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Roboter-Hersteller:Er lässt die Roboter aus dem Käfig

Till Reuter beim "Süddeutsche Zeitung Wirtschaftsgipfel" in Berlin, 2015

"Wir haben hier noch richtige Entrepreneure": Kuka-Chef Till Reuter

(Foto: Stephan Rumpf)

Bevor Till Reuter Chef bei Kuka wurde, war der Maschinenbauer aus Augsburg fast am Ende. Nun ist der Erfolg zurück - und ein chinesischer Investor greift nach der Macht.

Wenn Till Reuter über seine Roboter redet, hat man fast den Eindruck, als spreche er über Menschen. Sie könnten schon bald "denken, fühlen und laufen". Und natürlich haben sie auch Namen. Der größte von ihnen heißt Titan: ein orangenes Monster mit einem mehr als drei Meter langen, beweglichen Arm. Geschützt durch einen hohen Zaun, arbeitet er in einer riesigen Halle auf dem Werkshalle von Kuka in Augsburg. Dieser Roboter ist so mächtig, dass er ganz alleine kleinere Roboter produzieren kann: Die eine Maschine gebärt also ganz viele andere Maschinen; die Roboter-Mutter bekommt Kinder.

Till Reuter, seit sieben Jahren Vorstandschef von Kuka, sieht nicht aus wie ein gelernter Maschinenbauer, und der ehemalige Investmentbanker ist auch keiner: Er hat zehn Jahre für Morgan Stanley, die Deutsche Bank und Lehman Brothers gearbeitet, davor als Anwalt in New York, São Paulo und Frankfurt, und empfängt nun im offenen Hemd, auch das Sakko legt er schnell beiseite, als er sich an einen Tisch in der lichtdurchfluteten, von Glaswänden durchzogenen neuen Kuka-Hauptverwaltung setzt. Bloß keine Formalitäten! In seinem ziemlich leeren Büro schräg gegenüber stehen zwei weiße Designersofas und ein stylischer Schreibtisch, Aktenschränke und Papierstapel sucht man vergebens.

Der Endvierziger führt Kuka im Stile eines Start-ups. Und in gewisser Hinsicht ist es inzwischen ja auch eines: Der Maschinenbauer mit seinen 12 000 Mitarbeitern beschäftigt mittlerweile 400 Software-Entwickler, vier Mal so viele wie 2009, und will diese Zahl in den kommenden Jahren noch mal verdoppeln; dazu kommen die klassischen Ingenieure, die man aus dem Maschinenbau kennt: "Wir haben hier noch richtige Entrepreneure", sagt Reuter.

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Die Roboter werden auch sicherer

Besonders stolz ist er auf eine Maschine, die sie bei Kuka ein wenig spröde LBR nennen, eine Abkürzung für Leichtbauroboter. Es ist die kleinste Maschine, die in den Werkshallen an der Augsburger Zugspitzstraße gefertigt wird, in gewisser Hinsicht also das Baby; es ist zugleich auch der modernste Roboter, den Kuka verkauft. Der silberne, nur 80 Zentimeter lange Arm mit seinen insgesamt sieben Gelenken kann sich bewegen wie ein menschlicher Arm; er ist vollgestopft mit Platinen, Kabeln und empfindlichen Sensoren, die erkennen, wenn ein Mensch sich der Maschine nähert und sie berührt.

So etwas konnten Roboter bis vor Kurzem nicht, sie hätten einfach stupide weitergearbeitet - und im schlimmsten Fall den Arm des Arbeiters eingeklemmt. Der LBR dagegen weicht aus oder stoppt seine Bewegung, wenn es für den Menschen daneben gefährlich wird - und er macht weiter, sobald die Gefahr vorbei ist. "Mensch und Maschinen können so nun Hand in Hand arbeiten", sagt Reuter. Das verändere die Arbeit in den Fabriken von Grund auf: "Die Roboter kommen nun raus aus ihren Käfigen." Sie verlassen die umgitterten Schutzbereiche, die bisher viel Raum in den Werkhallen kosteten; den Raum kann man künftig anders nutzen.

Es ist eine in vieler Hinsicht erstaunliche Entwicklung. Denn als Reuter im Jahr 2009 als Vorstandschef nach Augsburg kam, war Kuka quasi am Ende. Das Unternehmen setzte 900 Millionen Euro um, nicht mal ein Drittel des heutigen Umsatzes, der Verlust betrug 75 Millionen Euro. "Wir haben damals die Banken abgeklappert, damit die die Kredite nicht fällig stellen", erinnert sich Reuter. Ein Sanierungsfall also. Doch die Sanierung gelang, Reuter ordnete den Konzern neu, verkaufte manches und kaufte anderes dazu, etwa das Schweizer Unternehmen Swisslog, das Roboter für Krankenhäuser entwickelt.