Nord-LB Die Bank stellt die Berichte als völlig normal dar

Während die Bank die Berichte als völlig normal darstellt, halten Experten sie für höchst problematisch - gerade bei einem angeschlagenen Institut wie der Nord-LB. "Revisionsberichte mit Gesamturteil 'mangelhaft' sind absolute Alarmsignale. Die Auswirkungen sind nicht zu unterschätzen", sagt Klaus Fleischer, emeritierter Professor für Bankwirtschaft von der Hochschule München. Die Fehlersuche und Aufarbeitung koste Zeit und Geld und schade der Reputation. "Die Politiker in den Kontrollgremien sowie der Vorstand müssen derartige Mängel dringend abstellen", sagt Fleischer.

Banken und Finanzindustrie Hamburg und Schleswig-Holstein werden ihr "Milliardengrab" los
HSH Nordbank

Hamburg und Schleswig-Holstein werden ihr "Milliardengrab" los

Die marode Landesbank steht kurz vor der Privatisierung. Es ist das glimpfliche Ende eines teuren Abenteuers.   Von Angelika Slavik, Kiel, und Meike Schreiber, Frankfurt

Sein Kollege Bernhard Herz, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Uni Bayreuth, sagt: "Wenn eine Bank gegenüber der EZB erklärt, sie habe wie vereinbart alle Mängel abgearbeitet, und später stellt die interne Revision fest, dass das gar nicht der Fall ist, dann ist das ein Desaster - für die Bank, aber auch für die EZB". Die internen Prozesse müssten einfach funktionieren. Insbesondere ihre Daten müsse eine Bank im Griff haben.

Daran mangelt es bei Nord-LB aber offenbar nicht nur bei den Schiffskrediten. Nach zweimonatiger Prüfung bewertete die Revision Ende Mai 2018 auch den Sanierungsplanung der Bank als "mangelhaft". Diese Planung aber ist wichtig, weil sie Banken auf plötzliche Krisen vorbereiten soll. Dazu müssen die Institute seit einigen Jahren ihre eigene Sanierung durchrechnen und die Ergebnisse bei der Aufsicht einreichen und aufzeigen, woher sie im Notfall frisches Kapital bekommen könnten.

Ausgerechnet die ohnehin kriselnde Nord-LB aber, so der Schluss der Prüfer, würde im Ernstfall womöglich zu spät reagieren. "Bei mehreren Indikatoren des Sanierungsplans sehen wir hohe Gesamtbankrisiken darin, dass Impulse zu spät gegeben werden und die Reaktionszeit nicht ausreichen könnte", heißt es. So hätte beispielsweise bereits ein Anstieg der faulen Kredite in Richtung der Frühwarnschwellen "diametral zu der öffentlich kommunizierten Abbaustrategie das Risiko deutlich negativer Effekte."

Keine Spur von "Krisenmodus"

Die Nord-LB will in den Berichten dennoch nichts Ungewöhnliches sehen. Sie teilt mit, die Revision sei "durch den Vorstand dazu angehalten, besonders intensiv, umfassend und streng zu prüfen", um die internen Prozesse in allen Bereichen der Bank zu optimieren und sicher zu gestalten: "Kritische Befunde sind eine logische Konsequenz aus dieser Haltung." Sie würden zum Anlass genommen, entdeckte Schwachstellen konsequent und schnell zu beheben. Die vorliegenden Beispiele seien zudem nicht repräsentativ für die Gesamtheit der Befunde, in allen Fällen seien die Risiken angegangen worden. Die Bankenaufsicht werde ebenfalls mittels einem von ihr selbst festgelegtes Verfahren über Revisionsprüfungen und deren Konsequenzen informiert. Dem Vernehmen nach gilt dies insbesondere für kritische Berichte. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin, die EZB-Bankenaufsicht und KPMG als Wirtschaftsprüfer der Nord-LB lehnten jeden Kommentar zu den Berichten ab.

Es mag sein, dass die interne Revision immer besonders hart urteilt, so wie es die Nord-LB verlauten lässt. Es fällt allerdings auf, dass die Erkenntnisse der internen Kontrolleure denen der Aufsicht ähneln. Auch die EZB hat einem der Berichte zufolge bereits den Sanierungsplan der Niedersachsen kritisiert. Die dort adressierten Mängel deckten sich in großen Teilen mit den Feststellungen der Revisoren. So ist beispielsweise von "stark mängelbehafteter und unzureichender Methodik und Kalibrierung der Frühwarn- und Sanierungsschwellen" die Rede.

Aus dem Finanzministerium in Hannover - dem Haus von Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers also - heißt es zu der Angelegenheit übrigens, dass einzelne Prüfungsberichte dort gar nicht vorlägen. Man verfüge nur über Zusammenfassungen und die zeigten, dass die Innenrevision ihre Aufgabe erfülle, indem sie "Risiken benennt und den Vorstand beziehungsweise die verantwortlichen Bereichsleiter zum Handeln auffordert". Auch sehe man keine Anhaltspunkte dafür, dass Feststellungen nicht mit der notwendigen Sorgfalt aufgegriffen und die nötigen Maßnahmen eingeleitet wurden. Soll heißen: keine Spur von "Krisenmodus". Jedenfalls nicht an der Spitze der Bank.

Geldanlage und Finanzen Größte deutsche Sparkasse führt Strafzins ein

Geldanlage

Größte deutsche Sparkasse führt Strafzins ein

Die Hamburger Sparkasse verlangt künftig Negativzinsen von wohlhabenden Privatkunden. Dass die Entwicklung die Hansestadt erreicht, ist kein Zufall.   Von Harald Freiberger