Bitcoin, Ether & Co.:Der Krypto-Crash erreicht die Finanzmärkte

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Bitcoin, Ether & Co.: In El Salvador ist der Bitcoin sogar gesetzliches Zahlungsmittel, der hoch verschuldete Staat spekuliert mit Steuergeldern darauf. Seit Monaten aber fällt der Kurs immer weiter.

In El Salvador ist der Bitcoin sogar gesetzliches Zahlungsmittel, der hoch verschuldete Staat spekuliert mit Steuergeldern darauf. Seit Monaten aber fällt der Kurs immer weiter.

(Foto: Jose Cabezas/Reuters)

Die US-Krypto-Börse Coinbase macht in nur drei Monaten 1,1 Milliarden Dollar Verlust, die Berliner Digital-Bank Nuri ist pleite. Immerhin: Das Vermögen der Kunden in den Krypto-Wallets ist sicher.

Von Stephan Radomsky

Computer kennen im Prinzip nur das: 0 oder 1. Negative Werte gibt es für sie nicht, Minuszeichen sind etwas für Menschen. Menschen zum Beispiel, die ihr Geld in Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether oder Cardano anlegen. Oder in Krypto-Börsen und Neo-Banken.

Eigentlich will das digitale, dezentrale Geld, ein Gegenentwurf sein zum klassischen Finanzmarkt. Ohne den Einfluss von Banken oder Regierungen, transparent und demokratisch. Der Wert soll sich im freien Spiel des Marktes finden und jede Transaktion in einer nicht zu fälschenden Blockchain-Datenbank verzeichnet werden. Das große Versprechen: Gerade wenn das Finanzsystem in die Krise gerät, soll Krypto die Rettung sein. Doch seit Monaten fallen die Krypto-Kurse immer weiter - gerade wegen der wachsenden Unsicherheit an den Finanzmärkten, der hohen Inflation und wieder deutlich höherer Zinsen. Die Höchststände des vergangenen Herbstes sind inzwischen weit weg, die Krypto-Leitwährung Bitcoin beispielsweise hat seither fast zwei Drittel an Wert verloren.

Inzwischen hat der Absturz auch auf den klassischen Finanzmärkten Folgen. So meldet die US-Krypto-Börse Coinbase 1,1 Milliarden Dollar Verlust, und das in gerade mal drei Monaten. "Der derzeitige Abschwung kam schnell und stürmisch", heißt es von Coinbase. Vor einem Jahr hatte man noch einen Gewinn von 1,6 Milliarden Dollar gemacht.

Das Geschäftsmodell von Coinbase basiert stark auf Handelsgebühren, was es anfällig für Kursschwankungen macht. So sank sowohl die Zahl der Nutzer als auch das Handelsvolumen, der Umsatz brach um mehr als 60 Prozent auf noch gut 808 Millionen Dollar ein. Hinzu kamen hohe Abschreibungen. Seit ihrem Rekordhoch im vergangenen November hat die Coinbase-Aktie rund drei Viertel an Wert verloren.

Nuri meldet Insolvenz an

Noch härter traf es die Berliner Digital-Bank Nuri: Sie ist pleite. Am Dienstag habe man Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht gestellt, um den "Weiterbetrieb der App und die Erfüllung der Verbindlichkeiten von Nuri sicherzustellen", wie die Firma mitteilte, die noch bis vergangenes Jahr Bitwala hieß.

Auch Nuri wurden die Turbulenzen am Krypto-Markt zum Verhängnis. Bereits Mitte Juni hatte ein wichtiger Geschäftspartner der Berliner, das US-Fintech Celsius Network, die Gelder aller seiner Kunden eingefroren. Inzwischen ist es insolvent. Celsius war auf Kryptowährungskredite spezialisiert, die nötigen digitalen Devisen wiederum lieh man sich unter anderem bei Nuri. Die Verwicklungen dürften Medienberichten zufolge auch die Suche nach neuen Geldgebern erschwert haben.

Für die Kunden soll die Insolvenz nun aber erst einmal keine Auswirkungen haben, hieß es. Sie hätten weiterhin Zugang zu ihren Einlagen, und sie könnten jederzeit in vollem Umfang abheben. Nuri selbst besitzt keine eigene Banklizenz, sondern nutzt die Dienste der Solaris Bank. Die bestätigte Bloomberg zufolge, dass die Insolvenz weder das Vermögen der Nuri-Kunden auf Euro-Bankkonten noch in Krypto-Wallets beeinflussen werde. Das Fintech hat nach eigenen Angaben rund 500 000 Kunden und verwaltete zuletzt Vermögenswerte von rund 325 Millionen Euro.

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