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Michael Kopatz über Nachhaltigkeit:Ökologischer Ratgeber

Michael Kopatz

Michael Kopatz.

(Foto: Bernd Henkel/OH)

Das Klima schützen, das kann jeder und ist gar nicht so schwierig, findet der Umwelt­for­scher Michael Kopatz und wirbt bei seinen Mitmenschen für mehr Nachhaltigkeit.

Von Silvia Liebrich

Michael Kopatz versucht, positiv zu denken. Muss er auch, denn sein Vorhaben ist nichts für Mutlose. Schließlich will er Menschen und Unternehmen davon überzeugen, umweltbewusster zu leben und zu wirtschaften. Ökologisches Handeln zur Routine machen, das ist sein Anliegen. "Ich will Dinge verändern", sagt der 47-Jährige. Nicht leicht sei das in Zeiten, in denen die Leute lieber ihre alten Dieselautos weiterfahren wollten und tausend Ausreden parat hätten, warum sich nichts an ihrem klimaschädlichen Lebensstil ändern lässt. Dabei geht es auch anders - und das sei gar nicht so schwer. "Es gibt genügend positive Beispiele. Dass wir heute fast 40 Prozent erneuerbare Energie haben, das hätten selbst Optimisten vor ein paar Jahren für unmöglich gehalten", sagt er.

Seine Mission ist für Kopatz zugleich auch Beruf. Der Umweltwissenschaftler ist Dozent und Projektleiter am Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie und lehrt an den Universitäten in Kassel und Lüneburg. Und er lässt auch sonst keine Gelegenheit aus, für seine Sache zu werben. Er macht, was viele seiner Forscherkollegen scheuen: Er spricht mit allen, die bereit sind zuzuhören, egal ob es nun Schüler, Studenten, Besucher seiner Vorträge oder Mitarbeiter von Firmen sind.

Zum Gespräch erscheint er im typischen Managerlook: dunkler Anzug mit weißem Hemd und blauer Krawatte, alles sitzt perfekt. Er komme gerade von einem Termin bei der Industrie- und Handelskammer in München, sagt er fast entschuldigend. Viele Unternehmen hätten mittlerweile ein großes Interesse an Themen wie Klimaschutz und Energiesparen. "Gelingt es mir, eine Firma dafür zu begeistern, ist das ein großer Schritt. Geschäftsführer sind wichtige Multiplikatoren."

Viele Menschen haben seiner Erfahrung nach ein großes Ohnmachtsgefühl. "Sie wissen genau, dass sie ihr Leben ändern müssen, um den Klimawandel aufzuhalten. Sie wissen aber nicht so richtig, wie das gehen soll." Ihm sei auch klar, dass die meisten Menschen mit Schlagwörtern wie Transformation, Postwachstumsgesellschaft oder Nullwachstum nichts anfangen können. Selbst bei bekannteren Begriffen wie ökologischer Landwirtschaft hätten die wenigsten ein Bild vor Augen. "Wenn ich aber sage, wir müssen Biobier zum Standard machen, versteht fast jeder, was ich damit sagen will."

Kopatz hat viele solcher Beispiele in seinem Buch "Ökoroutine" zusammengefasst, er will Verbrauchern damit einen Leitfaden an die Hand geben, wie sie selbständig ihren Alltag verändern und es besser machen können. Etwa wie man ohne großen Aufwand den Abfall im Haushalt reduziert, bewusster Kleidung kauft, Netzwerke nutzt, etwa zum Teilen und Reparieren von Gebrauchsgegenständen. Oft seien es die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen, sagt Kopatz. "Billigwürstchen auf einen 800-Euro-Grill legen, das ist nicht nachhaltig. Aber wir sind sehr gut darin, mit solchen Widersprüchen zu leben." Dagegen helfe nur, sich selbst zu erziehen, das eigene Handeln systematisch zu hinterfragen.

Wie mühsam es ist, den Wandel in der Gesellschaft auch auf politischer Ebene voranzutreiben, weiß er aus eigener Erfahrung. Kopatz sitzt für die Grünen im Stadtrat von Osnabrück und ist dort im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Sein Anspruch an sich selbst lautet, nicht nur fordern, sondern selbst etwas tun. Dass es nur sehr langsam vorangehe, das müsse er aushalten. Doch was treibt Kopatz zu diesem Engagement an? Er will, dass es auch den Nachkommenden gut geht. "Ich will mir später von Kindern und Enkeln nicht vorhalten lassen, dass ich nichts getan hätte, um den Klimawandel aufzuhalten."

© SZ vom 01.08.2018
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