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Kurs der Notenbanken:Geldschwemme als Keim der Krise

Welche Blase wird jetzt finanziert? Die Notenbanken behandeln die Geldhäuser, als wären sie Kranke nach einer Notoperation - doch manches Institut weiß gar nicht, wohin mit dem Geld. Die Geldschwemme zeigt schon jetzt groteske Folgen. Und das nächste Dilemma zeichnet sich ab.

Die meisten Menschen dürften in dem Zustand leben, zu wenig Geld zu haben. Ständig fehlen ein paar Euro, um sich schöne Konsumgüter leisten zu können oder - zwecks Zukunftssicherung - Immobilien zu kaufen. Es gilt als ökonomisches Naturgesetz, dass Bedürfnisse nun mal deutlich größer sind als Ressourcen. Die Differenz gleicht gewöhnlich die Bank aus - jedenfalls, wenn sie von einer sicheren Bonität ausgeht.

Bei den Banken selbst dagegen sieht es in diesen Tagen anders aus. Sie leben im sicheren Bewusstsein, zu viel Geld zu haben. Seit Monaten werden sie von den Notenbanken dieser Welt gepäppelt wie der Kranke nach der Notoperation, wenn er die Intensivstation verlassen hat. Hier mal Großkredite zu Vorzugszinsen, dort eine Senkung der Leitzinsen in Richtung null Prozent; hinzu kommen großzügigste Käufe von Staatsanleihen zur Beruhigung der "Märkte".

In den USA hat die Federal Reserve (Fed) ein Riesenprogramm zum Ankauf hypothekenbasierter Anleihen aufgelegt. Ihr Kinderlein kommet, lasst uns Geld drucken! Die Hemmungen sind gefallen. So handhaben es quasi alle wichtigen Notenbanken, und die Europäische Zentralbank (EZB) darf im Sanitäts-Geleitzug der spendablen Retter nicht fehlen. Da kann Bundesbank-Chef Jens Weidmann noch so sehr mahnen, Geld sei im Grunde nichts anderes als bedrucktes Papier, in das viele Menschen Vertrauen haben müssten.

Das Ergebnis der Retter-Ökonomie ist eine riesige Geldschwemme. Sie mag für den Moment ein gutes Gefühl machen. Die Börsenkurse steigen, die Aktienindices signalisieren Erholung, die Schuldzinsen mancher klammer Staaten sinken für ein paar Tage. Doch der kurzfristigen Euphorie entspricht kein langfristiges Glück. Es ist nur der Rausch des Moments, der Zeit kauft (die beliebteste politische Übung derzeit). Er macht in Wirklichkeit alles schlimmer.

Das "Fluten" der Märkte, wie das im Fachjargon der Geldpolitiker heißt, hat schon jetzt groteske Folgen. Bildlich gesprochen sieht das, was einmal ein ordentlicher Finanzmarkt war, inzwischen so ähnlich aus wie der Oderbruch im Herbst 2002, damals, als Kanzler Gerhard Schröder in Gummistiefeln den Einsatzleiter gab. Der Chef der Hypo-Vereinsbank bekannte jetzt sogar, sein Haus ersticke geradezu in Liquidität. Er habe jede Nacht zweistellige Milliardenbeträge übrig, und keiner wolle das Geld haben.