Ukraine-Krieg:Renault stößt Lada ab - für einen Rubel

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Ukraine-Krieg: Renault-Abschied mit hohem Verlust: Arbeiter, die einen Lada zusammenbauen.

Renault-Abschied mit hohem Verlust: Arbeiter, die einen Lada zusammenbauen.

(Foto: GLEB STOLYAROV/Reuters)

Der französische Autokonzern zieht sich aus Russland zurück und verkauft seine Beteiligung am Lada-Hersteller Avtovaz an die Stadt Moskau. Doch es gibt eine Hintertür.

Von Caspar Busse

Vergangene Woche hatte Siemens mitgeteilt, dass man sich wegen des brutalen Überfalls Russlands auf die Ukraine nach 170 Jahren nun vollständig aus Russland zurückziehe. Kein Zweifel: Je länger der Krieg dauert, desto größer wird der Druck auf die westlichen Unternehmen.

Nun zieht auch Renault Konsequenzen. Die Franzosen gehören zu den Unternehmen, die besonders stark in Russland aktiv und auch stark von dem Land abhängig sind. Der Autobauer verkauft nun seinen Mehrheitsanteil an dem russischen Lada-Hersteller Avtovaz. Die Beteiligung von 67,7 Prozent gehe an das russische Forschungsinstitut Nami, teilte Renault mit. Nami steht für Zentralinstitut zur Entwicklung von Automobilen und Motoren. Das russische Handelsministerium hatte den Deal bereits im April angekündigt und einen symbolischen Preis von einem Rubel als Kaufpreis genannt.

"Eine schwierige, aber notwendige Entscheidung", sagt der Konzernchef

"Der ausländische Eigentümer hat beschlossen, das Moskauer Renault-Werk zu schließen. Das ist sein Recht, aber wir können nicht zulassen, dass Tausende von Arbeitern ohne Arbeit dastehen", schreibt der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin auf seinem Blog. "Ich habe beschlossen, das Werk als Stadteigentum zu übernehmen und die Produktion von Pkw unter der historischen Marke Moskwitsch wieder aufzunehmen."

Es ist in jedem Fall ein enormes Verlustgeschäft, was einer Quasi-Enteignung gleichkommt. Renault bestätigte deshalb, dass eine Abschreibung von fast 2,2 Milliarden Euro auf die russischen Geschäfte fällig werde, die im ersten Halbjahr 2022 gebucht würden.

"Heute haben wir eine schwierige, aber notwendige Entscheidung getroffen", sagte Renault-Generaldirektor Luca de Meo. Er habe aber Vertrauen in die Fähigkeit von Renault, "die Transformation zu beschleunigen und die mittelfristigen Ziele zu übertreffen". Avtovaz ist der größte Auto-Hersteller in Russland, die Fahrzeuge werden unter dem auch international bekannten Markennamen Lada verkauft, auch außerhalb von Russland. Legendär ist der Lada-Jeep namens Niwa. Nahe Moskau hat Avtovaz ein Werk.

Unternehmen, die in Russland aktiv sind, stehen schon länger unter deutlichem Druck. Auch andere große Autohersteller wie Volkswagen oder Mercedes-Benz haben die Geschäfte in Russland auf Eis gelegt. Der russische Staat hatte bereits mit Enteignungen gedroht, wenn Konzerne sich zurückziehen.

Renault hatte wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine bereits Ende März den Betrieb in seinem Werk in Russland eingestellt und erklärt, man prüfe Optionen für Avtovaz. Ende April hatten die Franzosen dann mitgeteilt, dass die hohe Abhängigkeit vom Russland-Geschäft zusammen mit dem Halbleitermangel große Probleme verursache. Renault meldete den höchsten Absatzrückgang seit mehr als zehn Jahren: Im ersten Quartal gingen die Verkäufe um 17 Prozent auf nur noch 552 000 Fahrzeuge zurück. Russland war einer wichtigsten Märkte für Renault. Den Einstieg hatten 2007 der damalige Renault-Chef Carlos Ghosn und Wladimir Putin vereinbart. Avtovaz hat rund 45 000 Mitarbeiter in Russland. Die übrigen Anteile an Avtovaz hält das russischen Staatsunternehmen Rostec.

Trotzdem hat sich Renault eine Hintertür für eine mögliche spätere Rückkehr nach Russland offen. Es gebe eine Rückkaufoption für den Anteil über sechs Jahre, teilte das Unternehmen mit. Der Schritt erhalte dem Konzern die Möglichkeit, nach Russland zurückzukehren, erklärte auch de Meo. "Der Abschluss dieser Transaktionen unterliegt keinerlei Bedingungen und alle erforderlichen Genehmigungen wurden eingeholt", erklärte Renault weiter.

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