Lira-Verfall Erdoğans Attacken schaden der Türkei nur noch mehr

Statt auf den Westen zu schimpfen, sollte der türkische Präsident endlich harte ökonomische Maßnahmen ergreifen - denn die gibt es zur Genüge.

Kommentar von Ulrich Schäfer

Recep Tayyip Erdoğan handelt in der Finanzkrise, die sein Land erschüttert, wider jede ökonomische Vernunft. Er fordert, die türkische Notenbank solle die Zinsen senken - doch tatsächlich müsste sie diese drastisch erhöhen, um den Verfall der Lira zu stoppen. Solch ein Schritt wäre schmerzhaft, er würde das Wachstum verlangsamen, Investitionen erschweren, Jobs kosten; aber eine drastische Zinserhöhung könnte dazu beitragen, den massenhaften Abfluss von Geld zu stoppen.

Kapital wandert nun einmal dorthin, wo es, abhängig vom Risiko, den höchsten Ertrag erzielt - hohe Zinsen würden die Anleger deshalb sehr viel eher davon überzeugen, Lira zu kaufen als Erdoğans fortwährenden Appelle an seine Landsleute, ihre Euro- und Dollar-Guthaben doch bitte in türkische Währung umzutauschen.

Populistische Attacken helfen Erdoğan nicht

Der Präsident aber will von einer Zinserhöhung nichts wissen, stattdessen attackiert er Trump und den Westen, und geht gegen Türken vor, die sich in den sozialen Medien kritisch über den Kurssturz äußern. Mit seinen Tiraden treibt Erdoğan jedoch nur noch mehr Geld außer Landes.

Die Türkei könnte, um die Flucht aus der Lira zu stoppen, zudem Kapitalverkehrskontrollen einführen, also den Umtausch in andere Währungen begrenzen oder zeitweise ganz verbieten. Solch ein Eingriff wäre ebenfalls schmerzhaft, weil er auch die Bürger und Unternehmen des Landes treffen würde. Aber in einer Notsituation, wie sie die Türkei gerade erlebt, helfen nur harte ökonomische Maßnahmen - und keine populistischen Attacken.

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