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Konjunktur in Deutschland:Das Ende des deutschen Booms

Von den Experten bis zu den Verbrauchern: Alle rechnen mit einer Abkühlung des deutschen Aufschwungs. Sind die Deutschen einfach nur so miesepetrig wie immer? Nein. Sie sind zu Recht misstrauisch und haben leider recht: Deutschland boomt zwar jetzt - aber nicht mehr lange.

Italien im Juli, das hieß früher Sonne, Meer und dolce vita. In diesem Jahr machen Regengüsse, Kälte und sogar Schnee sommerliche Gefühle zunichte. Vor allem im Norden, etwa an der ligurischen Küste. sind die Strände wegen der für die Jahreszeit ungewöhnlichen Schlechtwetterperiode an manchen Tagen wie ausgestorben. Auch in Rom ist es eher kühl, in den Dolomiten soll es schneien.

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Summa summarum

Die Zeiten werden härter

Die Schuldenkrise in Griechenland drückt auf die Stimmung der deutschen Verbraucher und Manager. Noch boomt der Export, doch die Zeit des Aufschwungs ist vorbei. Dennoch: Angstsparen hilft nicht.

Das Wetter passt zum wirtschaftspolitischen Gesamteindruck. Die Lage des hoch verschuldeten Italien ist prekär. Noch wirkt der EU-Gipfel nach, der vor Wochenfrist weitere Schritte der Euro-Rettung ausdrücklich auch deshalb beschlossen hatte, um die Ansteckungsgefahr der Griechenland-Krise auf Italien zu verhindern. Aber wie lange hält der Frieden?

Die Deutschen haben ein feines Gespür für diese labile Situation. Immer mehr wichtige Prognosen zeigen neuerdings nach unten: Das beginnt mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex, der monatlich die Stimmung in deutschen Firmen misst, und der auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2010 gesunken ist.

Es geht weiter mit dem Index der Finanzanalysten sowie dem der Einkaufsmanager und endet bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die die Stimmung der Verbraucher misst: Überall glauben die Befragten, dass die Lage, die allgemeine und die persönliche, schlechter werde.

Diese Einschätzung passt auf den ersten Blick nicht zu den Erfolgsnachrichten der deutschen Wirtschaft, die es ja auch gibt. Die Exportwirtschaft boomt. Auch die neuesten Zahlen zu den weltweiten Investitionen strahlen: Um satte 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr haben deutsche Unternehmen ihr Engagement im Ausland ausgebaut, auf eine Gesamtsumme von 105 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 73 Milliarden Euro). Deutschland ist omnipräsent; nur amerikanische Firmen investieren noch mehr (329 Milliarden Dollar).

Diese Zahlen haben nur einen Nachteil: Sie sind frisch auf dem Markt, betreffen aber 2010. Das vergangene Jahr war für die deutsche Wirtschaft wie ein Sechser im Lotto - wobei der Vergleich hinkt, denn der Erfolg war hart erarbeitet, durch viel Innovation, kluge Strategien und maßvolle Tarifabschlüsse.

Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Eine Wirtschaft, die 2010 um 3,6 Prozent gestiegen ist, weniger als drei Millionen Arbeitslose. Leider wird es dabei nicht bleiben. Schon für 2011 und erst recht für 2012 wird ein deutlich schwächeres Wachstum erwartet. Hier treffen sich die Experten, und davon gibt es in Deutschland viele, mit dem Bauchgefühl von Geschäftsleuten und Verbrauchern.

Ist das die übliche Miesepetrigkeit der Deutschen?

Wohl nicht. Es gibt eine Plausibilität dafür, dass die schönen Zeiten des Aufschwungs vorbei sind. Die Welt hat die deutschen Waren und das deutsche Geld aufgesogen, aber sie ist gesättigt. Um Deutschland herum, in Europa wie in weiten Teilen der Welt, häufen sich die Probleme. Die Vereinigten Staaten balancieren am Rande der Zahlungsunfähigkeit, die Lage in den europäischen Ländern ist ernst. Die Arbeitslosigkeit steigt rasant, unter den Jugendlichen macht sich Verzweiflung breit, das Thema erreicht bereits die Feuilletons.

Die Schuldenkrise engt die Möglichkeit der Staaten ein, gegenzusteuern, es hindert sie auch daran, zu investieren oder investieren zu lassen. Im Zahlenwerk vieler Firmen zeigen sich Spuren dieser Entwicklung. Selbst in der stolzen Autoindustrie, die derzeit von einem Rekord zum nächsten jagt, erahnen einige weitsichtige Strategen schon den letzten Tanz.

Inmitten einer zunehmend desperaten Welt ist der deutsche Wohlstand auf Sand gebaut. Die Profis in der Finanzwelt haben das erkannt. Sie reden nicht so, handeln aber danach - und bauen Risiken ab. Allen voran die Deutsche Bank, die zuletzt wegen ihres Führungsstreits einen schlechten Eindruck machte, beim Geld aber keinen Spaß versteht. Sie hat, wie ihre neuesten Zahlen zeigen, ihre Positionen in den Krisenländern dramatisch reduziert. Zugleich steigen die Preise für Kreditversicherungen (CDS). Das sind Zeichen, dass die guten Zeiten langsam, aber sicher vorbei sind.

Das ist dann anders als beim Wetter. Im August soll südlich der Alpen die Sonne wieder kräftig scheinen. So schnell wird es in der Wirtschaft nicht gehen.

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