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Millionenverluste: Sepp Blatter in Not:Fiasko für die Fifa

Die Image-Politur ist misslungen: Ausgerechnet der machtbewusste Fußballweltverband verbucht Millionenverluste. Sein Merchandising-Partner "Global Brands" ist pleite. Statt der Erfüllung hochtrabender Pläne versickerten Lizenzgelder im Nirgendwo.

Es gibt wohl kaum einen einflussreichen Menschen, der einen so miserablen Ruf hat wie er. Seit zwölf Jahren steht Joseph ("Sepp") Blatter, 74, an der Spitze des Weltfußballverbands Fifa, und die Liste an Vorwürfen, die er sich hat anhören müssen, ist kaum zu überblicken.

FIFA President Sepp Blatter speaks during a news conference in Doha

Die Liste der Vorwürfe gegen Sepp Blatter ist kaum zu überblicken. Es ging um Korruption und Bestechungs-Gerüchte, doch nachgewiesen wurde dem Fifa-Chef nie etwas.

(Foto: REUTERS)

Es ging beispielsweise um Korruption und Gerüchte, bei Fifa-Wahlen seien einzelnen Delegierten enorme Summen geboten worden, was am Ende jedoch nie bewiesen wurde. Vor einigen Wochen schließlich sorgte die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar für Ärger: Ein islamischer Wüstenstaat, kaum halb so groß wie Hessen, soll das Millionenspektakel ausrichten. Verbandspatron Blatter riet Homosexuellen, sie mögen doch einfach während der Veranstaltung "auf sexuelle Handlungen verzichten" - in Katar müssen Schwule mit Verfolgung und Bestrafung rechnen.

Doch was der machtbewusste Schweizer nun eingestehen muss, gefährdet seinen Verband ungleich mehr als alle bisherigen Negativ-Stories. Der jüngste Eklat zielt auf die Geschäftsgrundlage, auf die großartigen Träume, dass sich mit Fußball unter Blatters Regie global viel Geld verdienen lasse. Kleinlaut muss die Fifa eingestehen, dass ihre ehrgeizige Vermarktung gescheitert ist, dass zweistellige Millionenverluste folgen und eine peinliche Aufbereitung vor Gericht ansteht.

Hohe Erwartungen an WM in Südafrika

Blattschuss für Blatter: Die Global Brands Group aus Singapur, sein auserwählter Partner in Sachen Merchandising, ist pleite. Im Jahr 2004 hatte sein Verband beschlossen, das gesamte Lizenzgeschäft zu zentralisieren und der Firma aus Fernost das exklusive Recht zu geben, Lizenzen zu erteilen. Nun aber stellt sich heraus: Ein großer Teil der Einnahmen, die dem Weltfußballverband zustehen würden, dürfte in undurchsichtigen Kanälen versickert sein.

"Es stimmt, dass die Fifa einen wesentlicher Teil der Lizenzeinnahmen für die Weltmeisterschaft nicht erhalten hat", sagt ein Fifa-Sprecher auf Anfrage zur Süddeutschen Zeitung. Dabei hatten sich die Fußball-Strategen kommerziell so viel von der WM in Südafrika erwartet. Das Maskottchen, der Leopard Zakumi, hatte für Stimmung gesorgt, und Franz Beckenbauer hatte geschwärmt, mit den WM-Produkten könnten die Fans "ihre Leidenschaft und Begeisterung so richtig ausleben". Nun gilt es bei der Fifa als unwahrscheinlich, dass aus den Erlösen für die WM 2010 überhaupt etwas an den Verband fließt. Auch der Liquidator, der sich um die Reste von Global Brands kümmert, kann wenig helfen.

Bei der WM 2006 in Deutschland hatte die Fifa noch etwa 33 Millionen Euro für Lizenzen erlöst. Nun aber wird die Insolvenz der Global Brands Group zum Fifa-Fiasko. Die Schweizer Handelszeitung berichtet von mindestens einer Klage, die gegen das Unternehmen und das Management eingereicht worden sei. Von Veruntreuung, Misswirtschaft und Dokumentenfälschung ist die Rede. Hat sich die Fifa mit halbseidenen Managern eingelassen? Die Beschuldigten waren für die SZ nicht erreichbar.

Der Weltverband wollte zur Weltmarke werden

Unabhängig von dem finanziellen Schaden stellt der Reinfall das gesamte Vermarktungskonzept der Fifa in Frage. Mit Hilfe von Global Brands wollte der Weltverband der Kicker schließlich zur Weltmarke werden. Vom "Streetwear- und Lifestyle-Bereich", den man erobern wolle, war die Rede, von der Modemarke Fifa, so hip und cool wie Nike, Puma oder Adidas. Das Image eines schnöden, geldgierigen Bürokraten-Vereins mit einem zwielichtigen Chef sollte endgültig passé sein.

Und so entwarfen Top-Designer eine eigene Kollektion für die Fifa. Global Brands eröffnete Shops auf der ganzen Welt. Shanghai, Singapur, Indien - alles schien Fifa-Land zu sein. Hunderte Filialen wurden hochgezogen, sogar bei US-Ladenkette Wal-Mart mieteten sich die Vermarkter ein, obwohl die Amerikaner für Fußball bekannt schwer zu begeistern sind. Egal, der Globus war in den Fantasien der Verbandsgewaltigen so etwas wie ein Fußball. "Mach mit, trag mit", lautete das Motto.

Doch Global Brands hatte sich übernommen. Die Erträge hielten mit den Investitionen nicht mit, Schulden türmten sich auf. Bis Ende 2008 hatte sich mehr als 100 Millionen Dollar Verlust angehäuft, berichtet die Handelszeitung. Nur ein Kredit des Hedgefonds Perry Capital hielt die Krisenfirma noch einige Zeit am Leben. Dann musste Firmenpräsident Gary Schoenfeld, einst Chef der Schuhmarke Vans, aufgeben. Er ist einer von vier Gesellschaftern.

Bis vor kurzem ahnungslos

Von alldem hatte die Fifa laut eigener Aussage bis vor kurzem nicht mal eine Ahnung. Man bedaure die Pleite, erklärt ein Sprecher. Dennoch fällt auf, dass auch ein anderes Unternehmen die ambitionierten Geschäfte mit der Fifa nicht überlebt hat. 2006 produzierte der fränkische Stofftierhersteller Nici im Auftrag der Fifa das WM-Maskottchen "Goleo". Die Lizenzgebühren, die das Unternehmen dafür bezahlte, waren üppig - die Verkaufszahlen aber nicht.

Für Sepp Blatter ist die Global-Brands-Pleite eine persönliche Niederlage. Er hatte einst, beim Start der Kooperation, von "großartigen Möglichkeiten" geschwärmt und von der Erfahrung des Partners. Nun muss die Fifa für die Frauen-Fußball-WM 2011 in Deutschland erst einmal eigenhändig die Lizenzen vermarkten. Eine der jüngeren Erkenntnisse des Top-Funktionärs Blatter gilt nach dem jüngsten Flop erst recht: "Jetzt müssen wir das Image wieder aufbessern."