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Nahaufnahme:Die Mütter-Helferin

Sandra Westermann

(Foto: pr)

Sandra Westermann ist Mutter und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, Kind und Beruf zu vereinbaren. Deshalb hat die heute 39-Jährige ein Unternehmen gegründet, das Eltern familienfreundliche Jobs vermittelt.

Bis zu der Geburt ihrer Tochter hatte Sandra Westermann eine gut laufende Karriere. "Ich habe mir nie groß Gedanken darüber gemacht, dass eine Mutterschaft daran so rütteln kann", sagt die 39-Jährige. Sie hat beim Fernsehen gearbeitet, war als Produktionsleiterin für Budgets und Organisation rund um Dreharbeiten zuständig, zum Beispiel von "Einsatz in vier Wänden" oder "Nur die Liebe zählt". Sie hatte immer Aufträge. Doch dann wurde sie schwanger.

Obwohl das laut Gesetz eigentlich nicht geht, kündigte ihr Arbeitgeber ihr in der Elternzeit. "Es lag wirklich nicht an meinen Kompetenzen", sagt sie. Erst versuchte sie es mit rechtlichen Schritten, doch dann merkte sie, dass sie bei einem Arbeitgeber, der sie nicht haben will, auch selbst nicht mehr arbeiten möchte. Also machte sie sich auf die Suche nach einem neuen Job und fand einen befristeten, der sie flexibel arbeiten ließ. Das Projekt musste fertig werden, wann und wo sie daran arbeitete, war egal. "Das war die perfekte Lösung für mich, mit einem kleinen Kind", sagt sie. "Also wollte ich wieder so etwas finden."

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Sie suchte im Internet nach familienfreundlichen Firmen und fand auch ein paar, aber keinen Überblick und keine Jobbörse, die sie gezielt nach solchen Arbeitgebern suchen ließ. "Ich war sehr überrascht, dass es so eine Jobbörse noch nicht gab", sagt sie. Also machte sie es selbst. Im Februar dieses Jahres ist aus der Idee ein Start-up geworden. Westermann hat es Superheldin getauft und Geld bei Familie und Freunden eingesammelt. Inzwischen hat sie drei freie Mitarbeiter und einen Platz in einem Coworking Space in München. "Es ist ein tolles Gefühl, dass andere Menschen an meiner Idee arbeiten", sagt sie. "Vor allem, weil es eine Geschäftsidee ist, die wirklich markttauglich zu sein scheint."

Sie mochte Gründungen schon immer. Ihr erstes Start-up, das sie mit Mitte 20 gegründet hatte, ein Laptoptaschen-Label, gibt es immer noch. Auch die Idee von Superheldin funktioniert, das merkt sie am positiven Feedback. Unternehmen schalten bereits Anzeigen auf ihrer Website. Westermann überprüft, ob sie wirklich familienfreundlich sind, lässt sie Fragebögen ausfüllen und sammelt Zitate von Mitarbeiterinnen ein. Sie hat noch keine Enttäuschungen erlebt. "Wer bei uns inserieren will, weiß ja, was er bieten muss und warum er da ist." Und sie bekommt ständig E-Mails von arbeitssuchenden Müttern, die ihre Situation schildern - vielen geht es genau so wie ihr bei der Rückkehr aus der Elternzeit. Bei Facebook hat Superheldin 3200 Abonnenten. Ein Fünftel sind Männer, was Westermann selbst überrascht. "Vor ein paar Jahren hätte so eine Jobbörse wahrscheinlich nicht funktioniert, aber die Gesellschaft hat sich geändert", sagt sie. "Jetzt gibt es den Fachkräftemangel, und Unternehmen wissen Eltern und ihre Effizienz mehr zu schätzen."

Unternehmensgründungen sind oft Vollzeitjobs, die sich mit Familie schwer vereinbaren lassen. Aber Westermann bekommt es gut unter einen Hut, sagt sie. "Jeder, mit dem ich zu tun habe, weiß ja, dass ich ein Kind habe. Wenn man mal erst zwei Stunden später auf eine E-Mail antwortet, ist das auch okay." Es bleibt immer noch genug Zeit, um ihre Tochter vom Kindergarten abzuholen und dienstags zum Tanzen zu gehen. Oft arbeitet sie abends noch, wenn die Dreijährige schon schläft. Das Leben als Gründerin gefällt ihr gut, auch wenn sie in der emotionalen Start-up-Achterbahn steckt. Manche Tage sind voller Hochs, dann folgt ein Rückschlag und die Gefühle gehen auf Talfahrt. "Ich schlafe auch schlecht deswegen." Doch es macht Spaß. "Und es gibt mir eine Bestätigung, die man nur durch den Job bekommt", sagt sie. "Das hat mir gefehlt. Ich will schließlich nicht nur als Mutter wahrgenommen werden."