt 20 Millionen Passagiere pro Jahr. Derweil verschärft sich der Streit mit den Beschäftigten. Gewerkschaften hatten die Schließung des Standorts Bremen und die Verkleinerung des Standorts Weeze als "Kriegserklärung" an streikende Piloten bezeichnet. Laut Ryanair könnten sie jedoch von anderen Standorten fliegen. Im Tarifstreit mit den Gewerkschaften der Piloten und des Kabinenpersonals will O'Leary möglichst rasch zu Abschlüssen kommen. "Wir machen Fortschritte", sagte er. Die Gewerkschaften hatten sich zuletzt sehr skeptisch geäußert. Viele Branchenexperten rechnen in den nächsten Wochen oder Monaten mit weiteren Streiks.

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