Pharmaindustrie:Milliardenschwere Scheidung

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Pharmaindustrie: Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat seinen Sitz in Basel.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat seinen Sitz in Basel.

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)

Nach mehr als 20 Jahren kauft der Basler Pharmakonzern Roche das große Aktienpaket zurück, das der Konkurrent Novartis einst erworben hat.

Von Isabel Pfaff, Bern

In der Schweiz ist von einem "Mega-Deal" die Rede: Einer der zwei großen Pharmakonzerne in Basel, Roche, will die Anteile zurückkaufen, die der andere, Novartis, seit mehr als 20 Jahre lang besitzt. Das teilten beide Unternehmen am Donnerstag mit.

Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der Roche-Aktionäre bei einer außerordentlichen Generalversammlung Ende November. Doch so wie es momentan aussieht, endet demnächst eine ungewöhnliche Verflechtung zweier direkter Konkurrenten: Seit 2001 ist Novartis Aktionär von Roche, die Firma hält mehr als 53 Millionen der Inhaber-Aktien, also etwa ein Drittel. Das ist viel - aber letztlich nicht genug, um wirklich strategischen Einfluss zu nehmen. Der Aktionärspool der Roche-Gründerfamilien hält die Mehrheit der Stimmrechte. Die mit Stimmrecht verbundenen Inhaber-Aktien machen übrigens nur gut sechs Prozent des gesamten Roche-Kapitals aus; der große Rest sind nicht stimmberechtigte Genussscheine.

Der spektakuläre Rückkauf, den nach Angaben eines Sprechers Novartis initiierte, ist für beide Unternehmen ein gutes Geschäft. Novartis verkauft die Anteile nun für knapp 18 Milliarden Euro; erworben hatte die Firma das Aktienpaket damals für rund 4,5 Milliarden. In den vergangenen beiden Jahrzehnten, so teilt das Unternehmen mit, habe die Beteiligung mehr als fünf Milliarden Euro an Dividenden abgeworfen. Auch wenn es mit der Fusion beider Unternehmen, die wohl anfangs als Idee hinter der Beteiligung stand, nicht geklappt hat: Rentiert hat sich das Paket allemal. Was das Novartis-Management mit dem Erlös machen will, ist noch unklar. Fest steht, dass das Unternehmen, das 2020 einen Umsatz von 46 Milliarden Euro erzielte, nun über zusätzliche Mittel für Investitionen und Übernahmen verfügt.

Auch für Roche - mit einem Jahresumsatz von mehr als 55 Milliarden Euro der größere Konzern - hat die aus Fremdmitteln finanzierte Transaktion Vorteile. Roche erlange damit "volle strategische Flexibilität", schreibt das Unternehmen in seiner Mitteilung. Weil Roche außerdem vorhat, die zurückgekauften Aktien zu vernichten, wird es sowohl für Aktien- als auch Genussschein-Inhaber zu einer Gewinnsteigerung je Aktie kommen. Und: Die Gründerfamilien erhalten noch mehr Einfluss. Ihr Anteil am stimmberechtigten Kapital erhöht sich durch die Vernichtung von knapp über 50 auf 67,5 Prozent.

An der Schweizer Börse sorgte die Nachricht für keine große Aufregung. Die Roche-Genussscheine stiegen leicht um ein gutes Prozent auf 372,60 Franken je Aktie, ebenso die Inhaber-Aktie um 2,5 Prozent auf 421,60 Franken. Die Novartis-Aktie notierte nach einem Vormittagshoch bei gut 76 Franken, also ungefähr auf Vortagesniveau.

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