Tesla:Ein Viertel von Musks Vermögen in Gefahr

Tesla-Chef Elon Musk

Elon Musk könnte ein historisches Aktienpaket verlieren.

(Foto: GONZALO FUENTES/REUTERS)

Ein Aktionär hatte vor Gericht geklagt, der Tesla-Chef habe Aktionäre getäuscht. Die Richterin gab dem Kläger nun recht.

Von Titus Blome

Elon Musk ist womöglich nicht mehr der reichste Mann der Welt. Im Jahr 2018 hatte der Tesla-Verwaltungsrat Firmenchef Musk ein historisch einmaliges Aktienpaket im Wert von rund 51 Milliarden Euro geschnürt. Eine Richterin im US-Staat Delaware urteilte am Dienstagabend, dass diese "unfassbare Summe" nicht gerechtfertigt gewesen sei.

Musk hat die Möglichkeit, Berufung einzulegen, hat sich jedoch noch nicht dazu geäußert, ob er das auch tun wird. Stattdessen ärgerte er sich Minuten nach dem Urteil öffentlich auf seiner Plattform X, ehedem Twitter: "Registriere niemals dein Unternehmen im Bundesstaat Delaware." Der Multimilliardär würde ohne das Aktienpaket auf der Liste der reichsten Menschen auf einen bescheidenen dritten Platz rutschen, hinter Amazon-Gründer Bezos und Luxus-Magnat Bernard Arnault.

Das Aktienpaket wurde 2018 an ambitionierte Mindestwerte für den Börsenpreis von Tesla gekoppelt, die das Unternehmen seitdem alle erreicht hat. Es war zwar von Tesla-Aktionären genehmigt worden, einer von ihnen, Richard Tornetta, hatte jedoch im Nachhinein geklagt: Musk und der Verwaltungsrat habe sie nicht ausreichend über das Paket und den Verhandlungsprozess informiert. Richterin Kathaleen McCormick gab dieser Klage nun recht. Tornetta soll mit Musks Anwaltsteam zusammenarbeiten und für die Implementierung der Entscheidung sorgen.

In ihrem 200-Seiten-Urteil warf die Richterin die Frage auf, ob es überhaupt Verhandlungen über die Größe des Pakets gegeben habe. Der verantwortliche Tesla-Verwaltungsrat ist den Aktionären verpflichtet. Aber er ist bestückt mit Menschen, die Musk nahestehen, unter anderen der Firmenchef selbst, sein Bruder Kimbal, der ehemalige 21stCentury Fox-Chef James Murdoch, mit dem Musk sogar in den Urlaub flog; dazu Brad Buss und Ira Ehrenpreis, die beide enge Geschäftsbeziehungen mit Musk pflegen. Der Rat sei womöglich "verblendet von Musks Star-Appeal" gewesen, schreibt McCormick, und habe daher nie die "55,8-Milliarden-Dollar-Frage gestellt: War das Paket notwendig, damit Tesla Musk halten und seine Ziele erreichen kann?"

Während des Prozesses hatte Tesla argumentiert, die Regelung sei nötig gewesen, damit Musk sich voll und ganz dem Autobauer widme. Denn er steht gleich mehreren Unternehmen vor. Musk hatte im November 2022 zudem erklärt, er benötige das Geld, um aus der Menschheit eine "multiplanetare Spezies" zu machen. In der Vergangenheit hatte er behauptet, sein Raketen-Unternehmen SpaceX würde noch im Jahr 2022 einen ersten unbemannten Flug zum Mars starten. Die erste bemannte Reise zum roten Planeten sollte dann 2024 folgen. Die Pläne wurden nach hinten verschoben. Richterin McCormick entgegnet in ihrem Urteil, dass Mars nichts mit Tesla und dessen Aktionären zu tun habe. Musks Aufmerksamkeit sei zwar wichtig für das Unternehmen gewesen, rechtfertige jedoch keine so hohe Summe.

Es ist nicht der erste Rückschlag, den Musk vor Gericht in Delaware hinnehmen muss. Der Bundesstaat ist ein Steuerparadies, Cormicks Gericht ist für Streitfälle zuständig, die die vielen dort sitzenden Unternehmen betreffen. 2022 hatte Musk sein Kaufangebot für den Kurznachrichtendienst Twitter (heute X) zurückziehen wollen und war daraufhin von dem Unternehmen verklagt worden. Letztlich kapitulierte er und zahlte rund 41 Milliarden Euro für die Plattform, die seitdem laut seiner eigenen Aussage 55 Prozent ihres Werts eingebüßt hat.

Um die Übernahme von Twitter zu finanzieren, hatte er einen Teil der Tesla-Aktien verkaufen müssen. Die übrigen Aktien machen einen Großteil seines Vermögens aus, welches das Wirtschaftsportal Bloomberg am Dienstag noch auf 205 Milliarden Dollar schätzte.

Noch während das Urteil aus Delaware erwartet wurde, hatte er Mitte Januar den Tesla-Verwaltungsrat öffentlich dazu gedrängt, ihm mehr Kontrolle über die Firma und weitere Anteile im Wert von rund 76 Milliarden Euro zuzugestehen. Nach dem Urteil stieß Musk auf X eine öffentliche - und nicht-repräsentative - Abstimmung an, ob er den Tesla-Unternehmenssitz von Delaware nach Texas verlegen sollte und postete einen älteren Artikel des Wall Street Journal, dass Delaware Unternehmer vergraule.

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