Bei uns in London:Nichts los in der City

Früher traf man sich im Kollegenkreis gerne auf ein Feierabend-Bier. Gar nicht mehr so einfach, in Home-Office-Zeiten.

Von Alexander Mühlauer

Vor Corona war es in der Londoner City durchaus üblich, sich nach der Arbeit auf ein Bier zu treffen. Man ging damals gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen ins Pub, redete über dies und jenes, meistens jedoch über die Arbeit. Jetzt, da die Pubs in England seit zwei Wochen wieder öffnen dürfen, könnte man sich mal wieder auf ein Pint treffen, zumindest draußen, denn drinnen ist es noch nicht erlaubt. Das Problem ist nur: In der City of London, wo viele Banken und Versicherungen ihre Büros haben, arbeitet kaum noch jemand. Die meisten sitzen in ihren mehr oder weniger gut improvisierten Home-Offices in Shoreditch, Islington oder Richmond. Da kann man sich natürlich auch spontan auf ein Feierabend-Bier treffen, aber eben nur mit jenen Kolleginnen und Kollegen, die dort zufällig wohnen (oder extra dorthin kommen). Das Gemeinschaftsgefühl, zusammen nach der Arbeit vom Büro ins Pub zu gehen, ist so gut wie verschwunden.

Kein Wunder also, dass viele Pubs in der City of London gar nicht erst wieder aufgemacht haben. Während die Menschen in Islington oder Shoreditch draußen sitzen und ein frisch gezapftes Ale oder Lager genießen, sind die meisten Straßenzüge in der City wie leergefegt. Das historische Zentrum Londons gleicht noch immer einer Geisterstadt. Die Frage ist also: Bleibt das so? Und wenn ja, wie lange noch? Nun, es gibt Banken und Anwaltskanzleien, die haben ihren Mitarbeitern bereits mitgeteilt, dass sie auf jeden Fall bis September im Home-Office-Betrieb weiterarbeiten sollen. Für viele Pubs und Restaurants in der City bedeutet das nicht weniger als den finanziellen Ruin. Denn es waren gerade die Banker und Anwälte, die nach getaner Arbeit (oder vor der anstehenden Nachtschicht) auf ein paar Pint vorbeikamen und im besten Fall auch etwas zum Essen bestellten. Im allerbesten Fall ließen sie noch ein gutes Trinkgeld da.

Wie gerne würde so mancher Kollegenkreis sich jetzt dem Home-Office-Dasein zum Trotz auf ein Pint in der City treffen. Aber wie gesagt: Da ist nichts los. Und so bleibt all jenen Kolleginnen und Kollegen, die dem socialising selbst in Zeiten des social distancing nicht abgeneigt sind, sich dort zu treffen, wo die Pubs wieder aufhaben. Eines darf man allerdings nicht vergessen: dringend reservieren. Denn in London ist alles ausgebucht. Also in fast ganz London.

© SZ
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