Automobilindustrie:Das Ende der Zwölfzylinder

Mariage de Sheila et Ringo 13 fevrier 1973. COLLECTION CHRISTOPHEL LECOEUVRE PHOTOTHEQUE PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY

Die perfekte Kulisse für die gediegene Heirat: Die französische Pop-Sängerin Sheila mit ihrem Zukünftigen Ringo vor einem Rolls Royce im Jahr 1973.

(Foto: imago images)

Rolls Royce ist berühmt für die großen Motoren. Damit soll ab 2030 Schluss sein, stattdessen gibt es dann Luxus-Elektroautos. Und was passiert mit dem typischen Sound?

Von Max Hägler

Sie sind nach Ansicht etlicher sehr vermögender Menschen die Perfektion des Dahingleitens: Autos der Marke Rolls Royce. Innen mit handgenähtem Leder, außen meist schwarz und ziemlich groß. Und insgesamt ziemlich gut, zumindest nach Meinung von Leuten, die Autos bis zum Auseinanderfallen fahren, etwa das legendäre Top Gear-Team der BBC: "Nichts im Leben ist perfekt, aber der Phantom kommt dem schon nahe", lautet ihr Urteil: "Eine dominante, tadellos entwickelte Fahrerfahrung" biete das Topmodell von Rolls-Royce, das mindestens 450 000 Euro kostet. Wobei das nach oben hin offen ist, je nachdem welche Intarsien die Kundschaft noch in das hölzerne Interieur geschnitzt bekommen will. Und vor allem läuft da unter der Haube diese Ingenieurskunst: zwölf Zylinder, in Manufakturarbeit zusammengeschraubt, mit einer brutalen Kraft und einer nahezu perfekten Laufruhe.

Doch nun ändert Rolls Royce genau dieses Wesensmerkmal: "Wir werden ab dem Jahr 2030 keine Zwölfzylinder mehr verkaufen", sagt Torsten Müller-Ötvös, der vom britischen Goodwood aus die BMW-Tochter führt. Ende 2023 kommt ein erstes E-Auto von Rolls Royce, Spectre genannt, wenige Jahre später lässt die Superluxusmarke dann komplett ab von ihren Verbrennern, die lange auch in München gebaut wurden und dort bereits dem neu entstehenden E-Auto-Werk weichen mussten. Woher dieser Schwenk? Die Kunden fragten, aber auch die Gesetzgebung dränge, sagt Müller-Ötvös: Rolls Royce wolle vermeiden, dass die Kunden mit ihren Verbrennern irgendwann ausgesperrt werden aus den Innenstädten oder von den Straßen generell. In der Heimat Großbritannien etwa, in der sich beinahe jeder zehnte Rolls Royce verkauft, gilt ab dem Jahr 2030 ein hartes Verbrennerverbot.

Automobilindustrie: So in etwa wird der elektrische Rolls Royce aussehen, der ab Ende des Jahres 2023 unter dem Modellnamen "Spectre" auf den Markt kommen wird.

So in etwa wird der elektrische Rolls Royce aussehen, der ab Ende des Jahres 2023 unter dem Modellnamen "Spectre" auf den Markt kommen wird.

(Foto: oh)

Damit ist ausgerechnet Rolls Royce entschiedener als die Bayerischen Motoren-Werke, die für ihre üblichen Fahrzeuge noch auf "Technologieoffenheit" setzen und kein Enddatum für Benzin und Diesel angegeben haben - zu unterschiedlich seien die Märkte, um nur auf E zu setzen, so geht das Argument.

Bei der kleinen Luxusschwester ist das anders: Die allermeisten der 5000 pro Jahr gefertigten Autos verkaufen sich in den USA, in China und in Europa, also dort wo es Ladenetze gibt oder bald geben wird. Und, wie Müller-Ötvös sagt: "Viele unserer Kunden, die meist eine Menge Autos in der Garage stehen haben, haben auch schon elektrische Wagen." Man ist Strom also schon gewohnt; so wie ja auch die Herrn Charles Rolls und Henry Royce der Überlieferung zufolge Anfang des 19. Jahrhunderts angetan waren von elektrischen Antrieben. Und Reichweitenangst kennt der gemeine Rolls-Royce-Fahrer nach Meinung des Rolls-Royce-Chefs auch nicht: Modelle wie der Phantom oder der Ghost würden eher zum Pendeln in die Stadt genutzt. "Oder am Wochenende für Ausflüge, um das Leben zu genießen."

Die Qualität der Ausfahrten wird sich übrigens kaum ändern durch den Wechsel der Antriebsart: Schon jetzt überwiegen Fahrtwind und das Abrollgeräusch der Reifen das Brummeln der Zwölfzylinder. Weshalb sie pro Wagen bis zu 100 Kilogramm Dämmstoff verbauen - und dann mitunter doch wieder Sound hinzuschalten, weil es den Kunden zu still wird. Zu perfekt soll es halt auch nicht sein.

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