Dänemark Kopenhagen soll ins Meer wachsen

  • Neun künstliche Inseln mit dem Namen "Holmene" wollen Dänemarks Politiker in der Køge-Bucht im Südwesten Kopenhagens bauen lassen.
  • Darauf soll Platz für die Industrie entstehen, manche hoffen auf ein europäisches Silicon Valley.
  • Die Finanzierung des Mega-Projekts ist allerdings noch nicht geklärt.
Von Kai Strittmatter

Kopenhagen platzt aus allen Nähten, die Mieten und Immobilienpreise in Dänemarks Hauptstadt treiben mitunter auch leidgeprüften Hamburgern und Münchnern Tränen in die Augen. Jetzt soll die Stadt wachsen, Neuland erobern: im Meer. Dänemarks Politiker wollen Kopenhagen neue Inseln schenken. Lebensraum für die Kopenhagener, aber auch Platz für die Wirtschaft der Zukunft.

Im Herbst schon hatte die Regierung Pläne vorgestellt für eine neue Insel namens Lynetteholmen, auf der einmal 35 000 Kopenhagener leben und arbeiten sollen. Aber das Projekt, mit dem Dänemark am Montag an die Öffentlichkeit ging, schlägt noch einmal alle bisherigen Ideen: Gleich neun neue Inseln sollen es nun sein, eine menschengeschaffene Inselgruppe namens "Holmene" in der Køge-Bucht im Südwesten Kopenhagens. So kühn wurde bislang nicht geplant. Die Zeitung Politiken nennt es das "möglicherweise größte Entwicklungsvorhaben in der Geschichte des Landes", der Vorsitzende der dänischen Arbeitgebervereinigung Dansk Erhverv, Brian Mikkelsen, träumt von "Europas Silicon Valley", das auf den Inseln entstehen werde.

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Tatsächlich sollen auf den neun künstlichen Inseln keine Wohnungen entstehen, man will vielmehr der Wirtschaft neuen Raum geben: Neben Hightech-Unternehmen sollen sich hier Gewerbe und produzierende Industrie ansiedeln. Daneben soll es Platz für Natur und Erholung geben und besseren Schutz vor Sturmfluten sollen die neuen vorgelagerten Küsten der Stadt auch noch bieten. Drei Millionen Quadratmeter Land müssten dazu aufgeschüttet werden, bis zum Jahr 2040 sollen dort 380 Firmen mit 12 000 Arbeitsplätzen angesiedelt werden.

2028 sollen die ersten Grundstücke zum Verkauf stehen

Der Haken an dem schönen Traum: Vorerst ist er einmal nur das. Zwar stehen hinter dem Plan sowohl Dänemarks Regierung als auch die Stadt Kopenhagen und die Gemeinde Hvidovre, der Kopenhagener Vorort, der die Heimat der neuen Inseln werden soll - doch verrieten all die schwärmenden Minister am Montag weder den Preis für die monumentale Landnahme noch konkrete Pläne für die Finanzierung. Und das Parlament hat auch noch nicht zugestimmt.

Mancher Kommentator merkte an, dass die Regierung von Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen schon mit einem Auge auf den bevorstehenden Wahlkampf schiele und mit dem Inselprojekt um die Gunst der Hauptstädter werben wolle. Und erste Kritiker meldeten sich noch am Montag zu Wort. Das konservative Blatt Berlingske zitierte die Wirtschaftsprofessorin Anne-Mette Hjalager mit der Einschätzung, ein solches Inselprojekt am vorgesehenen Standort schaffe der jetzt schon staugeplagten Stadt noch größere Umwelt- und Verkehrsprobleme und mache "überhaupt keinen Sinn". Viele fragen jedoch vor allem, woher das Geld kommen soll. Die Regierung möchte 2022 mit dem Auffüllen der Inseln beginnen und die ersten Grundstücke 2028 verkaufen.

Für die Optimisten sprach am Montag Torben Möger Pedersen, der Chef von Pension Danmark. Seine Rentenkasse wolle sehr gerne in die Inseln investieren, sagte er dem Wirtschaftsblatt Børsen. "Das Projekt ist in vielerlei Hinsicht epochal."

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