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Indizes:Chinas Wirtschaft erholt sich - und investiert weiter Milliarden im Ausland

Continental in Chmina

Ein chinesischer Conti-Mitarbeiter in der Reifenproduktion: Die chinesische Wirtschaft ist im März überraschenderweise wieder gewachsen.

(Foto: Ole Spata/dpa)
  • Laut dem offiziellen Einkaufsmanagerindex ist die chinesische Industrie im März erstmals seit neun Monaten wieder gewachsen.
  • Im März brachen Chinas Exporte jedoch um ein Viertel ein und auch Chinas Nachfrage nach Rohstoffen geht zurück. Erst kürzlich hatten die Ratingagenturen S&P und Moody's die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft.
  • Derweil tätigen chinesische Firmen Rekordübernahmen, auch in Europa. 15 Prozent der weltweit getätigten Deals kamen aus China.

Die chinesische Industrie ist im März erstmals seit neun Monaten wieder gewachsen. Der am Freitag veröffentlichte offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) stieg auf einen Wert von 50,2 gegenüber 49,0 im Vormonat. Ein Wert ab 50 signalisiert Wachstum. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einer Verbesserung auf 49,3 gerechnet, nachdem der Februar-Wert der niedrigste seit November 2011 war. Einige Ökonomen sind allerdings der Meinung, dass das Neujahrsfest die Berechnungen verzerrt haben könnte.

Analysten führen das Wachstum im März auf eine Erholung des Immobilienmarktes und verstärkte Aktivitäten in der Baubranche zurück. Das soll die Nachfrage nach Baumaterialien wie Zement, Glas und Stahl erhöht haben. Darüber hinaus zogen zuletzt die Energie- und Rohstoffpreise weltweit wieder leicht an, wovon die in diesem Sektor tätigen Firmen profitierten. Stabil zeigte sich auch der Dienstleistungssektor, dessen Index im März von 52,7 auf 53,8 stieg. Die Branche wird für die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft hinter den USA immer wichtiger.

Ratingagenturen stuften China erst kürzlich herab

Zuvor hatte es in dieser Woche eine Reihe schlechter Nachrichten für Chinas Wirtschaft gegeben: Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) senkte ihr Wachstumsziel für die zweitgrößte Volkswirtschaft um 0,2 Prozent auf 6,5 Prozent für dieses Jahr. Am Donnerstag drohte die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) zudem mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes. Sie habe den Rating-Ausblick für das Land von "stabil" auf "negativ" gesenkt, teilte die Agentur mit. Anfang März hatte bereits die Ratingagentur Moody's den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes gesenkt.

In vielen Ländern geht seit Längerem die Angst um, dass Chinas schwächelnde Wirtschaft weiter auch die Weltwirtschaft bremst. Das Land leidet unter neuer Konkurrenz bei den Exporten. Weil die Löhne durch das jahrelang starke Wachstum immer weiter gestiegen sind, schmelzen auch die Vorteile Chinas bei den Produktionskosten dahin. Zudem kämpft das Land mit hohen Schulden und Überkapazitäten in wichtigen Industriezweigen wie Stahl, Zement und Kohle. Erst kürzlich hatte die Regierung angekündigt, in der Kohle- und Stahlindustrie 1,8 Millionen Beschäftigte zu entlassen.

Die Chinesen auf globaler Einkaufstour

Gleichzeitig haben sich chinesische Unternehmen im ersten Quartal des Jahres 2016 mit so viel Geld an internationalen Firmen beteiligt wie noch nie: Von den 682 Milliarden Dollar, die in diesem Zeitraum in globale Deals geflossen sind, kamen laut einem Bericht der Financial Times 101 Milliarden Dollar von chinesischen Firmen, also rund 15 Prozent.

Auch in Deutschland haben in den vergangenen Jahren vermehrt chinesische Unternehmen deutsche Firmen gekauft oder sich daran beteiligt: So wurde das Münchner Unternehmen Krauss Maffei für 925 Millionen Euro von ChemChina gekauft, der schwäbische Betonpumpenhersteller Putzmeister wurde vom Baumaschinenhersteller Sany übernommen und der Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme, Kiekert, ging an den Pekinger Automobilzulieferer Lingyun.

© SZ.de/Reuters/dpa/vit/jps

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