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Politik der amerikanischen Notenbank:Fluch des billigen Geldes

Die amerikanische Notenbank löst mit ihrer aggressiven Politik weltweit Unruhe aus. Kritiker sehen darin den Versuch, den Wechselkurs des Dollar zu drücken. Das hilft der heimischen Export-Wirtschaft. Es setzt aber andere Länder unter Druck - und könnte Inflation in den USA auslösen.

Das böse Wort ist wieder in der Welt: "Währungskrieg". Guido Mantega, Finanzminister Brasiliens, äußerte scharfe Kritik an der Politik des noch billigeren Geldes, die die amerikanische Notenbank Federal Reserve seit voriger Woche verfolgt. Diese Politik sei "protektionistisch", sagte er in einem Interview der Financial Times. Sie werde Währungskriege provozieren mit potentiell verheerenden Folgen für den Rest der Welt.

Wall Street Aristocracy Got $1.2 Trillion in Secret Loans at Lowest Rates

Das Gebäude der US-Notenbank in Washington: Die Politik der Fed ist auch innerhalb des Landes umstritten.

(Foto: Bloomberg)

Fed-Präsident Ben Bernanke hatte den neuen Kurs der Fed am Donnerstag voriger Woche bekannt gegeben: Die Notenbank werde monatlich für 85 Milliarden Dollar Hypothekenanleihen und Staatspapiere kaufen und in entsprechendem Umfang neues Geld schaffen - und zwar so lange, "bis sich die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt verbessern". Eine so explizite Ausrichtung der Geldpolitik am Ziel der Vollbeschäftigung hatte es in den Vereinigten Staaten vorher noch nie gegeben.

Kritiker wie Guido Mantega sehen im neuen Kurs einen Versuch, den Wechselkurs des Dollars zu drücken und so amerikanische Exporte zu Lasten anderer Länder zu fördern. Tatsächlich hat die Entscheidung den Dollar unter Druck gesetzt. So hat sich zum Beispiel der Euro gegenüber der amerikanischen Währung während der vergangenen zehn Tage von 1,27 auf 1,30 Dollar verteuert - und dies obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) ihrerseits ein Programm zum unbegrenzten Kauf italienischer und spanischer Staatsanleihen verkündet hat. Nach einem Dollar-Index des Wall Street Journals hat sich die US-Währung im vergangenen halben Jahr gegenüber einem repräsentativen Kurs anderer Währungen um sechs Prozent verbilligt.

Besondere Probleme bekommen durch diese Politik Währungen dynamischer Volkswirtschaften, in denen höhere Zinsen gezahlt werden als in den USA oder der Euro- Zone. Sie ziehen heißes Spekulationskapital an, was den Wechselkurs in die Höhe treibt und die Realwirtschaft Wettbewerbsfähigkeit kostet. Brasilien wehrt sich schon seit zwei Jahren relativ erfolgreich mit Interventionen am Devisenmarkt gegen die Dollarschwemme. Der brasilianische Real wurde in den letzten zehn Tagen zwar nur um 0,3 Prozent aufgewertet.

Allerdings ist der Aufschwung in dem Schwellenland auch fast schon zu Ende, was die heftige Reaktion des Finanzministers erklären könnte. Andere Länder hat die Fed-Entscheidung härter getroffen. Der mexikanische Peso wurde seither um 2,7 Prozent teurer, der koreanische Won um 1,6 Prozent und der polnische Zloty sogar um 4,3 Prozent.