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Meinung am Mittag: Telekom:Deutschlands Mobilfunk ist und bleibt ein Trauerspiel

Bundesnetzagentur versteigert Funkfrequenzen

Auf schnelle Hilfe sollten die Abgehängten nicht hoffen: Erst in den kommenden Monaten will der Bund eine Infrastrukturgesellschaft gründen.

(Foto: dpa)

Ein Drittel des Landes wartet vergeblich auf schnelle Handynetze. Nun soll eine Milliarde Euro fließen - doch Geld alleine wird nicht reichen.

Abgebrochene Gespräche, minutenlange Ladezeiten für eine Webseite, Bildermatsch statt Videotelefonie: Was sich bei einer der wichtigsten Alltagstechnologien in Deutschland abspielt, ist ein Trauerspiel für ein Land, das den Anspruch hat, bei der Digitalisierung Technologieführer zu sein. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Hessen, Bayern und auch mitten in Berlin jedoch warten Millionen Menschen vergeblich auf schnelle Handynetze. An einem Drittel des Landes sendet der Fortschritt vorbei.

Dabei war das Ziel der Bundesregierung eigentlich klar formuliert. Das Land müsse bei digitalen Netzen ganz vorn dabei sein, erklärte die Kanzlerin zum Start der großen Koalition. Verbesserungen bei den digitalen Netzen seien zentral für den Wohlstand des Landes. Doch bewegt hat sich bislang nichts. Das Angebot für hiesige Verbraucher ist trotz hoher Preise beschämend schlecht.

Selbst in Albanien ist die Netzabdeckung höher

Warum ist das so? Auch die Telekomfirmen tun sich mit Erklärungen schwer. Denn in Skandinavien etwa lässt sich auch auf dem Land mit Leichtigkeit surfen, und auch in Albanien ist die Netzabdeckung höher. Deutschland landet bei der Netzqualität bestenfalls im europäischen Mittelfeld.

Nun will es der Staat richten: Gut eine Milliarde Euro stellt die Regierung zur Verfügung, um Masten in Eigenregie aufzustellen. Doch Geld alleine wird nicht reichen. Die Regierung beschloss am Sonntag bei ihrer Klausur in Meseberg zwar, auch eigene Liegenschaften stärker für den Aufbau von Masten zu nutzen, Genehmigungsprozesse zu beschleunigen und mehr Akzeptanz für den Aufbau weiterer Masten zu schaffen. Doch auf schnelle Hilfe sollten die Abgehängten nicht hoffen. Erst in den kommenden Monaten will der Bund eine Infrastrukturgesellschaft gründen. Bis sie arbeitsfähig ist, wird es dauern. Das Land bleibt beim Mobilfunk wohl noch einige Jahre auf der Suche nach Anschluss.

© SZ.de/vit
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