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Ölkatastrophe: Topjurist verklagt BP:Phantastisches Einkommen lockt

Und jetzt also Deepwater Horizon. Die Ölkatastrophe dürfte ihn emotional berühren, da seine eigene Heimat betroffen ist; es lockt aber auch ein phantastisches Einkommen.

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko - BP kann Ölpest nicht stoppen

"BP, wir wollen unseren Strand zurück" - in Grand Isle, sonst Urlaubsort und Heimat vieler Fischer, sind die Ufer verölt.

(Foto: dpa)

Zunächst einmal herrscht in dem Fall juristisches Chaos, was für Anwälte nicht unbedingt schlecht sein muss. Vor einer Woche veranstaltete die Louisiana State Bar Association, die Anwaltsvereinigung des Bundesstaates, ein Symposium mit über 300 Anwälten. "Es ist ein furchtbares Durcheinander", klagte Becnel auf der Konferenz. Insgesamt 130 Zivilklagen gibt es mittlerweile, darunter von Fischern, Austernfarmern und Restaurantbesitzern.

Ihnen stehen vier Beklagte gegenüber, neben BP der Betreiber der Plattform, Transocean, der Halliburton-Konzern, der für die Fassung des Bohrlochs verantwortlich ist, und Cameron Inc., der Hersteller des Sicherungssystems am Bohrloch. Zu den Klagen von Privatleuten dürfte ein Strafverfahren der Regierung in Washington kommen, dazu Klagen der Bundesstaaten Louisiana, Florida, Alabama, Mississippi und Texas.

Streit um den Verhandlungsort

Zu klären ist zunächst, wo das Verfahren überhaupt stattfinden soll. Becnel will es in den besonders betroffenen Staat Louisiana holen, Anwälte der Beklagten dagegen versuchen, nach Houston in Texas auszuweichen, wo sie einen günstigeren Prozess erwarten. Und dann die entscheidende Frage: Wie viel Schadenersatz ist denkbar? Das Gesetz sieht zwar eine Obergrenze von 75 Millionen Dollar vor, aber BP hat bereits auf die Anwendung dieser Klausel verzichtet.

Nach Meinung von Rechtsexperten ist die Grenze für Zivilklagen ohnehin irrelevant. Der entscheidende Begriff heißt "Punitive Damages" (Straf-Schadenersatz). Das US-Recht erlaubt es, zu Abschreckungszwecken in Zivilverfahren Strafen zu verhängen, die über den Schaden hinausgehen. "Diese Strafen könnten in die Milliarden gehen", sagt David Uhlman, Spezialist für Umweltrecht an der Universität von Michigan.

Exxon als Maßstab

Der Maßstab für den rechtlichen Umgang mit Umweltkatastrophen in Amerika ist bisher der Fall Exxon Valdez. Nach dem Untergang des Öltankers 1989 vor Alaska wurde der Konzern zu fünf Milliarden Dollar Schadenersatz verurteilt; ein Gericht reduzierte die Summe im vergangenen Jahr auf 509 Millionen Dollar.

Doch zu Deepwater Horizon gibt es einen wesentlichen Unterschied: Die Katastrophe vor Alaska hat ein betrunkener Kapitän ausgelöst, jetzt im Golf von Mexiko scheinen Managementfehler die Ursache zu sein.

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