Krieg in der Ukraine:Russen suchen neuen Namen für McDonald's

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Krieg in der Ukraine: Eine McDonald's-Filiale in Moskau in der Nähe des Kreml: Sie wird es in dieser Form nicht mehr lange geben.

Eine McDonald's-Filiale in Moskau in der Nähe des Kreml: Sie wird es in dieser Form nicht mehr lange geben.

(Foto: AFP)

Die Burger-Kette verlässt das Land und gibt ihre 850 Filialen ab. Das Logo - die bekannten Golden Arches - wird verschwinden. Dafür könnte es einen neuen Burger-Oligarchen geben.

Von Caspar Busse

Die Sowjetunion existierte noch, damals im kalten Winter 1990, als der Westen in Moskau endgültig ankam. Am 31. Januar 1990 eröffnete die weltweit größte Burger-Kette McDonald's ihre erste Filiale in Russland, und zwar nicht irgendwo, sondern am zentralen Moskauer Puschkin-Platz. Es war so etwas wie eine gastronomische und kulturelle Zäsur in der Sowjetunion. Denn die Schnellrestaurants aus Amerika galten fortan nicht mehr als dekadent, sondern wurden zur Attraktion. Etwa 25 000 Menschen aßen dort an jenem ersten Tag, das Restaurant schloss erst um Mitternacht, zwei Stunden später als geplant. Bis zu zwei Stunden musste man anstehen für einen Big Mac.

So wie die Expansion der Burger-Kette damals ein Zeichen für Wandel und Aufbruch gewesen war, so ist die jüngste Entscheidung ein Signal für die weitere Isolierung Russlands in der Welt. Denn jetzt ist das Kapitel McDonald's in Russland zu Ende. Bereits im März hatte der amerikanische Konzern wegen des brutalen Überfalls Russlands auf die Ukraine seine rund 850 Filialen im Land bis auf Weiteres geschlossen. Jetzt verkündete McDonald's, dass das Geschäft an den dortigen Lizenzpartner Alexander Gowor verkauft werde. Eine entsprechende Vereinbarung gab der Konzern in Chicago bekannt. Gowor ist demnach schon seit 2015 Lizenzpartner und betrieb bereits 25 Filialen in Sibirien. Jetzt soll er landesweit auch die übrigen Restaurants übernehmen und weiterbetreiben, aber ohne die Amerikaner.

Mehr als 60 000 Menschen arbeiten in Russland für die Kette

Gowor, der künftig also eine Art Burger-Oligarch werden könnte, soll das Filialnetz inklusive der mehr als 60 000 Mitarbeiter übernehmen, das Fast-Food-Geschäft wird er künftig jedoch unter einer neuen Marke betreiben müssen. Die Golden Arches, die weltweit berühmten Bögen, die das M auf rotem Grund stilisieren, werden in Russland nun also verschwinden. Unter diesem Namen dürfen die Restaurants nicht weitergeführt werden. Wie die Kette künftig heißen soll, ist offen. Offenbar hat das russische Handelsministerium einen öffentlichen Aufruf zur Namensfindung gestartet. Der Journalist Kevin Rothrock schreibt bei Twitter, es seien Namen wie Rosburger oder RusDonald's im Gespräch.

Krieg in der Ukraine: Lange Schlange: Am 31. Januar 1990 eröffnete die erste McDonald's-Filiale in der damaligen Sowjetunion.

Lange Schlange: Am 31. Januar 1990 eröffnete die erste McDonald's-Filiale in der damaligen Sowjetunion.

(Foto: Vitaly Armand/AFP)

Der Rückzug aus Russland ist für McDonald's aber auch eine Art Enteignung. Finanzielle Details des Deals mit Alexander Gowor nannten die Amerikaner zunächst nicht. Der Druck auf die Kette war aber groß. Für den Rückzug aus Russland wird McDonald's nach eigenen Angaben nun Sonderkosten in Höhe von 1,2 bis 1,4 Milliarden Dollar verbuchen müssen. "Unsere Werte bedeuten, dass wir das sinnlose menschliche Leid, das in der Ukraine geschieht, nicht ignorieren können", hatte Konzernchef Chris Kempczinski bereits im März mitgeteilt.

McDonald's ist ein besonders eklatanter Fall, aber bei Weitem nicht der einzige. Auch fast alle anderen westlichen Konzerne haben ihren Rückzug aus Russland bekannt gegeben und müssen ihre Anlagen loswerden. Erst vergangene Woche hatte Siemens mitgeteilt, dass man sich nach 170 Jahren vollständig aus Russland zurückziehe. Alle Geschäfte würden geordnet abgewickelt. Auch der Gasekonzern Linde, der erst Ende vergangenen Jahres noch einen Sechs-Milliarden-Auftrag des russischen Gaskonzerns Gazprom erhalten hatte, arbeitet an einem Abschied.

Renault musste verkaufen - für den symbolischen Preis von einem Rubel

Ähnlich wie McDonald's hat am vergangenen Montag Renault Konsequenzen gezogen. Der französische Autohersteller war bislang besonders stark in Russland aktiv. Nun haben die Franzosen den Mehrheitsanteil an dem russischen Lada-Hersteller Awtowas verkauft. Die Beteiligung von 67,7 Prozent gehe an das russische Forschungsinstitut Nami, teilte Renault mit. Nami steht für Zentralinstitut zur Entwicklung von Automobilen und Motoren. Das russische Handelsministerium hatte den Deal bereits im April angekündigt und einen symbolischen Preis von einem Rubel als Kaufpreis genannt.

Auch das ist ein besonders schlechtes Geschäft für Renault. Für den Abschied aus Russland werden Sonderabschreibungen in Höhe von fast 2,2 Milliarden Euro fällig, mehr also als bei McDonald's. Konzernchef Luca de Meo sprach von "einer schwierigen, aber notwendigen Entscheidung". Immerhin hat sich Renault eine Rückkaufoption für den Anteil über sechs Jahre gesichert. Ob es je dazu kommt, und wenn ja, zu welchen Preis, ist völlig offen.

Unklar ist, ob auch McDonald's eine solche Vereinbarung hat. Die Kette wurde 1954 von Ray Kroc in Kalifornien gegründet und begann dann einen Siegeszug rund um die Welt. Wie nur wenige andere US-Konzerne steht McDonald's für Amerika. Mittlerweile gibt es 36 000 Restaurants in mehr als 100 Ländern. In Deutschland ist das Unternehmen seit gut 50 Jahren aktiv.

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