Chemie:Lanxess setzt auf den Kampf gegen Keime

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Woman applying sanitizer during COVID-19 model released Symbolfoto GIOF09533

Desinfektion als Corona-Prävention: Das Kölner Unternehmen Lanxess will zu einem führenden Anbieter mikrobieller Schutzprodukte werden.

(Foto: Giorgio Fochesato/imago images/Westend61)

Die frühere Bayer-Tochter will einem US-Konzern das Geschäft mit Wirkstoffen für Desinfektionsmittel abkaufen. Es ist bereits die vierte Übernahme des Kölner Unternehmens in diesem Jahr. Die Aktie legt zu.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Desinfektionsmittel sind während der Corona-Pandemie allgegenwärtig geworden, nun will der Chemiekonzern Lanxess im Geschäft mit entsprechenden Wirkstoffen wachsen. Das Kölner Unternehmen will einen Teil des US-Konzerns International Flavors & Fragrances (IFF) übernehmen und dafür etwa 1,1 Milliarden Euro zahlen. Das haben die Firmen in der Nacht zu Dienstag bekanntgegeben. Die sogenannten antimikrobiellen Produkte von IFF stecken etwa auch als Konservierungsmittel in Haushaltsreinigern oder Waschmitteln, machen Produkte also länger haltbar.

Der geplante Zukauf ist bereits der vierte, den Lanxess in diesem Jahr angekündigt hat. "2021 steht voll im Zeichen des Wachstums", sagt Vorstandschef Matthias Zachert. Beispielsweise hat das M-Dax-Unternehmen diesen Sommer einen Hersteller von Aromastoffen und Konservierungsmitteln übernommen. Und im Frühjahr kaufte Lanxess einen Hersteller von Schädlingsbekämpfungs- und Desinfektionsmitteln. So werde man nun zu einem der weltgrößten Anbieter für Schutzprodukte gegen Keime, heißt es von dem Konzern.

Lanxess entstand 2004, als der Bayer-Konzern weite Teile seiner Chemiegeschäfte in die neue Firma auslagerte und an die Börse brachte. Bayer konzentrierte sich seither auf Medikamente und Agrarchemikalien. Lanxess wiederum hat die Spezialchemie im Blick und Massengeschäfte - wie zuletzt das mit Lederchemikalien - verkauft. Neben dem Kampf gegen Keime und Verderben setzt das Unternehmen beispielsweise auf Zusatzstoffe oder Farbpigmente.

Der Konzern beendet ein Aktien-Rückkaufprogramm, das er zu Beginn der Krise beschlossen hatte

Die IFF-Sparte erwirtschaftete zuletzt mit etwa 270 Beschäftigten einen Jahresumsatz von umgerechnet knapp 400 Millionen Euro. Sie betreibt zwei eigene Fabriken in den USA, hinzu kommen Produktionskapazitäten bei anderen Wirkstoffherstellern weltweit.

Wettbewerbsbehörden müssen die Übernahme nun noch prüfen, zudem muss IFF den Geschäftsbereich formal aus dem Konzern ausgliedern. Lanxess erwartet, den Zukauf im zweiten Quartal des kommenden Jahres abschließen zu können. Das Unternehmen will die Übernahme mit Anleihen finanzieren.

Da Lanxess viel Geld für den Zukauf ausgibt, beendet der Konzern nun endgültig ein Aktien-Rückkaufprogramm, das er im März 2020 beschlossen, aber bereits im April 2020 wieder ausgesetzt hatte. Lanxess sah damals ein, dass man flüssige Mittel zu Beginn der Corona-Krise besser beisammenhalten sollte. Wenn Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen, macht das die Anteilsscheine zwar knapper und tendenziell teurer. Rückkaufprogramme gelten zuweilen aber auch als Ausdruck von Ideenlosigkeit oder Investitionszurückhaltung. An der Börse hat Lanxess am Dienstag zeitweise gut zwei Prozent an Wert gewonnen.

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