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Klimagesetz:Das Finanzsystem ökologisieren

Solarzellen auf Dach

Solarzellen auf einem Ziegeldach. Banken sollen motiviert werden, zunehmend grüne Projekte zu finanzieren.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Die EU möchte bis 2050 klimaneutral werden. Banken sollten deshalb indirekt dafür bezahlen, wenn sie Kredite für umweltschädliche Projekte geben, fordern Wissenschaftler.

Von Markus Zydra, Frankfurt

EU-Kommission, Regulierer und Aufseher sollten nach Ansicht eines Wissenschaftlers die gesamte Finanzbranche dazu verpflichten, die Risiken aus braunen Investments einzukalkulieren. "Banken, Pensionsfonds und Versicherungen haben Klimarisiken noch nicht ausreichend in ihre Risikokalkulationen und Geschäftsmodelle eingebaut", schreibt Sebastian Mack, Policy Fellow für europäische Finanzmärkte am Jacques Delors Centre, in einer gemeinsamen Studie mit der Bertelsmann Stiftung.

Die Finanzindustrie sei zwar gehalten, die Risiken aus dem Klimawandel zu analysieren und diese auch zu veröffentlichen. "Doch das bedeutet nicht automatisch, dass diese Informationen auch ins Risikomanagement eingebaut und in die Produkte eingepreist werden", sagt der Wissenschaftler. Es wachse das Risiko für die Finanzstabilität, weil aufgrund von Unwettern, klimatischer Veränderungen und politischer Regulierung mancher Kredit praktisch über Nacht stark an Wert verlieren könne. "Wieso verlangen Bankenaufseher noch immer keine Kapitalaufschläge für Umweltrisiken? Die von ihnen ausgehenden finanziellen Gefahren für die Finanzbranche sind doch hinreichend bekannt", fragt Mack.

Die EU möchte ihre Wirtschaft bis 2050 auf Klimaneutralität trimmen. Von diesem Datum an sollen nur noch unvermeidbare Treibhausgase ausgestoßen werden. Gleichzeitig will man diese Emissionen vollständig ausgleichen, beispielsweise durch Aufforstung oder Investitionen in Windkraft. Mit einem Ergebnis in den Verhandlungen über das europäische Klimagesetz und die konkreten Umsetzungsmaßnahmen wird in diesem Jahr gerechnet.

Pauschale Kapitalerleichterungen für grüne Kredite solle es aber nicht geben

Bei der Entwicklung einer nachhaltigeren Wirtschaft spielt die Finanzindustrie eine wichtige Rolle, sie gibt die Kredite für Investitionen. Eine "Ökologisierung des Finanzsystems" könne nur durch Preissignale umgesetzt werden. Mack nennt zwei Wege: "Der eine besteht darin, Banken, Pensionsfonds und Versicherungen zu verpflichten, mehr Kapital zu halten, wenn sie Kredite für braune Projekte gewähren oder Aktien und Anleihen von umweltschädlichen Unternehmen kaufen." Der Hintergedanke: Kapital ist kostbar. Banken würden deshalb alles tun, um den Einsatz so gering wie möglich zu halten - und in der Folge braune Projekte eben nicht mehr so umfänglich finanzieren, wie sie es bislang tun. Der Anreiz würde aber auch umgekehrt funktionieren, dann nämlich, wenn man Finanzunternehmen erlaube, weniger Kapital für grüne Kredite, Aktien und Anleihen vorzuhalten.

Mack lehnt pauschale Kapitalerleichterungen für grüne Kredite ab. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde prüfe jedoch, ob es nicht doch bestimmte grüne Investments gebe, die weniger riskant seien. "Wenn man ein Haus energetisch nachhaltig saniert, dann sinkt unter Umständen das Risiko der Bank, weil sie, im Falle eines Kreditausfalls, mit dem Haus eine langfristig werthaltigere Sicherheit in der Hinterhand hat." Banken müssten natürlich auch die Risiken grüner Investments prüfen. Auch bei einem Windkraftwerk gebe es Risiken, etwa, ob es wirklich so viel Energie erzeugen kann, wie aufgrund der Windhistorie prognostiziert wurde."

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