Paul McCartney:Geld vom Vegetarier-Veteran

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Paul McCartney: Ein Ex-Beatle als Start-up-Investor: Paul McCartney - als Musiker - im Oktober vergangenen Jahres.

Ein Ex-Beatle als Start-up-Investor: Paul McCartney - als Musiker - im Oktober vergangenen Jahres.

(Foto: David Richard/AP)

Ex-Beatle Paul McCartney investiert in ein Unternehmen, das pflanzliche Alternativen zu Hähnchenfleisch produziert. Eine Überraschung? Von wegen!

Von Thomas Fromm

Das zuckersüße "Piggies" ("Schweinchen"), erschienen 1968 auf dem Weißen Album, gehört nicht unbedingt zu den bekanntesten Songs der Beatles. Aber sicherlich zu den unappetitlichsten.

Fünf Jahre vorher, als es bei der Band noch ganz radikal um die unbeschwerten Alltagsthemen junger Menschen ging ("Please please me", "Love me do", "PS I Love you"), da reichten ein Schlagzeug, ein Bass, zwei Gitarren und ein mehrstimmiger Gesang, um Teenagerhymnen aufzunehmen. Bei "Piggies" nun wurde ein schmeichelndes Cembalo mit rustikalem Schweinegrunzen auf einem für Beatles-Verhältnisse eher barocken Zweiminüter zusammengemixt, während es im Text um die "kleinen Schweinchen" ging. Wie sie "im Dreck wühlen" und beim Abendessen sitzen ("mit ihren Schweine-Ehefrauen"). Und wie sie dann mit Gabel und Messer "ihren Speck" essen. Kannibalismus etwa? Nein, Beatles-Exegeten wussten schon damals, worum es wirklich ging: um Habgier, die fiese Bourgeoisie, das britische Klassensystem, den Vietnam-Krieg und natürlich alles, was man sonst noch so in die Schweinchen hineininterpretieren wollte.

Mitte der 70er-Jahre war Schluss mit Fleisch

Vielleicht aber war es auch schon ein frühes Zeichen. Ein Abgesang sozusagen auf Speck, Schnitzel, Braten und Burger. Nur wenige Jahre später nämlich, es muss um 1975 gewesen sein, beschloss der Ur-Beatle Paul McCartney, sich und seine Familie fortan nur noch vegetarisch zu ernähren. Das ging dann weiter mit der Kampagne "Meatless Monday" ("Fleischloser Montag") und der Botschaft, nach der sechs Tage Fleisch in der Woche doch wohl mehr als genug seien. Es folgten: ein vegetarisches Kochbuch und eine Rede vor dem EU-Parlament zum gleichen Thema.

Nun hat sich der inzwischen 79-jährige Ex-Beatle über seine Londoner Beteiligungsgesellschaft MPL Ventures an der in Singapur beheimateten Fleischersatzfirma Next Gen Foods beteiligt, wie das Start-up am Dienstag mitteilte. Das Unternehmen wurde 2020 von dem aus Deutschland stammenden Timo Recker gegründet, der unter dem Produktnamen "Tindle" einen Hähnchenfleisch-Ersatz auf pflanzlicher Basis anbietet. Nach einer Reihe von Restaurants in Asien startet der Unternehmer nun auf dem amerikanischen Markt mit Filialen unter anderem in Los Angeles und New York. Helfen soll dabei eine aktuelle Finanzierungsrunde, bei der das Start-up jetzt insgesamt 100 Millionen Dollar einstrich - unter anderem auch Mittel aus dem McCartney-Fonds MPL Ventures. Es sei die höchste Summe, die Investoren in einer solchen Finanzierungsrunde jemals in einen Hersteller von Fleischersatz auf pflanzlicher Basis investiert haben, schreibt das Start-up auf seiner Webseite. Immerhin sind die Ziele des Newcomers nicht gerade niedrig gesteckt: Zumindest bei Produkten mit pflanzlichen Hühnchen-Alternativen will man die Nummer eins weltweit werden.

Adresse: Soho Square, London

Und McCartney, der Veteran unter den Vegetariern? Sein Investment-Vehikel mit der Firmenadresse "1 Soho Square, London, W1D 3BQ" ist laut einer offiziellen britischen Webseite am 3. November 2020 gegründet worden. Als Direktor der Firma geführt: James Paul McCartney, geboren im Juni 1942. Bisher, so zeigen Einträge im Internet, hat sich MPL Ventures für Start-ups aus dem Bereich Musik und Audio-Plattformen interessiert. Mit seinem jüngsten Investment in die Food-Tech-Start-up-Szene nun bringt Sir Paul die Dinge - Jahrzehnte nach den "Piggies" - geschäftlich zusammen: Musik und vegetarischen Lebensstil.

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